Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

Ausschnitt aus einer Internetseite

Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

Von Jörg Marksteiner

  • Auspacken, testen und ausprobieren sind erlaubt
  • Fürs Zurückschicken keine Gründe nötig
  • Hygiene- und Gesundheitsartikel sind ausgeschlossen
  • Bei intensiver Nutzung droht Abzug vom Kaufpreis

Zurückschicken, was nicht gefällt: Anders als im Laden haben Kunden beim Online-Einkauf das Recht, ihre Sachen 14 Tage nach Erhalt wieder zurückzugeben und den Preis erstattet zu bekommen – geregelt in § 355 BGB. Formal wird der „Vertrag widerrufen.“ Die Idee dahinter: Beim Kauf aus der Ferne kann der Kunde die Ware ja nicht so begutachten wie im Laden.

Zu Hause kann der Kunde die Funktion und die Eigenschaft der Ware prüfen und testen. D.h. sie muss später beim Zurücksenden nicht unberührt aussehen: Das Hemd muss nicht so makellos gefaltet sein wie beim Empfang, die Verpackung des Elektroartikels darf natürlich geöffnet und das Gerät eingeschaltet werden. Der Kunde muss aber „schonend“ testen, darf also keine größeren Abnutzungsspuren hinterlassen.

Kunde muss eventuell für Wertverlust aufkommen

Wer es beim Ausprobieren übertreibt und etwa verschwitzte Shirts oder verkratzte Artikel zurückschickt, kann dafür – zumindest theoretisch – zur Kasse gebeten werden. Der Shop darf in solchen Fällen „Wertersatz“ geltend machen. Der Kunde bekommt dann nicht den vollen Kaufpreis erstattet, sondern der Wertverlust für die Nutzung wird abgezogen. Tatsächlich sind viele Versender aber recht kulant und suchen nicht mit der Lupe nach Fehlern. Dennoch: Am besten so mit den Sachen umgehen, als gehörten sie noch dem Händler.

Nicht alle Artikel können zurückgegeben werden

Grundsätzlich ausgeschlossen von der Rückgabe sind Artikel, die aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen extra versiegelt sind. Dazu gehören üblicherweise z.B. frei verkäufliche Arzneimittel, Fertiggerichte, Zahnbürsten, Kosmetik usw. Also Artikel, die nicht ohne weiteres gereinigt und wieder verkauft werden können. Ob auch Bademoden oder Unterwäsche dazu zählen, beurteilen die Onlineshops mitunter verschieden, haben Verbraucherschützer beobachtet. Eine exakte Liste gibt es nicht. Gerichte haben in ihrer Rechtsprechung die Ausnahmen bislang eher eng gefasst – und damit bislang recht verbraucherfreundlich geurteilt.

Weitere Ausnahmen gelten bei versiegelten Filmen, DVDs und Downloads, wenn das Siegel entfernt wurde. Auch individuell angefertigte Artikel wie Maßanzüge sind vom Widerrufsrecht üblicherweise ausgeschlossen. Ebenso schnell verderbliche Waren wie Lebensmittel und einzelne Zeitschriften oder Zeitungen.

Grund muss nicht angegeben werden

Warum jemand seine Onlinebestellung zurückschickt, muss er nicht angeben. Auch wenn gefragt wird. Die Kosten für die Retoure muss grundsätzlich der Kunde tragen. Eine frühere Regel, dass das nur bis 40 Euro der Fall ist, gilt nicht mehr. In der Praxis übernehmen aber viele Onlineshops die Rücksendekosten.

Originalverpackung nötig

Der Originalkarton muss nicht für Retouren genutzt werden, aber die Originalverpackung der Artikel sollte mitgeschickt werden. Außerdem muss alles versandfest und sicher verpackt werden. Ist alles korrekt, muss der Händler die Waren annehmen und innerhalb von 14 Tagen den Kaufpreis erstatten. Gutscheine muss niemand akzeptieren, denn anders als beim „freiwilligen“ Umtausch im Laden wird hier der Vertrag rückabgewickelt.

Fristen einhalten

Das Widerrufsrecht gilt 14 Tage ab Erhalt der Ware. Kommt die in mehreren Lieferungen, beginnt die Frist für alle Artikel erst mit dem Erhalt des letzten. Dann reicht es, den Widerruf innerhalb von 14 Tagen erst einmal per Mail, Fax oder Brief zu erklären. Dann bleiben weitere 14 Tage für den Gang zum Postamt oder Lieferdienst. Wichtiger Tipp: Vor dem Zurückschicken einmal auf die Seite des Anbieters oder in seine Mails schauen – oft gibt es Tipps zur Abwicklung der Retoure, inkl. kostenloser Rücksende-Etiketten.

Bei sperrigen Produkten Verkäufer kontaktieren

Bei besonders sperrigen oder großen Sachen wie Fernsehern, Matratzen usw., die eventuell mit einer Spedition befördert werden müssen, sollte man Kontakt zum Verkäufer aufnehmen und ihn bitten, die Rücksendung zu organisieren. Übrigens: Ist ein Artikel beschädigt oder defekt, gelten andere Regeln. Dann geht es um Gewährleistung (nicht Widerruf oder Umtausch), die dem Kunden faktisch sechs Monate garantiert wird. Auch danach haftet der Händler für weitere anderthalb Jahre; der Kunde müsste dann aber nachweisen, dass die Ware schon beim Kauf mangelhaft war.

Online-Shopping: Wie viel Ausprobieren ist erlaubt?

WDR 2 Servicezeit | 23.08.2017 | 03:41 Min.

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Rücksendungen beim Online-Händler

WDR 2 | 23.08.2017 | 02:56 Min.

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Stand: 23.08.2017, 09:00