Woher kommt unser Leder?

Woher kommt unser Leder?

Die Verbraucher verbinden mit Leder eine hohe Qualität, Langlebigkeit und Tragekomfort des gekauften Produktes. Dabei ist dem Käufer kaum bekannt, woher das Leder stammt und unter welchen Bedingungen es produziert wird.

Denn bei Leder besteht keinerlei gesetzliche Kennzeichnungspflicht. Die tierische Haut ist längst zur globalisierten Massenware geworden. Auch wenn der Trend in der Bekleidungsbranche zunehmend zu preiswerteren Kunststoffmaterialien geht, wird das meiste Leder noch immer für die Schuhproduktion verwendet, ca. 50 Prozent. Nur an die 15 Prozent gehen noch in Bekleidung und technische Leder. Circa 35 Prozent gehen in die Möbel- und Autoindustrie, wobei letztere immer mehr für den Markt an Bedeutung gewinnt.

So wundert es auch nicht, dass Lederproduktion allein in Deutschland ein milliardenschweres Geschäft ist: Der Bundesverband des Lederwareneinzelhandels schätzt, dass allein im letzten Jahr Lederwaren im Wert von 2,5 Milliarden Euro verkauft wurden. Und da sind Möbelbezüge, Autositze, Arbeitskleidung noch längst nicht mitgerechnet.

Woher kommt unser Leder?

Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Anders als beim Pelz, sterben in der Regel keine Tiere allein für ihre Haut. Die abgezogenen Tierhäute kommen nach der Schlachtung in der Regel zu einem Häutehändler, der diese dann weiterverkauft an Gerbereien auf der ganzen Welt.

Das meiste Leder stammt von Rindern, in Deutschland selbst werden aber immer weniger Rinder, sondern größtenteils Schweine geschlachtet:

Gewerbliche Schlachtungen in Deutschland:
2014      2015
Schweine:58,8 Mio.59,3 Mio.
Rinder:                3,5 Mio.3,5 Mio.
Schafe (inkl. Lämmer):992.3001.017.400
Pferde:8.7008.900

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 2016)

Schweine werden nicht enthäutet, was in erster Linie an unseren Essgewohnheiten liegt. Speck und Schwarte sind beliebte Produkte in der Lebensmittelindustrie. Auch Pferdehäute und immer seltener Schafshäute werden zu Leder verarbeitet. Schafshäute werden hauptsächlich für den Bekleidungssektor verwendet, in dem der Einsatz von Leder zugunsten von Kunststoffen rückläufig ist. So landen immer mehr Felle einfach auf dem Müll.

Von den 19 Milliarden verkauften Schuhen pro Jahr wurden beispielsweise mehr als 80 Prozent in Asien gefertigt. Doch von der Rohhaut bis zum Schuh ist es meist ein langer Weg. Zum Gerben geht ein Großteil der Häute nach Asien, insbesondere China. In Europa ist Italien das Land mit den meisten noch bestehenden Gerbereien und damit das wichtigste Land für die Lederherstellung innerhalb der EU. Zu Schuhen, Taschen etc. zugeschnitten und vernäht wird das fertige Leder jedoch meist wieder woanders: ein Großteil in Asien - in Fabriken, wo ähnliche Missstände herrschen wie aus der Textilindustrie bereits bekannt geworden ist. Aber mittlerweile ist auch Osteuropa wieder ein beliebter Produktionsort. Die Löhne hier liegen oft weit unter dem Existenzminimum und sind zum Teil sogar niedriger als in China.

Schuhe:  Wichtigster Absatzartikel im Ledergeschäft

Dieter Könnes bei Maßschuhmacher Zapke in Düsseldorf

Dieter Könnes untersucht Leder bei einem Maßschuhmacher in Düsseldorf

Schuhe sind noch immer das Hauptgeschäft auf dem Ledermarkt. 50 Prozent des weltweit produzierten Leders gehen in die Schuhproduktion. Leder ist zwar als meist verwendeter Rohstoff in der Schuhproduktion von Gummi, Plastik und Baumwolle abgelöst worden - nur 21 Prozent der weltweit produzierten Schuhe sind Lederschuhe - allerdings machen sie mit 50 Prozent nach wie vor den größten Teil der Wertschöpfung aus, das heißt, mit ihnen wird am meisten Umsatz gemacht.

Schuhe sind zu einem Konsumgut geworden, das genau wie Kleidung, den schnell wechselnden Modetrends folgt. So steigt der Schuhkonsum beständig. Allein 2014 gaben Konsumenten in der EU 23,5 Milliarden Euro für Schuhe aus. Zwischen 2011 und 2015 ist die Zahl der produzierten Schuhe weltweit um 16 % gestiegen. Der Schuhmarkt ist globalem Wettbewerb und daher großem Preisdruck ausgesetzt.

Der Großteil der Schuhe (87 Prozent) wird in Asien hergestellt, China ist mit ca. 14,6 Milliarden Paar Schuhen (Stand: 2014) gefolgt von Indien, Brasilien, Vietnam und Indonesien das größte Produktionsland. Asien exportiert weltweit die meisten Schuhe, Hauptimporteur ist Europa (ca. 36 Prozent). Nur ein Paar von fünf in Europa verkauften Schuhen wird auch in Europa hergestellt. Insgesamt werden die meisten Schuhe in China, den USA und Europa (17 Prozent) verkauft. Mit sieben Paar pro Person, haben die USA den größten Pro-Kopf-Schuhkonsum, dicht gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Japan mit ca. fünf Paar pro Person im Jahr.

Schuhproduktion 2014:
24,3 Milliarden Paar weltweit
Europa 729 Millionen Paar (3%)

Schuhkonsumierung 2014:
Weltweit: 19,4 Milliarden Paar
Europa: 3,3 Milliarden Paar (17%)

(Quelle: Labour on a shoestring, 2016)

„Made in Italy“  - Qualitätsmerkmal oder Ende der Produktionskette?

Es beginnt in einem Schlachthof in Deutschland. Die erste große Reise geht nach China. Dort wird die Haut gegerbt. Dann schippert sie nach Italien zur Veredelung. In Rumänien wird ein Schuh draus. Und in Deutschland wird er dann als „Made in Italy“ verkauft. Dabei kommt er eigentlich aus Rumänien.

„Made in Europe“ -  Garant für gute Arbeitsbedingungen?

Lederschleuder in der Lederwarenindustrie

„Made in Europe“ - Garant für gute Arbeitsbedingungen?

Die meisten assoziieren mit „Made in Europe“ bessere Arbeitsbedingungen und bessere Gehälter als mit asiatischen Produktionsländern. Doch auch in Europa gibt es so genannte Niedriglohnstandorte, vor allem in Osteuropa. Offiziell arbeiten mehr als 300.000 Menschen in der EU in der Leder- und Textilindustrie. Davon arbeiten allein 120.000 in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Polen, Rumänien und in der Slowakei.

Zwar heißt es, dass 50 Prozent der in der EU produzierten Schuhe aus Italien kommen und nur 8,2 Prozent aus Rumänien, doch die Zahlen zeigen nicht unbedingt die ganze Wahrheit. Denn die  Arbeitsschritte wie das Nähen werden meist ausgelagert. Rumänien ist in Osteuropa der größte Produzent von Schuhen. Rund 29 Millionen Paar Schuhe gehen jährlich von hier nach Italien. Design und Marketing bleiben in Italien, das Nähen findet in Rumänien statt und Verpackung und Aufdruck der Markenetiketten finden dann wieder in Italien statt. Die geringste Summe des Endpreises des Schuhs entfällt auf diejenigen, die die körperliche  Arbeit bewältigen. Laut der Studie „Labour on a shoestring“ ist für alle Arbeiter in Osteuropa das größte Problem, dass die Löhne zu niedrig sind, um damit überhaupt ihre Lebenshaltungskosten zu finanzieren geschweige denn ihre Familien zu ernähren. Der gesetzliche Mindestlohn in Rumänien beträgt 1250 Lei, das sind ca. 270 Euro. Netto bedeutet   ein Einkommen von ca. 156 Euro im Monat. Das ist ein Stundenlohn von weniger als einem Euro. Zum Vergleich, der Netto-Mindestlohn am Beispiel von Dongguan, China, liegt bei 213 Euro.

Die Lebenshaltungskosten sind in Rumänien jedoch ähnlich wie in Deutschland. So kostet der Liter Milch beispielsweise im Schnitt 88 Cent, in Deutschland oft sogar nur 59 Cent. Auch an reguläre Arbeitszeiten wird sich hier nicht unbedingt gehalten: Wochenendarbeit und unbezahlte Überstunden sind Alltag. Zudem arbeiten die Näherinnen in den Fabriken oft unter prekären Bedingungen. Die Einhaltung von Arbeitsschutzgesetzen wird kaum kontrolliert. Viele Beschäftigter klagen über schlechte sanitäre Anlagen, leiden an Kopfschmerzen, Allergien und Magenprobleme durch den Kontakt mit Chemikalien.

Stand: 06.12.2016, 16:30