Banken helfen beim Konto-Umzug

Mehrere Kontoauszüge werden durch eine Lupe angeschaut.

Banken helfen beim Konto-Umzug

Ein günstigeres Girokonto? Die meisten scheuen den damit verbundenen Papierkram. Dabei gibt es mittlerweile Schützenhilfe: Seit dem Herbst sind Banken gesetzlich verpflichtet, den Wechsel einfacher zu machen.

Einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom zufolge haben nur 23 Prozent der Deutschen schon einmal das Girokonto gewechselt. Kein Wunder, denn bislang bedeutet eine neue Bankverbindung vor allem viel Arbeit: Daueraufträge und Einzugsermächtigungen müssen geändert, Briefe an Arbeitgeber, Vereine, Versicherungen verschickt und Bankkarten neu beantragt werden. Das soll sich nach dem Willen des Gesetzgebers nun ändern. Das neue Zahlungskontogesetz sieht vor, dass Kreditinstitute ihren Kunden den Wechsel zu einer anderen Bank erleichtern müssen.

Banken helfen beim Konto-Umzug

WDR 2 Quintessenz | 15.05.2017 | 03:16 Min.

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Schwierige Wahl des neuen Instituts

Das gilt für alle inländischen Banken, egal ob das Konto bei einer Filiale oder als reines Online-Konto geführt wird. Einzige Voraussetzung ist, dass altes und neues Konto im Inland geführt und auf die gleiche Währung lauten. Der erste Schritt zum Wechsel ist zugleich der schwierigste. Ein neuer Anbieter muss ausgewählt werden.

Banken helfen beim Konto-Umzug

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 15.05.2017 | 03:16 Min.

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Checkliste der Verbraucherzentrale NRW zur Kontoauswahl

  • Was kostet die Kontoführung?
  • Welche Bezahlkarten erhalten Sie zu welchen Preis?
  • Ist das Konto an bestimmte Bedingungen geknüpft?
  • Wie gut ist das Geldautomatennetz ausgebaut?
  • Wie hoch sind die Zinsen für Überziehungen?
  • Zahlt die Bank Guthabenzinsen?
  • Welche Möglichkeiten der Kontoführung bietet die Bank?

Neues Institut übernimmt alte Kontobewegungen

Hat man sich für ein neues Institut entschieden, ermächtigt man es mit dem Formular zur "Kontowechselhilfe", die erforderlichen Schritte einzuleiten. Die neue Bank fordert beim bisherigen Kontoführer innerhalb von zwei Geschäftstagen Informationen über alle bestehenden Daueraufträge und Lastschriftmandate sowie über eingehende Überweisungen und Lastschriften der vergangenen 13 Monate an. Dieser Zeitraum soll sicherstellen, dass keine Zahlungen vergessen werden. Die Daten muss die bisherige Bank innerhalb von fünf Geschäftstagen an die neue Bank sowie dem Wechselwilligen übermitteln. Weitere fünf Geschäftstage später soll das neue Konto fertig eingerichtet sein - so will es der Gesetzgeber. Auch bei einem Kontowechsel ins europäische Ausland muss die bisherige Bank die Kontobewegungen der vorhergegangenen 13 Monate zur Verfügung stellen. Allerdings ist die ausländische Bank nicht verpflichtet, beim Wechsel zu helfen.

Wechselservice mit Kosten verbunden

Einziges Manko: Die Banken können sich den Service bezahlen lassen. Das Gesetz fordert, dass die Entgelte angemessen und sich an den tatsächlichen Kosten orientieren müssen. Was das tatsächlich bedeutet, ist noch unklar. In der Vergangenheit mussten oftmals Gerichte darüber entscheiden, wann Bankgebühren angemessen sind. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass personenbezogene Daten zu Daueraufträgen und Lastschriften ebenso kostenlos zugänglich sein müssen wie die Informationen zu Daueraufträgen, Lastschriftmandaten und eingehenden Überweisungen. Auch für die Schließung des alten Kontos dürfen keine Gebühren berechnet werden.

Verbraucherschützer begrüßen neues Gesetz

Verbraucherschützer begrüßen das neue Gesetz. "Das ist eine wichtige Regelung, weil der Kontowechsel vielen Verbrauchern bisher viel Kopfschmerzen verursacht hat", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Die vereinfachten Möglichkeiten zum Kontowechsel seien gerade jetzt, wo viele Banken ihre Gebühren erhöhten, eine Chance für Verbraucher, den Banken Paroli bieten zu können. Nun müsse man schauen, wie gut das Gesetz umgesetzt werde. Wer Probleme mit dem Wechsel hat, kann sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Umsetzung einer EU-Richtlinie

Die neuen Regelungen zum Kontowechsel sind Teil des Zahlungskontengesetzes, mit dem eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wird. Andere Bestimmungen wie das sogenannte Basiskonto greifen bereits. So hat zum Beispiel seit dem 19. Juni 2016 jeder Bürger in Deutschland das Recht auf ein Girokonto. Bei den Neuerungen zum Kontowechsel hatten die Bankenverbände eine längere Übergangsfrist gefordert.

Stand: 15.05.2017, 13:20