Tipps für den Kauf gebrauchter Fahrräder

Gebrauchte Fahrräder stehen zum Verkauf

Tipps für den Kauf gebrauchter Fahrräder

Von Katja Scherer

Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt für viele die Fahrradsaison. Ein neues Rad zu kaufen, kann allerdings schnell teuer werden – und falls es später geklaut wird, ist das richtig ärgerlich. Eine günstigere und gute Alternative sind Gebrauchträder.

Nichts für Vielfahrer

Der Kauf eines gebrauchten Rades lohnt sich eher für Menschen, die ihr Rad regelmäßig für kürzere Strecken im Alltag nutzen – zum Beispiel, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren. Gerade in Großstädten kann ein gebrauchtes Rad auch deswegen die bessere Alternative sein, weil der Schaden geringer ist, falls das Rad geklaut wird. Wer zum Beispiel keine Möglichkeit hat, sein Fahrrad im Keller oder im Innenhof abzustellen, sollte das beim Kauf berücksichtigen. Wer mit seinem Rad dagegen längere Radtouren am Wochenende oder sogar über mehrere Wochen in den Ferien unternehmen will, sollte den Kauf eines neuen Rades in Erwägung ziehen oder sich zumindest so gut mit Fahrrädern auskennen, dass er den Zustand eines gebrauchten Fahrrades gut einschätzen kann. Sonst kann das auf der Tour schnell ärgerlich werden.

Tipps für den Kauf gebrauchter Fahrräder

WDR 2 Quintessenz | 15.03.2017 | 03:06 Min.

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Der erste Schnellcheck

Bevor man sich das Rad genauer anschaut, sollte man zunächst mit dem Verkäufer reden: Wo hat er das Rad damals gekauft? Wie alt ist es? Wie viel wurde es genutzt? Stand es viel draußen? Wie lange ein Rad hält, hängt immer sehr stark von der richtigen Pflege ab und ob bestimmte Teile schon einmal erneuert wurden. Wichtig ist zum Beispiel, dass der Rahmen keine Dellen hat, nicht verbogen ist und nicht rostet. Im besten Fall kann der Verkäufer also belegen, dass er das Rad regelmäßig zur Inspektion gebracht hat. Zudem lohnt es sich, schon zu Beginn nach Mängeln zu fragen. Fallen einem dann Macken auf, die der Verkäufer nicht wusste, kann man den Preis womöglich noch etwas nach unten handeln.

Details prüfen

Beim Kauf eines gebrauchten Fahrrads sollten Verbraucher stets einen genauen Blick auf die Kette werfen: Zeigt diese bereits Spuren von Rost, ist vom Kauf abzuraten. Allzuleicht kann es passieren, dass die Kette irgendwann reißt. Das kann nicht nur im Straßenverkehr gefährlich werden, sondern auch hohe Kosten verursachen. Denn bei älteren Drahteseln müssen bei einem Kettenwechsel nicht nur die Kette selbst, sondern teils auch die sogenannten Ritzel am Hinterrad ausgewechselt werden, damit später auch alles wieder zusammenpasst. Bei diesem Punkt sollten Käufer also keine Abstriche machen.

Bremsbeläge begutachten

Um herauszufinden, ob die Bremsen noch gut funktionieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einerseits sollten Käufer das Fahrrad, wenn möglich, immer in der Praxis testen. So merkt man nicht nur, ob die Bremsen gut greifen und der Bremsweg kurz bleibt. Zudem kann man sich einen allgemeinen Eindruck des Fahrrads verschaffen: Sitzt man bequem? Lässt sich leicht treten? Rattert oder klappert das Rad beim Fahren, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Wer keine Möglichkeit hat, die Bremsen zu testen, sollte sie sich zumindest genauer anschauen. "Die Beläge der Bremsklötze am Rad weisen meist Querrillen auf", sagt René Fillipek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. "Sind diese Rillen weniger als ein bis zwei Millimeter tief, kann man davon ausgehen, dass die Bremsbeläge bald ausgewechselt werden müssen."

Reifen und Licht testen

Vor dem Kauf sollte man einmal die Lichtmaschine testen, zum Beispiel, indem man Probe fährt oder das Vorderrad anhebt und es kräftig in Schwung bringt. Letzteres ist sowieso immer ein guter Test: Ein Reifen, der einmal in Schwung gesetzt wurde, sollte nicht plötzlich abrupt aufhören, sich zu drehen, sondern lange weiterlaufen. Das zeigt, dass sich das Rad gut treten lässt. Darüber hinaus sollte man einmal den Finger mit wenigen Millimetern Entfernung vor den sich langsam drehenden Reifen halten. Stößt das Rad plötzlich an einer Stelle gegen den Finger, ist klar: Es läuft nicht mehr rund. Wichtig ist zudem ein Blick auf die Reifen. Fehlt das Profil, zeigt das zunächst nur, dass das Rad viel gefahren wurde. Das allein ist noch nicht so schlimm. Ist das Gummi jedoch spröde, brüchig oder rissig, kann man davon ausgehen, dass der nächste Platten in nicht allzu weiter zeitlicher Ferne liegt.

Fahrradladen: Teuer, aber sicherer

Um ein gebrauchtes Rad zu erwerben, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Oft veranstalten Kommunen oder die Polizei vor Ort in regelmäßigen Abständen Fahrrad-Auktionen. Dort werden Fahrräder versteigert, die zum Beispiel herrenlos in der Straße aufgefunden wurden. Bei solchen Auktionen lassen sich teils gute Schnäppchen machen – mit einem Nachteil: In aller Regel kann man Räder nicht probefahren. Eine ebenfalls günstige Alternative sind Internetplattformen wie Ebay Kleinanzeigen, Kalaydo oder Bikesale. Dort kann man gebrauchte Räder von Privatpersonen in seiner Stadt kaufen. Wer sich allerdings gar nicht mit Fahrrädern auskennt, sollte aufpassen. Die Qualität der hier angebotenen Ware ist sehr unterschiedlich. Eine sicherere Alternative ist es, ein Second-Hand-Rad von Fahrradläden zu kaufen, die so etwas anbieten. Einige Händler haben sich auch darauf spezialisiert. Gebrauchte Räder vom Händler sind in aller Regel teurer, werden dafür aber auch vor dem Verkauf wieder fit gemacht. Und: Kunden haben ein bis zwei Jahre Garantie.

Kosten und Vertragsabschluss

Wie viel ein gebrauchtes Fahrrad kosten darf, lässt sich pauschal kaum sagen. Die Stiftung Warentest nennt als Faustregel: Nach zwei Jahren sollte ein Fahrrad nur noch die Hälfte vom Originalpreis kosten, nach vier Jahren etwa ein Viertel und so weiter. Wie gut ein Rad erhalten ist, hängt allerdings sehr stark von der richtigen Pflege ab. Gerade beim Kauf bei Privatpersonen sollten Käufer darauf achten, dass sie einen offiziellen Kaufvertrag aufsetzen. Vorlagen stellt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub auf seiner Internetseite zur Verfügung. Der Kaufvertrag sollte Namen und Anschrift des Verkäufers enthalten, um sicherzustellen, dass es sich bei dem Rad nicht um Diebesgut handelt. Im besten Fall kann der Verkäufer sogar noch den Original-Kaufbeleg vorlegen. Falls das Rad eine Rahmennummer trägt, kann man diese im Internet auch noch einmal überprüfen.

Stand: 13.03.2017, 14:00