Günstig umziehen

Mann räumt Kartons in einen Umzugswagen

Günstig umziehen

Von Jörg Sauerwein

Täglich ziehen Tausende Menschen in NRW um. Die günstigste Art des Umzugs von einer Wohnung in eine neue: Freunde und Verwandte einspannen, einen Transporter mieten und los geht’s.

Wer aber wirklich Geld sparen will, sollte bei einigen Punkten aufpassen, zum Beispiel, wenn es um Mietwagen geht, oder um Freunde, die beim Umzug helfen. Sonst kann aus billig ganz schnell teuer werden.

Günstig umziehen

WDR 2 Servicezeit | 01.09.2017 | 03:30 Min.

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Tücken beim Miet-Lkw

Schon beim Anmieten des Umzugswagens gibt es einige Stolperfallen, auf die man achten sollte. Das fängt bei der Größe an. Ein zu großes Fahrzeug kostet unnötig viel Geld, aber ein zu kleiner Transporter birgt das Risiko, dass zu häufig gefahren werden muss. Es kostet Zeit und damit auch Geld, wenn der Umzug nicht wie geplant an einem Tag klappt. Deswegen sollte man gut abschätzen, welches Fahrzeug man für seinen kompletten Umzug braucht und sich gegebenenfalls beraten lassen. Als Faustregel kann man zum Beispiel sagen, dass ein Küchenschrank von einem Kubikmeter Raum im Umzugswagen noch mal die Hälfte des gleichen Platzes verbraucht, wenn alle Dinge wie Teller etc. in Kartons gepackt sind. Lieber etwas mehr Raum im Wagen einplanen als zu wenig.

Auch bei der Versicherung sollte man genau überlegen, ob das Sparen lohnt. Denn oft sind die günstigsten Angebote mit einer hohen Selbstbeteiligung verbunden. Da aber die meisten beim Fahren von größeren Transportern oder sogar Lkws keine tägliche Routine haben, passieren hier schnell mal kleine Unfälle zum Beispiel beim Rangieren. Dann kann ein Eigenanteil von zum Beispiel 1.000 Euro zur teuren Falle werden.

Genauso sollte man überlegen, wie der Parkplatz für den Umzugstag freigehalten wird. Wer mit Stühlen, Mülltonnen oder Wäscheleinen eine Parkzone absperrt, kann sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr strafbar machen und muss bei möglichen Schäden haften. Sicherer ist, wer beim Ordnungsamt für meist 30 bis 40 Euro eine Halteverbotszone beantragt. Wer die offiziellen Schilder mindestens drei Tage vor dem Umzug aufstellt, kann dann sogar Falschparker abschleppen lassen. Das hat unter anderem das Verwaltungsgericht Köln bestätigt, als es um einen Fahrer ging, der sein Auto für eine gute halbe Stunde in einer Halteverbotszone eines Umzugs geparkt hatte. Er wurde abgeschleppt und das Gericht entschied: Der Falschparker muss die Kosten zahlen (AZ. 20 K 6900/08).

Kostenlose Helfer, die teuer werden können

Freunde, Verwandte, Nachbarn: Ein Großteil aller Umzüge geht dank freundschaftlicher Hilfe über die Bühne. Wenn nichts passiert, ist das auch tatsächlich günstig für den Umziehenden. Was aber, wenn zum Beispiel einem der Helfer ein Fernseher aus der Hand rutscht?

Wer da an die Haftpflichtversicherung der Helfer denkt, der kann enttäuscht werden, warnen die Verbraucherzentralen. Denn Schäden durch solche Freundschaftsdienste schließen viele Versicherungen in ihren Vertragsbedingungen aus. Wer als Helfer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann das bei seiner Haftpflicht vorher abklären. Einige Versicherungen bieten sogar gegen einen Aufpreis an, Freundschaftsdienste dann bis zu einer bestimmten Summe mit abzusichern. Greift keine Versicherung, dann bleibt der Geschädigte oft auf den Schadenskosten sitzen. Denn wer als Helfer nicht gerade grob fahrlässig handelt, muss nicht haften.

Das hat zum Beispiel auch das Amtsgericht Plettenberg bestätigt, als ein Helfer bei einem Umzug einige Schrankbretter an einem Möbelwagen abgestellt hatte. Diese fielen um und beschädigten ein vorbeifahrendes Auto. Die private Haftpflichtversicherung der Umziehenden sprang zwar ein, wollte dann aber das Geld vom Helfer wiederholen. Das Gericht entschied: Ein Freund, der unentgeltlich hilft, haftet nicht gegenüber dem Umziehenden und damit auch nicht gegenüber dessen Versicherung (AZ: 1 C 345/05).

Günstige Helfer aus dem Internet

Helfer für zehn Euro pro Stunde? Verschiedene Portale im Internet machen das möglich. Anders als bei professionellen Umzugsunternehmen wird dabei allerdings die Versicherungsfrage meistens auf den Helfer beziehungsweise den Auftraggeber abgewälzt. Deshalb sollte man also die Vertragsbedingungen genau lesen. Es ist außerdem auch möglich, mit dem Helfer einen Haftungsvertrag zu vereinbaren. Dann muss der Helfer sicherstellen, dass er entsprechend gegen mögliche Schäden versichert ist.

Gefährliche Lockangebote von Umzugsunternehmen

Wer auf Nummer sicher gehen und dafür lieber auch etwas mehr Geld ausgeben will, der ist mit einem Umzugsunternehmen gut bedient. Hier arbeiten im besten Fall erfahrene Möbelpacker, die gut versichert sind. So sind professionelle Unternehmen zum Beispiel gesetzlich zu einer Grundhaftung von 620 Euro pro Kubikmeter Umzugsgut verpflichtet. Aber Vorsicht vor zu gut klingenden Angeboten! Ein kompletter Umzug aus einer großen Wohnung mit vielen Möbeln und Kartons für 450 Euro? Immer wieder fallen Verbraucher auf solche Angebote herein. Oft werben diese Unternehmen mit Handzetteln, auf denen meistens auch nur Handynummern angegeben werden.

An der neuen Wohnung angekommen wird dem Umziehenden dann eröffnet, dass der Umzug ja doch größer als geplant war und deshalb statt der 450 Euro jetzt 1.600 Euro fällig werden. Wer nicht zahlen will, dem wird dann gedroht, dass die Möbel nicht ausgeladen, sondern als Pfand in ein Lager gebracht werden, berichtet unter anderem die Verbraucherzentrale Bonn. Unter dem Druck zahlen viele dann zähneknirschend am Ende doch den jetzt viel höheren Preis. Die Verbraucherschützer raten deshalb, sich im besten Fall verschiedene Angebote einzuholen, bei denen die Wohnung genau begutachtet und erst dann ein Preis ausgemacht wird. Im Idealfall ist das ein Festpreis, den man schriftlich vereinbart. Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest empfehlen außerdem Unternehmen, die Mitglied im Bundesverband der Möbelspediteure sind (zu erkennen am rollenden Känguru). Dort sind die Vertragsklauseln geprüft und die Chance auf ein schwarzes Schaf gering.

Vor allem aber sollte man sich bei Superpreis-Angeboten genau überlegen, ob sich ein solches Angebot für ein Unternehmen tatsächlich überhaupt rechnen kann – angesichts der Kosten für mehrere Mitarbeiter, Fahrzeug und Versicherungen. Wenn nicht, ist die Gefahr groß, dass es am Ende doch teurer wird als erhofft.

Stand: 01.09.2017, 00:00