Nur jede fünfte Haushaltshilfe arbeitet legal

Nur jede fünfte Haushaltshilfe arbeitet legal

Haushaltshilfen arbeiten in Deutschland weiterhin überwiegend schwarz. Dabei hat die Anmeldung Vorteile für Angestellte und Arbeitgeber.

Jeder elfte Haushalt in Deutschland beschäftigt nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) eine Haushaltshilfe. Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, als Haushaltshilfe zu arbeiten: In einer sozialversicherungspflichtigen Festanstellung, als Minijobber, im Auftrag einer Dienstleistungsagentur oder auf eigene Rechnung als Selbstständiger.

Überwiegende Mehrheit arbeitet illegal

Aber ungeachtet dieser Optionen arbeitet die überwältigende Mehrheit der Haushaltshilfen weiterhin schwarz, wie die Kölner Wissenschaftler herausgefunden haben. Demnach waren 2015 rund 80 Prozent der Haushaltshilfen - und damit bundesweit insgesamt etwa drei Millionen Menschen - illegal beschäftigt.

Die Zahlen zeigen aber auch: Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet, ist Schwarzarbeit in Privathaushalten um rund 20 Prozent gesunken. Dies hänge vor allem mit dem Anstieg der Haushaltshilfen in Minijobs zusammen, deren Zahl sich seit 2005 fast verdreifacht habe, so das IW. Im März 2017 waren nach aktuellen Zahlen der Minijob-Zentrale 299.196 Menschen als Minijobber in Privathaushalten beschäftigt.

Vorteile auf beiden Seiten

Minijobs bis 450 Euro monatlichem Verdienst sind für den Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei, der Arbeitgeber zahlt einen Anteil von 14,54 Prozent Sozialabgaben. Der Vorteil für den Arbeitgeber: Die gezahlten Sozialabgaben und 20 Prozent des gezahlten Lohns können steuerlich geltend gemacht werden. Die Minijobber sind im Gegenzug in der Unfallversicherung abgesichert und haben Anrecht auf Urlaub sowie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Bürokratie vereinfacht - und trotzdem ein Hindernis

Die Haushaltshilfe als Minijob anzumelden, ist mittlerweile recht einfach. Der Arbeitgeber muss dazu nur einen Antrag bei der Minijobzentrale stellen, den auch die Haushaltshilfe unterschreiben muss. Die fälligen Beiträge werden dann halbjährlich eingezogen. Neuerdings können Änderungen der so erfassten Daten mit dem sogenannten Änderungsscheck unbürokratisch weitergegeben werden.

Anonyme Unfallversicherung für Putzhilfen

Eine große Gefahr bei illegal im Haushalt  beschäftigten Putzhilfen: Verletzt sich die Putzhilfe im Haushalt, ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich. Sollte sich eine Putzhilfe verletzen, zahlt die Unfallkasse. Auch wenn die Putzhilfe schwarz arbeitet. Die Unfallkasse holt sich das Geld allerdings vom Arbeitgeber zurück. Im schlimmsten Fall drohen ihm dann hohe Zahlungen über viele Jahre.

Schützen kann sich der Arbeitgeber vor den Forderungen, indem er auch eine nicht offiziell beschäftigte Putzhilfe anonym bei der Unfallkasse versichert. Das geht für 22 Euro im Jahr und gilt für den Fall, dass die Putzhilfe mehr als 450 Euro im Monat verdient, ihr „Minijob-Budget“ also schon ausgeschöpft hat.

Denn genau das ist der kritische Fall. Gesetzt den Fall, die Putzfrau hat schon einige Jobs, mit denen sie auch bei der Minijob-Zentrale gemeldet ist. Ein neuer Auftraggeber kommt dazu und hiermit würden die 450 Euro überschritten.

Die Putzfrau will beim neuen Auftraggeber deshalb nicht mit Namen bei der Unfallkasse- und Krankenkasse gelistet sein. Sie scheut den Weg in die echte Selbstständigkeit mit mehr Bürokratie und regulärem Steuersatz.

Für den neuen Arbeitgeber bedeutet das aber: Er beschäftigt die Putzfrau schwarz. Die anonyme Meldung bei der Unfallkasse schützt ihn vor hohen Zahlungen im Falle eines Unfalls.

Bei der Anmeldung als Minijob ist die Unfallkasse übrigens inklusive, die Minijob-Zentrale übernimmt es, die Putzfrau dort anzumelden, genau wie bei der Krankenversicherung. Und es werden Sozialabgaben entrichtet. Und damit ist die Putzhilfe legal und abgesichert beschäftigt.

Das IW führt in seinem Bericht allerdings einen weiteren Punkt an, der zum hohen Schwarzarbeit-Anteil führt: Haushaltshilfen, die hauptberuflich arbeiten wollten, scheitern laut IW an der 450-Euro-Grenze. Denn um sich selbstständig zu machen, seien die bürokratischen Anforderungen oftmals zu hoch.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes war die Möglichkeit der Unfallversicherung für illegal Beschäftigte verkürzt dargestellt. Um Missverständnissen vorzubeugen, finden Sie nun eine ausführliche Darstellung unter "Anonyme Unfallversicherung für Putzhilfen".

Stand: 17.10.2017, 11:17