Von den niedrigen Gaspreisen profitieren

Gasanbieter wechseln

Von den niedrigen Gaspreisen profitieren

Von Anne Debus

Erdgas ist zurzeit so günstig wie seit langem nicht mehr. Wer davon nichts oder nicht viel mitbekommen hat, der hat vielleicht den falschen Gasversorger oder zumindest den falschen Tarif.

Etwa 5,7 Cent je Kilowattstunde – so günstig war Erdgas zuletzt im Jahr 2005. Allein seit dem vergangenen Jahr ist der Preis um vier Prozent gesunken. Aktuell kommt man also wirklich günstig an Erdgas – zumindest wenn man auch noch den richtigen Anbieter hat. Wenn nicht, dann schnell wechseln. Nach der neuesten Statistik hat das zuletzt jeder zehnte Gas-Kunde getan. Allerdings hat mindestens jeder vierte noch nie Anbieter oder Tarif gewechselt, und steckt damit noch im teuersten Tarif, der sogenannten Grundversorgung. Gerade diese Kunden könnten durch einen Wechsel aber richtig sparen – eine vierköpfige Familie im Schnitt 400 Euro pro Jahr.

Wechseln ist einfach

Viele Gaskunden trauen sich nicht, ihren Vertrag zu kündigen. Die meisten Sorgen sind aber unbegründet: Durch einen Wechsel droht weder eine Versorgungslücke, noch kommt jemand in die Wohnung und wechselt den Gaszähler aus. Der Anbieterwechsel ist ein reiner Verwaltungsakt, den man online erledigen kann. Man schließt einen Vertrag mit einem günstigeren Anbieter. Der neue Versorger erledigt die Kündigung beim alten Anbieter und die Belieferung geht lückenlos weiter. Selbst wenn dabei doch einmal etwas schief gehen sollte, bleibt die Heizung nicht kalt: In diesem Fall springt automatisch der Grundversorger ein, also meist die Stadtwerke.

Den günstigsten Anbieter finden

Im Internet gibt es etliche Portale, die die Preise verschiedener Gasanbieter vergleichen. Die bekanntesten sind Verivox oder Check24. Weitere Portale findet man, indem man "Gas" und "Preisvergleich" in eine Internet-Suchmaschine eingibt. Zum Suchen in den Portalen braucht man nur seinen Gasverbrauch und den zuletzt gezahlten Preis, beides findet man auf der letzten Gasrechnung. Meist kann man über die Vergleichsportale auch gleich einen neuen Vertrag abschließen. Vorher sollte man aber direkt auf den Seiten des neuen Anbieters abgleichen, ob die Angaben im Vergleichsportal auch zutreffen.

Tipps zum neuen Vertrag

Wechselwillige sollten allerdings einiges beachten und die Voreinstellungen in der Suchmaske des Vergleichsportals genau durchgehen und anpassen.

Verbraucherschützer raten:

  • Von Tarifen mit Vorkasse sollte man die Finger lassen.
  • Auch Paket-Tarife, bei denen man sich von vornherein verpflichtet, eine feste Menge abzunehmen, sind meist nicht zu empfehlen.
  • Man sollte nur Tarife wählen, die eine monatliche Zahlung vorsehen, mit Laufzeiten von maximal einem Jahr.
  • Wichtig ist zudem die Folgelaufzeit, das heißt, die automatische Verlängerung des Vertrags nach Ablauf der Erstlaufzeit. Diese sollte maximal einen Monat betragen. Damit kommt man schnell wieder aus dem Vertrag heraus, auch wenn man nach Ablauf der ersten Laufzeit versäumt hat, rechtzeitig zu kündigen.
  • Ein Neukundenbonus sollte nicht an Bedingungen geknüpft sein.
  • Nicht vom Neukundenbonus blenden lassen. Denn Tarife mit auffällig hohem Neukundenbonus haben oft höhere Preise. Oder man wechselt, sobald man die Bedingungen zum Erhalt des Bonus erfüllt hat, zu einem dann günstigeren Anbieter.
  • Die Voreinstellung "Tarife mit hoher Empfehlungsrate" besser wegklicken.

Schon ein Tarifwechsel kann helfen

Viele Kunden möchten bewusst beim örtlichen Gasanbieter bleiben, etwa weil ihnen ein Ansprechpartner vor Ort wichtig ist. Aber auch sie können oft einiges sparen: Wer noch in der so genannten Grundversorgung ist, sollte bei seinem bisherigen Gasanbieter nach einem günstigeren Tarif fragen.

Kündigungsfristen

Wie lang die eigene Kündigungsfrist ist, kann man im Vertrag oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Versorgers nachlesen. Am schnellsten geht eine Kündigung, wenn man noch nie den Gasanbieter oder den Tarif gewechselt hat. Dann ist man nämlich automatisch in der so genannten "Grundversorgung", für die meist die Stadtwerke oder ein großes Verbundunternehmen zuständig sind. In diesem Grundversorgungstarif gilt eine Kündigungsfrist von nur zwei Wochen. Außerdem haben Kunden bei Preiserhöhungen ein außerordentliches Kündigungsrecht. Das gilt natürlich auch für die Zeit nach dem Wechsel. Erhöht der Neue zum Beispiel nach einem Jahr die Preise, kann man sich wieder nach einem günstigeren Lieferanten umsehen.

Wechselmöglichkeiten für Mieter

Nicht nur Hausbesitzer können den Gasanbieter problemlos wechseln, sondern auch viele Mieter – nämlich alle mit einer Gasetagenheizung, bei denen das Gas nicht über die Nebenkostenabrechnung läuft, sondern die einen eigenen Zähler und einen eigenen Vertrag mit einem Energieversorger haben. Anders sieht das aus, wenn man in einem Mietshaus mit einer zentralen Gasheizung wohnt. Allerdings sollte auch der Vermieter möglichst wirtschaftlich mit dem Geld seiner Mieter umgehen. Deshalb muss er - wenn möglich - zu einem günstigeren Gasversorger wechseln; dazu können ihn die Mieter auffordern. Einen Musterbrief dafür gibt es online beim "Bund der Energieverbraucher".

Im Streitfall

Sollte es mit einem Gasversorger einmal Probleme geben, kann man sich an die örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentralen, an die "Schlichtungsstelle Energie" oder an den Verbraucherservice der Bundesnetzagentur wenden. Eine weitere Anlaufstelle ist der "Marktwächter Energie" der Verbraucherzentrale Niedersachen. Dort bekommt man zwar keine Beratung, kann seine Probleme aber melden. Die Verbraucherschützer sammeln solche Beschwerden, um Missstände auf dem Energiemarkt zu erkennen und dann dagegen vorzugehen.

Gaspreise auf Rekordtief

WDR 2 Servicezeit | 21.08.2017 | 02:57 Min.

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Stand: 21.08.2017, 12:00