Ärger im Urlaub: Geld zurück

Reisemängel

Ärger im Urlaub: Geld zurück

Von Philip Raillon

Am Strand liegen, das Hotel genießen oder die frische Bergluft einatmen. Urlaub kann sehr entspannend sein. Aber was, wenn das Hotel dreckig ist, der Sandstrand ein Kiesstrand ist und im Essen kleine Käfer rumlaufen? Reisende müssen sich nicht alles bieten lassen.

Urlauber wollen entspannen. Wenn der Entspannung aber Probleme im Weg stehen, kann die Aussicht auf eine Teilrückerstattung der Kosten den Ärger vielleicht etwas mildern. Damit Reisende später einen Teil ihres Geldes zurückverlangen können, muss es allerdings einen sogenannten „Reisemangel“ geben. „Ein Reisemangel liegt dann vor, wenn sie vor Ort nicht das erhalten, was man Ihnen versprochen hat“, erklärt Beate Wagner, Anwältin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein Mangel ist immer vom Einzelfall abhängig. Es kommt letztlich darauf an, was entweder ausdrücklich bei der Buchung zugesichert wurde, oder aber was nach den gewöhnlichen Umständen zu erwarten ist. Steht im Reisekatalog zum Beispiel, dass das Hotel einen Sandstrand hat, dann reicht ein Kiesstand nicht aus. Oder auch ein Badezimmer voller Schimmel ist als ein solcher Mangel anzusehen.

Pauschalreisende sind im Vorteil

Geht es später darum Geld zurückzuverlangen, haben es Pauschalreisende deutlich einfacher. Individualreisende müssen sich an ihren jeweiligen Vertragspartner, also zum Beispiel bei Problemen mit der Ferienwohnung den Vermieter und bei Problemen mit dem Restaurantessen den Wirt, wenden. Dazu kommt, dass dann womöglich noch ausländisches Recht anzuwenden ist. Pauschalreisende hingegen finden immer im Reiseveranstalter ihren Ansprechpartner – und der muss sich, wenn der Reiseveranstalter ein deutsches Unternehmen ist, auch an deutsches Recht halten.

Noch vor Ort Beweise sammeln

Der Deutsche Reiseverband (DRV) weist allerdings darauf hin, dass die meisten Urlaubsreisen ohnehin komplett unproblematisch verliefen. Ellen Madeker, Pressesprecherin des DRV, sagt, dass es nur bei einem Prozent der organisierten Urlaubsreisen zu Reklamationen komme. Und das bei circa 60 Millionen organisierten Reisen, die Deutsche jährlich machen.

Trotzdem: Kommt es zu einem Mangel, müssen Urlauber sofort vor Ort tätig werden. Noch am Urlaubsort müssen sie direkt den Ansprechpartner auf den Mangel hinweisen, damit er – soweit möglich – den Mangel beheben kann. Also zum Beispiel ihnen ein Zimmer mit einem schimmelfreien Bad zur Verfügung stellen. Ändert sich daraufhin nichts, müssen Urlauber Beweise sammeln. Das können Fotos sein, aber auch Zeugen oder kurze Gesprächsprotokolle. Nach der Rückkehr gilt es dann dem Reiseveranstalter die Mängel anzuzeigen. Diese Mängelanzeige muss binnen einem Monat geschehen – und zwar am besten schriftlich. Zeigt sich der Reiseveranstalter dann nicht einsichtig, kommt es womöglich zum Prozess. Gerichte sprechen Urlaubern dann meist nur einen Teil des Reisepreises zu. Zum Beispiel fünf Prozent des Tagespreises bei einem Hotel, wo kein warmes Wasser aus der Dusche kommt. In besonders schweren Fällen bekommen Reisende neben der bereits beschriebenen Preisminderung auch noch einen Anspruch auf Schadensersatz für die sogenannten „entgangenen Urlaubsfreuden“.

Nicht alles, was Urlaubern nicht gefällt, ist auch Mangel

Allerdings gibt es nicht für alles, an dem sich Urlauber stören, später Geld zurück. Was in fremden Ländern so üblich ist, müssen Urlauber akzeptieren. „Andere Kulturen, andere Sitten“ – dieses Sprichwort lässt sich also ins Reiserecht übertragen. Gerichte urteilten zum Beispiel, dass in einem türkischen Urlaubsort fünf Muezzin-Rufe am Tag durchaus landestypisch sind. Heißt: Kein Geld zurück. In die gleiche Kategorie fällt unter Umständen auch Ungeziefer: „Was im Hotel oft als Unannehmlichkeit gilt, weil es etwa ortsüblich ist, sind einige wenige Kakerlaken in südeuropäischen Ländern“, sagt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale NRW.

Eine Übersicht darüber, was Gerichte bereits als Reisemängel bewertet haben, gibt es auf der Seite des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC):

WDR 2 Servicezeit | 08.08.2017 | 02:49 Min.

Am Strand liegen, das Hotel genießen oder die frische Bergluft einatmen. Urlaub kann sehr entspannend sein. Aber was, wenn das Hotel dreckig ist, der Sandstrand ein Kiesstrand ist und im Essen kleine Käfer rumlaufen? Reisende müssen sich nicht alles bieten lassen. Moderation: Philip Raillon.

Stand: 08.08.2017, 11:10