Die Putzfrau – fleißig, zuverlässig, schwarz?

Putzfrau wischt Fussboden

Die Putzfrau – fleißig, zuverlässig, schwarz?

Von Anne Schneider

Haushaltshilfen und Putzfrauen sind in vielen Haushalten unentbehrlich. Gerade Vollzeit berufstätige Mütter kämen ohne sie kaum über die Runden. Bezahlt werden sie meist "bar auf die Hand". Rechtlich gesehen ist das Schwarzarbeit, die nicht nur den Staat um Steuereinnahmen bringt, sondern auch Risiken birgt - vor allem für den Arbeitgeber. Fällt die Putzhilfe während der Schwarzarbeit bei ihm von der Leiter oder eine Treppe hinunter, so haftet er für Behandlungs- und Folgekosten. Auf der sicheren Seite ist, wer seine Hilfe als Minijobberin anmeldet.

Der Minijob in Kürze

Minijobs sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, bei denen der/die Arbeitnehmer/in höchstens 450 Euro pro Monat verdient. Minijobs sind für den Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei, er/sie kann sich aber über den Minijob in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern. Der Arbeitgeber zahlt eine Pauschale von 14,8 % für Steuern und Sozialabgaben. Das Geld kann er sich aber zurückholen, indem er seine Ausgaben von der Steuer absetzt. Die folgenden Angaben beziehen sich auf Minijobs in Privathaushalten; im gewerblichen Bereich gelten zum Teil andere Regelungen.

Die Putzfrau - fleißig, zuverlässig, schwarz?

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 20.03.2017 | 02:59 Min.

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Sozialabgaben

Der Arbeitgeber zahlt eine Pauschale von 14,8 % auf den Lohn der Putzfrau. Darin enthalten sind unter anderem Abgaben zur Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Der Arbeitnehmer kann sich über den Minijob rentenversichern, er zahlt dann einen Beitrag von 13,7 % (der volle Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 18,7 %, 5 % davon sind bereits in der Arbeitgeberpauschale enthalten). Die Rentenansprüche, die sich aus einem Minijob ergeben, sind gering; der Minijobber kann sie aber später aufstocken. Vor allem aber bekommt er so Zugang zum sonstigen Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung, wie Reha-Leistungen und Erwerbsminderungsrente, und erwirbt Mindestversicherungszeiten. Wer keinen Rentenbeitrag zahlen will, muss das nur auf dem Antrag zur Minijob-Anmeldung eintragen. Andere Sozialabgaben fallen für den Minijobber nicht an.

Steuern

In der Pauschalabgabe des Arbeitgebers ist eine Pauschalsteuer von 2 % enthalten. Die kann der Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer abwälzen, in der Praxis trägt er sie aber meist selbst. Im Gegenzug kann er die Ausgaben für die Haushaltshilfe als 'haushaltsnahe Dienstleistung' von seiner Einkommensteuer abziehen, und zwar 20 Prozent der Kosten, maximal aber 510 Euro pro Jahr. Unter dem Strich ist dadurch eine angemeldete Minijobberin kaum teurer als eine 'schwarze' Putzhilfe, oft spart der Arbeitgeber sogar. Gerade im Bereich der typischen Lohnhöhe für eine Putzhilfe, 100 bis 150 Euro monatlich, ist die Steuerersparnis größer als die Pauschalabgabe. Wie hoch Abgaben und Steuerersparnis genau sind, kann man auf der Homepage der Minijobzentrale online berechnen.

Tipp: Wer den Lohn der Putzhilfe von der Steuer absetzen will, muss ihr das Geld überweisen! Bar gezahlter Lohn kann nicht abgesetzt werden.

Der Arbeitnehmer zahlt auf den Minijob keine Steuern, und die Einnahmen daraus werden auch nicht auf die sonstigen Einnahmen des Haushalts angerechnet. Durch den Minijob der Ehefrau erhöht sich also nicht die Gesamtsteuerlast des Ehepaars. Auch wer sich mit einem Minijob etwas neben seinem Hauptjob dazu verdient, muss deshalb für seinen Hauptjob nicht mehr Steuern zahlen.

Die Vorteile

Für Arbeitnehmer ist der wichtigste Vorteil der Zugang zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das gilt vor allem für Menschen, die neben dem Minijob keinen versicherungspflichtigen Arbeitsplatz haben, zum Beispiel dazu verdienende Hausfrauen. Arbeitnehmer in einem Minijob haben zudem Anspruch auf Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Für Arbeitgeber ist der Hauptvorteil, dass die Putzhilfe über den Minijob unfallversichert ist. Damit ist er aus der Haftung entlassen, falls sie bei der Arbeit einen Unfall hat.

Hauptjob + Minijob

Diese Kombination ist problemlos möglich. Allerdings muss der Arbeitgeber des Hauptjobs über den Minijob informiert werden und sein Einverständnis erklären.

Hartz IV + Minijob

Auch das geht. Hartz IV Empfänger dürfen sich legal etwas dazu verdienen, müssen den Minijob aber beim Jobcenter angeben. Ihr Lohn wird dann auf die Hartz IV Zahlung angerechnet. Es gibt aber einen Grundfreibetrag von 100 Euro, der nicht verrechnet wird. Von höheren Einnahmen bleiben dem Leistungsbezieher meist nur 20 %. Nähere Auskünfte erteilen die Jobcenter.

Organisatorisches

Die Anmeldung eines Minijobs erfolgt über die Minijobzentrale in Essen. Der Antrag umfasst nur eine Seite, das Ausfüllen soll nur 10 Minuten dauern. Es gibt ihn online, man kann ihn aber auch telefonisch anfordern. Alles Weitere erledigt die Minijobzentrale. Die Pauschalabgabe zieht sie per Lastschrift vom Arbeitgeber ein.

Versicherung der Putzhilfe über die Unfallkasse NRW

Putz- und Haushaltshilfen kann man zu einem Jahresbeitrag von 22 Euro auch direkt bei der Unfallkasse NRW unfallversichern. Bei der Anmeldung muss der Name der Hilfe nicht angegeben werden, die Unfallkasse interessiert nur die Zahl der Beschäftigten.

Allerdings ist diese Lösung ausdrücklich nicht für Minijobber gedacht, sondern nur für Haushaltshilfen, die auf einer anderen Basis beschäftigt sind. Die Unfallkasse gibt die Daten in der Regel nicht an andere staatliche Stellen weiter.

Weitere Informationen:

Stand: 20.03.2017, 13:00