Ärger für Stromkunden: Ungewollte Vertragsabschlüsse

Stromkabel um Euroscheine gewickelt

Ärger für Stromkunden: Ungewollte Vertragsabschlüsse

Im hart umkämpften Strommarkt versuchen einzelne Anbieter offenbar mit zweifelhaften Methoden neue Kunden zu gewinnen. Die Verbraucherzentrale NRW klagt jetzt gegen drei Anbieter und mahnt einen ab, die dabei besonders dreist vorgegangen sein sollen.

Laut Verbraucherzentrale gab es diverse Fälle, in denen Vertreter an der Haustür klingelten und sich als Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke oder namhafter Unternehmen ausgaben und dabei falsche Ausweise oder Visitenkarten vorzeigten. Unter dem Vorwand einer Energieberatung, Kostensenkung oder einer angeblich allgemeinen Umstellung auf Ökostrom würden die Abschlüsse neuer Stromverträge angebahnt. Die Kunden würden dabei meistens überrumpelt. Daher raten Verbraucherschützer, sich nicht in ein Gespräch verwickeln zu lassen, auch wenn diese mit vermeintlich guten Angeboten wie einer kostenlosen Energieberatung locken.

Abzocke am Telefon

WDR 5 Profit - aktuell | 22.06.2017 | 02:40 Min.

Download

Telefonanrufe ohne Einwilligung

Einzelne Anbieter setzen offenbar auf massive Telefonakquise, auch bei Verbrauchern, die dazu keine Einwilligung erteilt hatten. Es werde dann behauptet, eine solche Einwilligung sei beispielsweise im Zuge eines Gewinnspiels erteilt worden, so die Verbraucherzentrale NRW. In den Gesprächen werde dann schnell nach dem individuellen Verbrauch, aktuellen Kosten und Zählerständen gefragt und dann angeboten, unverbindliches Informationsmaterial zuzusenden. Ein, zwei Tage später lägen dann aber nicht Infobroschüren im Briefkasten, sondern Vertragsbestätigungen mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Auch wenn man den Vertrag gar nicht aktiv angefragt hat, sollte man dennoch gleich widersprechen. Dies ist 14 Tage ab Widerrufsbelehrung möglich. Lässt man diese Frist verstreichen, gilt der Vertrag zunächst als zustande gekommen und man muss nachweisen, dass dies nicht ordnungsgemäß abgelaufen ist.

„Unzumutbare Belästigung“

Für Stromkunden ist dieses Vorgehen deshalb besonders ärgerlich, weil sie sich aktiv gegen einen Vertrag wehren müssen, den sie weder angefragt noch haben wollen. Das beurteilt die Verbraucherzentrale NRW als „unzumutbaren Belästigung“ und klagt gegen drei Anbieter und mahnt einen ab. Außerdem klagt sie gegen ein Stadtwerk, das Verbraucher unverlangt angerufen und dabei zugleich nur Verträge mit einer Grundlaufzeit von 36 Monaten anboten haben soll. Dies ist im Vergleich eine außergewöhnlich lange Vertragslaufzeit. Eine solche ist zwar im Zuge einer individuellen Vereinbarung grundsätzlich zulässig, allerdings müssten Kunden dabei die freie Wahl unter beliebigen Laufzeiten haben, so die Verbraucherschützer.

Keine Zählerstände herausgeben

Generell gilt der Rat: keine persönlichen Daten herausgeben, auch keine vermeintlich harmlosen Daten wie aktuellen Verbrauch, aktuellen Tarif oder Zählerstände. Diese würden dann genutzt, um die ungewollten Vertragsbestätigungen mit konkreten Inhalten zu belegen und diese dann ggf. auch zugleich für die Kündigung der noch laufenden Verträge zu nutzen.

Stand: 09.05.2017, 14:42