Strafzinsen, Bankgebühren, was tun?

Ein Bankkunde hebt mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab.

Strafzinsen, Bankgebühren, was tun?

Von Michael Houben

Seit die EZB den Leitzins auf praktisch Null gesenkt hat und von Banken, die Geld bei der EZB parken sogar einen Strafzins verlangt, verdienen die Geldhäuser mit ihrem Stammgeschäft kaum noch etwas. Immer mehr Banken erhöhen auch ihre Gebühren.

In den wenigen Fällen, in denen eine Bank Strafzinsen für ihre Kunden eingeführt hat, gelten diese erst ab mehr als 100.000 Euro Guthaben. Damit sollen offensichtlich große Geldanleger dazu gebracht werden, ihr Geld lieber in Fonds und anderen Wertpapieren anzulegen – für die muss auch die Bank keinen Strafzins zahlen, sondern verdient noch etwas. Es kann zwar sein, dass weitere Banken ähnliches einführen. Aber das wird nur Kunden betreffen, die wirklich große Beträge auf den Konten liegen haben.

Strafzinsen, Bankgebühren, was tun?

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 13.09.2017 | 02:35 Min.

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Das ‚kostenlose Girokonto‘ stirbt langsam aus

Kunden mit eher durchschnittlichem Guthaben werden auf andere Weise zur Kasse gebeten. Selbst dort, wo ein Girokonto noch ohne Grundgebühr angeboten wird, werden plötzlich zum Beispiel Jahresgebühren für EC-Karten verlangt und Jahresgebühren für Kreditkarten angehoben. Aber auch alle Aktionen, die man in der Filiale ausführt, kosten immer öfter Geld: Wer mit einer Rechnung gleich eine vorgedruckte Überweisung erhält und diese einfach in der Filiale in den Briefkasten wirft, zahlt häufig schon 50 Cent pro Überweisung - oder auch mal einen Euro. Um Rechnungen kostenlos zu bezahlen, müsste man die lange IBAN und Kundennummern mühsam im Online-Banking in den Rechner tippen. Manche Banken erheben sogar schon eine Gebühr, wenn ein Kunde am Geldautomaten der eigenen Bank Bargeld abhebt. Im Lauf eines Jahres können sich diese Gebühren für eine Familie durchaus auf einige Hundert Euro summieren.

Wie kann man auf Gebührenerhöhungen reagieren?

Zunächst einmal muss ein Kunde überhaupt merken, welche Gebühren bei der eigenen Bank wirklich anfallen. Oft werden veränderte Geschäftsbedingungen (AGB) und neu eingeführte Gebühren nur durch einen kurzen Text auf den Kontoauszügen angekündigt. Das übersehen viele. Selbst wenn ein Kunde aber Widerspruch einlegt, hilft das wenig – denn dann kann eine Bank ohne weiteres das Konto kündigen. Insofern ist eine Gebührenerhöhung sicherlich eine gute Gelegenheit selbst aktiv zu werden, Preise zu vergleichen und ggf. die Bank zu wechseln.

Gebührenvergleich ist mühsam aber lohnend

Banken sind in der Gestaltung von Gebühren sehr kreativ. Teilweise bietet eine Bank selbst drei oder vier verschiedene Girokonten an, die für unterschiedliche Leistungen unterschiedlich viel kosten. Anders als für Strom und Gas gibt es bislang auch im Internet nur wenige Preisvergleichsportale für Bankgebühren. Meistens führen sie nur die wichtigsten überregionalen Banken aufführen – inklusive des runden Dutzends reiner Online-Banken. Die vielen lokalen Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken fehlen häufig in den Vergleichen. Insofern muss man bei der Suche auch selbst mal die Homepages Banken am Wohnort besuchen und sich dort die Gebührentabellen anschauen. Da kann ein Preisvergleich schon mühsam sein - aber wenn man bedenkt, wie sorgfältig viele Menschen zum Beispiel bei Handytarifen Preisvergleich anstellen, dann gilt: Durch Preisvergleich bei Bankgebühren kann man mindestens genau so viel Geld sparen, teilweise wirklich hunderte Euro pro Jahr.

Keine Angst vor Wechsel der Bank

Gerade wenn man bei seiner Bank nicht mit dem Dispo- oder einem sonstigen Kredit im Minus steht, ist ein Wechsel nicht wirklich aufwendig. Es gibt nur drei Punkte zu beachten: Welche Daueraufträge habe ich, die muss ich neu anlegen. Wem habe ich eine Abbuchungsermächtigung erteilt, der muss informiert werden. Und der Arbeitgeber muss natürlich über das neue Konto informiert werden. Falls man jemanden vergessen hat, sollte man eine Übergangsfrist von bis zu drei Monaten einplanen, in denen beide Bankverbindungen parallel laufen. Aber viele Banken, die mit günstigen Konditionen Kunden gewinnen wollen, bieten sogar einen Umzugsservice, bei dem die Benachrichtigungen dann direkt von der Bank durchgeführt werden. Letztlich ist das eine Sache von wenigen Stunden die sich am Ende durchaus lohnen können.

Stand: 13.09.2017, 14:00