Armutsrente: Wie realistisch ist das Risiko?

Armutsrente: Wie realistisch ist das Risiko?

Die WDR-Berechnung zur drohenden Armutsrente hat viele Reaktionen hervorgerufen. Fragen wurden gestellt zu politischen Konsequenzen, aber auch zur Methode unserer Risikoabschätzung. Darum hier noch einmal Anmerkungen und Antworten zu den häufigsten Fragen.

Droht uns tatsächlich ab 2030 massenhaft Altersarmut?

Nein, das ist so dramatisch nicht zu befürchten, und darum ging es bei den Recherchen und Berechnungen auch nicht. Das Ziel war vielmehr, einen Blick auf das Absicherungsniveau ausschließlich durch die gesetzlichen Rentenversicherung zu werfen; und dies vor dem Hintergrund des gesetzlich festgelegten sinkenden Rentenniveaus bis 2030. Unsere Abschätzung hat ergeben, dass von da an zumindest fast jedem Zweiten das Risiko droht, eine gesetzliche Rente unterhalb des Grundsicherungsniveaus zu bekommen.

Wie groß ist das Risiko für den Einzelnen tatsächlich, ab 2030 zu denen zu gehören, die nur noch eine gesetzliche Rente auf Grundsicherungsniveau bekommen?

Das hängt vom Verdienst über die gesamte Lebensarbeitszeit ab. Wer 40 Jahre lang ununterbrochen nicht mehr als 2.100 Euro Bruttoeinkommen hat, der wird - vom heutigen Stand aus betrachtet - über das Grundsicherungsniveau nicht hinaus kommen. Das heißt allerdings nicht, dass jemand, der heute weniger oder genau das verdient, später zwangsläufig dazu gehört. So ist es zum Beispiel für Auszubildende wahrscheinlich, dass sie später ein höheres Bruttoeinkommen monatlich haben werden als heute und dann nicht mehr zur Risikogruppe gehören. Auf der anderen Seite verzeichnen Arbeitsmarktexperten einen wachsenden Anteil niedrig entlohnter Beschäftigung. Grundsätzlich gibt es keine Garantie für ein steigendes und ununterbrochenes Einkommen über die gesamte Lebensarbeitszeit, aber immer das Risiko von Jobverlust und Einkommensabstieg.

Warum wurde nicht berücksichtigt, dass manche Rentnerhaushalte neben Einkünften aus der gesetzlichen Rentenversicherung auch noch andere Einkommensquellen haben - etwa aus Privatvorsorge, Erbschaften oder vom Lebenspartner?

Zwei Rentner sitzen auf einer Bank

Weil diese zusätzlichen Einkommensquellen in der Gesellschaft extrem ungleich verteilt sind. Solche zusätzlichen Einkommensquellen sind für niemanden sicher. Erfahrungsgemäß und nach Einschätzung etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung konzentrieren sich die Vermögen vor allem bei den oberen zehn Prozent der Bevölkerung. Das heißt: Wer im Berufsleben durchweg wenig verdient hat, verfügt erfahrungsgemäß auch im Alter meist nicht über große zusätzliche Kapitalreserven. Und: Geringverdiener sorgen heute während ihrer Erwerbstätigkeit kaum privat für das Alter vor. Dabei ist für sie das Risiko am größten, in der Rente auf Grundsicherungsniveau zu landen. Und auf genau dieses Risiko macht die WDR-Berechnung aufmerksam.

Warum bezweifeln manche die Vorgehensweise bei der WDR-Berechnung?

Allen voran das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München äußert Zweifel an der Methode. Dort findet man die Annahme unzulässig, den heutigen Arbeitsmarkt quasi in einer Momentaufnahme auf das Jahr 2030 zu spiegeln. Die WDR-Projektion erhebt aber nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Studie zu sein. Vielmehr stellt die Berechnung eine Risikoabschätzung dar. Der WDR hat seine Abschätzung von zwei Wirtschaftswissenschaftlern prüfen und für plausibel erklären lassen. Nämlich von Werner Eichhorst, Direktor Arbeitsmarkt beim Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn und vom Bremer Wirtschaftswissenschaftler Professor Rudolf Hickel. Ihrer Einschätzung zufolge geht die WDR-Berechnung sogar von sehr positiven Annahmen aus und ist deshalb eine zurückhaltende Betrachtung, weil der derzeitige Arbeitsmarkt in einer sehr guten Verfassung ist: mit niedriger Arbeitslosigkeit und relativ viel sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Stand: 18.04.2016, 16:17