Rechte für Azubis

Ausbildung zum Tischler

Rechte für Azubis

Von Frank Christian Starke

Viele Azubis haben gerade ihre Ausbildung begonnen und sind mit den Regeln in der Arbeitswelt nicht vertraut. Die gute Nachricht: Rechtlos sind Azubis nicht.

Ausbildungsvertrag

Der Ausbildungsvertrag ist für die junge Nachwuchskraft das wichtigste Dokument: Hier sind viele sehr wichtige Punkte aufgeführt, die vereinbart wurden: Ausbildungsort, Inhalt der Ausbildung, tägliche beziehungsweise wöchentliche Arbeitszeit, Dauer der Probezeit, Urlaubsanspruch und Höhe der Ausbildungsvergütung, also des "Azubi-Lohns". Hilfe bei der Interpretation der nicht immer ganz leicht verständlichen Angaben können die Mitarbeiter der Personalabteilung geben und natürlich die Mitarbeitervertetungen, Betriebs- und Personalräte. Vielerorts gibt es junge Leute, die sich in der Jungend- und Auszubildendenvertretung engagieren. All diese Stellen können auch bei der Interpretation der oft allgemeinen Hinweise auf die geltenden Tarifverträge helfen, ebenso die Betriebs- oder Dienstvereinbarungen.

Ausbildungsvergütung

Der ausbildende Betrieb schuldet dem Auszubildenden eine Vergütung. Diese muss "angemessen" sein, so will es das Berufsbildungsgesetz. Gilt im Betrieb ein Tarifvertrag, dann ist die Ausbildungsvergütung dort geregelt. Ist kein Tarifvertrag gültig, kann sich die Firma auch daran orientieren; viele machen das. Sind die Vertragspartner nicht tarifgebunden, kann die in einem existierenden Tarifvertrag angegebene und damit (branchen-)übliche Vergütung auch unterschritten werden, um maximal 20 Prozent.

Probezeit

Die Probezeit läuft mindestens einen Monat und kann bis zu vier Monate dauern. In dieser Zeit lernt der Betrieb den Nachwuchs kennen, der den Betrieb. Während der Probezeit kann sehr schnell gekündigt werden und zwar sowohl vom Betrieb als auch vom Azubi. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Mit dem Kündigungsrecht sollte man sehr vorsichtig umgehen.

Überstunden

Überstunden, vor allem regelmäßige, sind in der Ausbildungszeit normalerweise nicht eingeplant; schließlich sind die Azubis im Betrieb, um ihren (neuen) Beruf zu erlernen und nicht dafür, um zum Beispiel Auftragsspitzen abzuarbeiten. Daher sollte die reguläre Arbeitszeit ausreichend sein. Ausdrücklich verboten sind Überstunden aber auch nicht. Allerdings müssen die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden. Alle Überstunden müssen der oder dem Azubi mit entsprechendem Überstundenzuschlag vergütet bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden.
Die Ausbildungsvergütung ist für viele Azubis in Tarifverträgen festgelegt. Aber auch wenn kein Tarifvertrag Anwendung findet, muss die Vergütung laut § 17 Berufsbildungsgesetz angemessen sein. Azubis in einer normalen dualen Ausbildung haben deshalb auf jeden Fall Anspruch auf mindestens 80 Prozent der üblichen tariflichen Vergütung. Dr. Azubi rät: Informieren, ob ein Tarifvertrag gilt.

Urlaub

Wie viel Urlaub man hat, auch das steht im Ausbildungsvertrag, es gibt aber gesetzliche Untergrenzen und die sind bei Jugendlichen nach Alter gestaffelt. Für 16-Jährige oder 17-Jährige gelten andere Regeln als für 18-Jährige oder ältere. Oft sind die gesetzlichen Regelungen aber wenig interessant, dann nämlich, wenn im Betrieb für den Azubi günstigere Regelungen angewendet werden. Das ist sehr oft der Fall. Ein Tipp: Wer im Urlaub krank wird, sollte sich das unbedingt bescheinigen lassen. Denn Krankheitstage, für die der Auszubildende ein ärztliches Zeugnis vorlegen kann, werden nicht vom Jahresurlaub abgezogen.

Informationen

Das Berufsinformationszentrum (BIZ) ist eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. In den größeren Städten gibt es in der Regel eine Außenstelle der Agentur, Adressen auch in ländlichen Regionen finden sich leicht online. Im BIZ bekommt man vor allem vor dem Ausbildungsstart qualifiziert und unabhängig Beratung. Aber auch wer sich informieren möchte, ob es vielleicht Alternativen zur ins Auge gefassten Stelle gibt oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten – z.B. Studium, Auslandsaufenthalt – wird hier fündig.

Die DGB-Jugend hat eine Seite online gestellt, auf der es viele nützliche Informationen für Auszubildende gibt. In einer Beratung können Azubis auch anonym Fragen stellen.

Auch die Handwerkskammern bieten Informationen für Arbeitgeber und die (angehenden) neuen Nachwuchskräfte. Zum Beispiel können viele rechtliche Fragen rund um die Ausbildung geklärt werden. Die Adressen der zuständigen Kammer kennt der Ausbilder oder die Personalabteilung im Betrieb, eine kurze Online-Recherche hilft auch rasch weiter. Exemplarisch dieser Link:

Ähnliches gilt für die Industrie- und Handelskammern. Auch die Fachleute dieser Kammern haben viele Antworten auf wichtige Ausbildungsfragen wie zum Ausbildungsvertrag, der Vergütung, der möglichen Abkürzung der Ausbildungszeit oder zur angestrebten Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung verständlich erklärt. Zum Beispiel hier:

Rechte für Azubis

WDR 2 Servicezeit | 22.08.2017 | 03:26 Min.

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Stand: 22.08.2017, 11:00