Kritik an Vergleichsportalen für Finanzen

Ehepaar geben Bewertung ab

Kritik an Vergleichsportalen für Finanzen

Von Jörg Marksteiner

  • Vergleichsportalen für Finanzen fehlt oft verlässlicher Überblick
  • Unklar, ob alle Angebote angezeigt werden
  • Verbraucherschützer wollen gesetzliche Vorgaben

Es ist so einfach: Ob billigere Autoversicherung, einen Ratenkredit oder ein günstigeres Girokonto – all das lässt sich im Internet leicht und kostenlos vergleichen. Kunden müssen nur eingeben, was sie suchen und schon werden die günstigsten Anbieter angezeigt. Das glauben jedenfalls viele. Verbraucherschützer sehen das ganz anders.

Finanzportale im Vergleich

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 31.05.2017 | 02:55 Min.

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Verbraucherzentrale übt Kritik

Viele Vergleichsportale für Finanzprodukte bieten Verbrauchern keinen verlässlichen Überblick. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VzBv) in Auftrag gegebene Studie. "Viele Finanzvergleichsportale sind nicht so objektiv wie sie tun und arbeiten nicht so transparent wie sie sollten", findet VzBv-Chef Klaus Müller.

Kein kompletter Marktüberblick

Ein Spielzeugauto steht auf einem Taschenkalender

Auch für Versicherungen gibt es Vergleichsportale

Im Auftrag des VzBv untersuchte das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) die fünf meistgenutzten Vergleichsportale für Girokonten, Ratenkredite und Kfz-Versicherungen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Portale zwar alle den Eindruck vermitteln, "explizit Verbraucherinteressen zu bedienen". Doch bei drei dieser fünf Portale wurden Produkte in der Voreinstellung herausgefiltert, für die sie selbst keine Verträge anbieten. Denn von diesen Anbietern bekommen sie Provisionen, was nicht transparent dargestellt wird.

Das hat Folgen für die Kunden: Möglicherweise wird gerade das für sie passende Angebot nicht angezeigt. Dabei gingen viele Verbraucher davon aus, dass ein weitgehend vollständiger Marktüberblick gegeben wird und die günstigsten Anbieter oben in den Ranglisten erscheinen. Doch in der Regel ist unklar, nach welchen genauen Kriterien die Anbieter die Rankings erstellen. Doch in der Regel ist unklar, nach welchen genauen Kriterien die Anbieter die Rankings erstellen.

Kunde sollte genau hinschauen

Das ist aber nicht zwangsläufig der Fall. Kunden sollten bei Vergleichsportalen generell genau hinsehen, wie die Ergebnisse sortiert werden. Manchmal werden auch automatisch Kriterien verwendet, die auf den ersten Blick nicht transparent sind wie "Empfehlung", "Relevanz" oder "Tipp". Wer das nicht möchte, sollte in den Voreinstellungen den Filter entsprechend ändern.

Finanzdienstleistungen sind Vertrauensgüter. "Wie gut deren Qualität tatsächlich ist, können Verbraucher oft gar nicht selbst überprüfen", kritisiert Verbraucherschützer Müller. Er meint: Portale, die Angebote herausfiltern, sollten als "Finanzproduktvermittler" erkennbar sein, nicht mehr als objektive Vergleichsportale – "andernfalls täuschen sie Verbraucher". Der VzBv fordert deshalb gesetzlich definierte Kriterien für Vergleichsportalbetreiber.

Stand: 14.11.2017, 05:00