Vom Computerspiel zum Glücksspiel

Das Bild zeigt ein Jugendlichen an einem Laptop

Vom Computerspiel zum Glücksspiel

Von Inga Thiede und Catharina Brade

Glücksspiel kann süchtig machen. Das gilt auch für Glücksspiele im Internet. Und auch da gilt: Mitspielen darf nur, wer volljährig ist. Trotzdem zocken viele Jugendliche im Netz – angelockt über Computerspiele. Doch wie kann das sein?

Ein Weg zu den Wettspielen führt über das beliebte Onlinespiel "Counter-Strike Global Offensive", kurz: CSGO. Offiziell zu spielen ab 16 Jahren, aber viele steigen früher ein. Rund eine halbe Million Spieler zocken gleichzeitig – jeden Tag. Allerdings bleibt es bei manchen Jugendlichen nicht beim Zocken. Denn der Weg von CSGO zum Glücksspiel ist kurz. So machen zum Beispiel Youtube-Stars offen Werbung für Glücksspiele. Locken sie die Jugendlichen so zum Zocken?

Vom Computerspiel zum Glücksspiel

Zugang zu CSGO bekommt man über die Spieleplattform Steam. Dort können die Spieler miteinander kommunizieren – und sie können neue, virtuelle Waffen für das Spiel kaufen. Aber man kann diese Waffen über externe Programme auch in virtuelles Geld umwandeln und dieses Geld dann in Online-Casinos einsetzen – und das machen offenbar viele Jugendliche. Wer viel Glück hat, gewinnt mehr virtuelles Geld - und kauft damit teurere Waffen. Zum Spielen – oder um sie auf anderen externen Websites zu echtem Geld zu machen. Aber viele stecken Geld rein und verlieren es.

Jugendschutz – Fehlanzeige

Arne Rüger von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW sieht hier eine gefährliche Entwicklung. Der Jugendschutz sei gerade im Internet und bei den nicht-legalen Anbietern in Deutschland unzureichend – und das, wo diese Angebote für viele Jugendliche rund um die Uhr vom Kinderzimmer aus verfügbar sind. Auf die Anfrage, warum das illegale Wetten von Jugendlichen mit virtuellen Waffen nicht unterbunden wird, antwortet der Besitzer von Steam nicht.

Woher kommt das Geld?

Für die Glücksspiele im Netz brauchen die Jugendlichen noch nicht mal ihr Bankkonto – es reichen sogenannte paysafe-Karten, die man an Kiosken oder Tankstellen kaufen kann. Mit denen können die Jugendlichen dann anonym im Netz zahlen. Arne Rüger von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW wünscht sich, dass möglichst bald ein sogenanntes payment blocking eingeführt wird: "Das gab es in den USA bereits. Es wurde erfolgreich beim Online-Pokermarkt praktiziert. So ein Modell könnte man sich auch für Deutschland vorstellen." Rüger meint, dass Banken so verpflichtet werden könnten, jegliche Zahlungsströme zwischen Kunden und Anbietern illegaler Glücksspiele im Internet zu unterbinden. Das NRW-Innenministerium kennt das Problem und erarbeitet gerade Vorschläge, die im Bundesrat dann diskutiert werden sollen.

Was können die Eltern tun?

Immer den Überblick darüber zu behalten, was genau die eigenen Kinder spielen, ist unmöglich. Hilfreich und wichtig ist es, wenn Eltern und Jugendliche immer im Austausch miteinander bleiben, sich zum Beispiel auch mal gemeinsam Online-Spiele und Plattformen anschauen. So könnten Eltern ihre Kinder im Gespräch über eventuelle Suchtgefahren und Geldfallen aufklären und ihre Kinder so schützen.

Wo gibt es Hilfe?

Laut der Drogen- und Suchthilfe Köln besteht bei Kindern und Jugendlichen eine besonders hohe Suchtgefahr. Schätzungsweise gibt es allein in Nordrhein-Westfalen rund 40.000 Menschen, die von einer Spielsucht betroffen sind. Hilfe und weitere Informationen finden Sie unter:

Fachstelle Glücksspielsucht in Köln

Krefelder Straße 5
50670 Köln
Telefon: 0221/912797-22
Fax: 0221/138082

Stand: 08.03.2017, 14:46