Arm trotz Rente - wenn ein Arbeitsleben nicht reicht

Rentner, Datagrafik

Arm trotz Rente - wenn ein Arbeitsleben nicht reicht

Ein Leben lang arbeiten und dann auf Unterstützung angewiesen sein - für viele Menschen wird dies in Zukunft Realität sein, sagen Rentenforscher. Wir haben auf die Zahlen geschaut.

Schon bald könnte jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht sein - so warnen aktuelle Studien. Bereits in der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages hören nämlich die ersten geburtenstarken Jahrgänge auf zu arbeiten. Dadurch gerät das das gesetzliche Rentensystem zunehmend unter Druck.

Immer mehr Alte wollen versorgt werden, immer weniger Junge zahlen ein. Die Folge: Das Rentenniveau wird sinken. Dann droht einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckeler-Stiftung zufolge auch Durchschnittsverdienern die Altersarmut.

Es werde in Zukunft auch für Menschen mit mittlerem Einkommen schwieriger, sich eine gesetzliche Rente deutlich oberhalb des Sozialhilfeniveaus zu erarbeiten. Nach einer Modellrechnung muss ein Rentner mit 45 Beitragsjahren in Vollzeit beim aktuellen Rentenniveau im Durchschnitt 11,42 Euro pro Stunde brutto verdienen, um 747 Euro Rente zu bekommen. Er liege dann über der Grenze für die Grundsicherung. Auf eine solche Grundsicherung waren 2016 etwas mehr als 400.000 Menschen angewiesen.

Sinkt das Rentenniveau allerdings auf die prognostizierten 42 Prozent im Jahr 2045, müsste der Rentner einen Stundenlohn von mindestens 13,06 Euro erhalten. Soll die gesetzliche Rente über der Armutsgefährdungsschwelle liegen, fallen die notwendigen Stundenlöhne sogar noch deutlich höher aus. Diese Schwelle liegt nach den neuesten vorliegenden Daten von 2015 bei 942 Euro im Monat für einen Alleinstehenden.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass der gesetzliche Mindestlohn zu niedrig sei, um damit auf eine gesetzliche Rente über dem Grundsicherungsniveau zu kommen. Auch atypische Beschäftigung - also beispielsweise 450-Euro-Jobs oder Teilzeitarbeit - ermöglicht es den Menschen nicht, genug in die Rentenkasse einzuzahlen, um auf eine hohe Rente zu kommen. Wie die Zahlen für NRW zeigen, betrifft das vor allem Frauen.

Das Problem: Wer wenig verdient, erhält eine niedrigere Rente und hat gleichzeitig keine Chance, privat fürs Alter vorzusorgen. Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht wenig Chance auf Besserung: "Die Vermögen in Deutschland sind ungleich verteilt. 40 Prozent der Deutschen haben heute schon keinerlei Vermögen gebildet, das heißt, sie werden später im Alter komplett vom Staat abhängig sein."

Welchen Stellenwert die gesetzliche Rente heute bei der finanziellen Versorgung der Rentner hat, zeigt eine Aufstellung der Deutschen Rentenversicherung. Der wichtigste Baustein ist weiterhin die gesetzliche Rente. Bei Frauen liegt die Abhängigkeit hier erneut höher - und damit auch die Gefahr, in die Altersarmut zu rutschen.

Stand: 30.08.2017, 00:00