Fluggastrechte: Flug überbucht, was tun?

Fluggastrechte: Flug überbucht, was tun?

Von Frank-Christian Starke

Wenn der Flieger überbucht ist, versuchen die Airlines, Passagiere freiwillig zum Verzicht auf den gebuchten Flug zu überreden. Aber welche Rechte haben Passagiere in dieser Situation?

Welche Rechte hat der Fluggast bei Nichtbeförderung?

Voraussetzung: der Fluggast besitzt eine bestätigte Buchung und hat sich rechtzeitig am Flugsteig eingefunden. Rechtzeitig bedeutet zur angegebenen Zeit oder spätestens 45 Minuten vor Abflug.

Die Fluggesellschaft darf nicht ohne weiteres die Beförderung verweigern. Zunächst muss sie nach Freiwilligen suchen, die gegen eine Gegenleistung bereit sind, auf eine Buchung zu verzichten. Diese haben daneben Anspruch auf Erstattung des Flugpreises bzw. auf anderweitige Beförderung, außerdem auf Betreuungsleistungen. Allerdings verzichten diese Freiwilligen auf Ausgleichszahlungen.

Flieger überbucht oder verspätet?

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 11.04.2017 | 03:03 Min.

Download

Falls sich kein Freiwilliger finden lässt, haben die Abgewiesenen im Falle einer Nichtbeförderung wie bei einer Annullierung folgende Rechte:

  1. Unterstützungsleistungen
  2. Betreuungsleistungen und
  3. Ausgleichszahlungen.

Unterstützungsleistungen:
Der Reisende kann zwischen der vollständigen Erstattung des Flugpreises für nicht zurückgelegte Reiseabschnitte und einer Ersatzbeförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt wählen. Er kann auch eine anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zu einem späteren Zeitpunkt fordern. Für bereits zurückgelegte Reiseabschnitte kann der Fluggast eine Erstattung der Flugscheinkosten verlangen, wenn der Flug im Hinblick auf den ursprünglichen Reiseplan zwecklos geworden ist, gegebenenfalls in Verbindung mit einem Rückflug zum ersten Abflugort. Die Kosten muss die Fluggesellschaft erstatten.

Betreuungsleistungen:
Dem Fluggast müssen unentgeltlich und freiwillig je nach Bedarf folgende Leistungen angeboten werden:

  • Verpflegung (Mahlzeiten und Erfrischungen), in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit
  • Hotelübernachtung, falls dies notwendig ist
  • Transfer zwischen Hotel und Flughafen

Ausgleichszahlungen:
Die Höhe der Zahlung ist abhängig von der zurückgelegten Strecke.

Die Ausgleichszahlungen betragen je nach Flugentfernung zwischen 250 und 600 €.

  • Bis zu einer Entfernung von 1500 km sind es 250 €.
  • Bei einer Entfernung von über 1500 km innerhalb der EU und einer Flugdistanz zwischen 1500 und 3500 km bei allen anderen Flügen sind 400 € zu zahlen.
  • Bei Entfernungen darüber hinaus fallen 600 € an.

Diese Summen können um die Hälfte gekürzt werden, wenn der Fluggast mit einem Alternativflug das Endziel innerhalb von zeitlichen Toleranzen erreicht. Die Toleranzen liegen je nach Entfernung zwischen 2, 3 und 4 Stunden.

Soweit die allgemeinen Regeln. In jedem Fall gilt es, den Einzelfall genau zu betrachten. Hier gibt es wie bei anderen Streitfällen (Verspätungen, Annullierungen) Sonderumstände.

Stand: 11.04.2017, 13:00