Outlet-Ware: Nepp statt Designer-Schnäppchen?

Outlet-Ware: Nepp statt Designer-Schnäppchen?

In Outlet-Centern locken Sonderangebote, aber die Schnäppchen entpuppen sich oft als Mogelpackung, das haben WDR-Recherchen ergeben. Manche Hersteller produzieren Ware extra für den Outlet-Verkauf. Laut Insidern haben diese Produkte oft schlechtere Qualität.

Manche Markenhersteller produzieren Kleidungsstücke extra für ihr Outlet-Geschäft. Das haben Recherchen der WDR Wirtschafts- und Serviceredaktionen ergeben. Laut Insidern haben die extra für Outlet-Stores produzierten Waren oft eine schlechtere Qualität als die Ware im regulären Handel. Beispielsweise würde weniger oder schlechterer Stoff eingesetzt, die Ware sei schlechter verarbeitet oder die Hersteller würden bei teuren Details – wie z.B. Innentaschen oder Nähten – sparen. Dies bestätigte dem WDR auch ein Manager aus der Modebranche, der unter anderem für Tommy Hilfiger gearbeitet hat. Demnach seien die angeblichen "Originalpreise", die auf den Etiketten durchgestrichen sind, häufig vorgegaukelt. Viele Outlet-Produkte wären nie so viel wert gewesen, wie es diese durchgestrichenen Preise suggerierten. Die scheinbaren "Schnäppchen" wären in solchen Fällen also gar keine.

Ergebnisse im Überblick: Kleidung aus dem Outlet

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Für die WDR-Recherche wurde unter anderem ein Outlet-Poloshirt von Hugo Boss für 62,95 Euro gekauft. Laut Etikett hatte das Produkt einen Originalpreis von 89,95 Euro. Im regulären Handel konnten die Reporter dieses Poloshirt jedoch nirgends finden. Auf die Frage, ob es überhaupt jemals im regulären Handel verkauft wurde, gab Hugo Boss keine Antwort. Das Unternehmen bestätigte allerdings, vereinzelt direkt für seine Outlet-Stores zu produzieren.

Wird minderwertige Ware speziell für Outlets produziert?

Das Image der Outlet-Stores bei ihren Kunden, nämlich echte Markenqualität zum Schnäppchenpreis zu verkaufen, bekommt durch die WDR-Recherchen einen Dämpfer. Der renommierte Architekt und Stadtplaner Walter Brune kritisiert: "Die nicht verkaufte Ware aus dem 'normalen' Laden ist ein geringer Anteil. [Es] wird andere Ware mitverkauft. Und das ist der Betrug." In Wahrheit handele es sich oft um minderwertige Produkte. Brancheninsider bestätigten dem WDR, dass in Outlet-Stores nicht nur B-Ware mit kleineren Fehlern, Produktionsüberschuss oder Ware aus der Vorsaison verkauft werde. Vielmehr werde auch minderwertige Ware gezielt für Outlet-Stores produziert. Der Manager aus der Modebranche, der unter anderem für Tommy Hilfiger gearbeitet hat, erklärte dem WDR: Bei Tommy Hilfiger seien zu seiner Zeit etwa 30 Prozent der Outlet-Ware extra für Outlet-Stores produziert worden – vor allem Anzughemden, Poloshirts und T-Shirts. Diese Ware sei von schlechterer Qualität gewesen.

Stichproben in schlechterer Qualität

Outlet-Center, Kleidung

Was steckt wirklich hinter vermeintlichen Schnäppchen?

Der WDR ging diesen Vorwürfen nach. Stichprobenartig wurden Kleidungsstücke mehrerer Marken im Designer-Outlet Roermond (NL), einem von vielen Nordrhein-Westfalen besuchten Outlet-Center, gekauft. Diese Produkte waren nicht als mit Mängeln behaftete B-Ware gekennzeichnet – ein Qualitätsverlust aus diesem Grund sollte damit ausgeschlossen sein. Die gekauften Kleidungsstücke aus dem Outlet-Center ließ der WDR überprüfen: in einem Textillabor und von Experten der Hamburger Akademie für Mode und Design. Zum Vergleich wurden optisch ähnliche Kleidungsstücke aus dem regulären Sortiment der Marken getestet. Deren Preis entsprach ungefähr dem durchgestrichenen Preis auf den Etiketten der Outlet-Waren. Beispiel: Ein reduziertes Outlet-Shirt, das laut Etikett einmal 100 Euro gekostet haben sollte, trat gegen ein ähnlich teures Shirt der gleichen Marke aus dem regulären Handel an. Wenn der durchgestrichene Preis auf der Outlet-Ware korrekt wäre, hätte die Qualität der Teile also in etwa vergleichbar sein müssen.

Das Labor stellte jedoch bei allen Outlet-Teilen Qualitätsmängel fest. Demnach wurde bei den Outlet-Produkten mitunter deutlich weniger oder schlechterer Stoff eingesetzt als bei den Produkten aus dem regulären Handel. Die Kleidung würde dadurch schneller kaputtgehen. Auch mehrmaliges Waschen hinterließ seine Spuren. Ein Outlet-Blazer von Tommy Hilfiger (angeblicher Originalpreis: 199 Euro) sah laut Labor schon nach drei Reinigungen aus, als wäre er zehn Jahre alt. Auch die Schnitt-Experten der Mode-Akademie kritisierten die geprüfte Outlet-Ware. Viele Nähte seien weniger haltbar, Passform und Schnittführung seien schlechter als bei der Ware aus dem regulären Handel, teure Details wie Innentaschen oder Stickereien hätten teilweise gefehlt oder seien minderwertig.

Merkmale für gute Qualität:

  • Bei Baumwolle ist der Stoff weich und luftdurchlässig, aber nicht durchsichtig.
  • Eine hochwertige Naht ist gerade und geschlossen, der Stich klein und dicht.
  • Ein Kleidungsstück sitzt gut und verrutscht nicht, wenn man sich bewegt.
  • Einen hochwertigen Blazer erkennt man an der Innenverarbeitung: Innen sieht man Details und Verzierungen wie zum Beispiel eine Bordierung und Innentaschen.
  • Bei einem hochwertigen Hemd hat der Kragen eine anatomische Halsform; hinten muss der Steg - der "Übergang" zwischen Hemd und Kragen - vom Kragen bedeckt sein.

Hersteller geben Produktion für Outlets zu

Das Designer-Outlet Roermond wollte sich gegenüber dem WDR nicht zu den Vorwürfen äußern und verwies an die Hersteller. Von den getesteten Marken gab nur Hugo Boss eine Stellungnahme ab. Das Unternehmen erklärt, man sei um eine einheitliche Qualität bemüht, allerdings könne es in einzelnen Fällen zu Qualitätsschwankungen kommen. Hugo Boss nehme das Feedback des WDR sehr ernst und werde der Sache nachgehen.

Über den Test hinaus fragte der WDR noch weitere Marken zu ihrem Outlet-Geschäft an. Auch Marc O'Polo und Tom Tailor erklärten, vereinzelt Ware nur für Outlet Stores zu produzieren. Die Outlet-Produkte hätten jedoch dieselbe Qualität wie Ware aus dem regulären Handel.

Stand: 16.11.2016, 15:00