Fünf Fallen bei Versicherungen

Fünf Fallen bei Versicherungen

Von Tobias Spelz

Mehr als 64 Milliarden Euro an Beiträgen zahlten die Deutschen im Jahr 2015 alleine für Schaden- und Unfallversicherungen. Obwohl wir uns also gerne absichern, fühlen sich viele von ihrer Versicherung im Stich gelassen. Die Versicherer haben nicht den besten Ruf.

Falle 1: Blindes Vertrauen

Sich mit Versicherungen zu beschäftigen, ist für viele lästig. Zum einen, weil man sie meist abschließt, wenn es einem gut geht – und man sich eigentlich nicht mit dem Unangenehmen, wie einer Krankheit oder einem Unfall, beschäftigen möchte. Zum anderen sind Versicherungsverträge für viele undurchsichtig und unverständlich. Kein Wunder, dass wir deshalb nicht selten Verträge abschließen, ohne die Details und Risiken genau zu kennen.

Hochwasser

Ein Beispiel: die Wohngebäudeversicherung. Die deckt zwar viele Schäden ab, die ein Haus oder die Wohnung betreffen können, nicht allerdings Elementarschäden wie zum Beispiel Hochwasser. Diese muss man extra absichern. Wer dies nicht weiß und blind vertraut, steht am Ende ohne Versicherungsschutz da, wenn der Notfall eintritt.

Tipp: Verträge mit einem unabhängigen Versicherungsberater durchgehen. Der kann Fragen neutral beantworten und über mögliche Risiken aufklären.

Falle 2: Spiel mit der Angst

Laut Diplom-Psychologin Ines Imdahl ist die Angst bei Menschen im Alltag gar nicht so stark ausgeprägt. Versicherungen müssen sie daher erst sensibilisieren, indem sie gezielt mögliche Szenarien aufblitzen lassen, vor denen man sich besser absichern sollte.

Ein Beispiel: die Krebs-Versicherung. Diese suggeriere unterbewusst, dass man vor Krebs geschützt sei, wenn man die Versicherung abschließt. Hier gilt aber: Bedingungen ganz genau lesen! Denn einige der häufigsten Krebs-Arten sind gar nicht versichert. Außerdem entfällt der Versicherungsschutz, wenn man mit über 70 an Krebs erkrankt.

Auch sogenannte Kurzzeit-Versicherungen spielen mit der Angst. Hier lassen sich einzelne Tage – wie die Hochzeit oder ein Tag im Stadion - versichern. Auch hier gilt: die Leistungen genau prüfen – und sich bewusst machen, wie hoch man das Risiko eines möglichen Unglücks tatsächlich einschätzt und welche bereits vorhandenen Versicherungen nicht sowieso greifen.

Falle 3: Fragebogen

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und soll im Notfall helfen, wenn man den eigenen Beruf nicht mehr ausüben kann. Doch für viele wird beim Abschluss der Versicherung der Fragebogen zur Stolperfalle. Wer hier nicht jede noch so kleine Krankheit oder Diagnose angibt oder versehentlich vergisst, steht im Zweifel ohne Schutz da, wenn der Schadensfall eintritt.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Denn Versicherungen prüfen genau, ob sie im Falle einer Berufsunfähigkeit leisten müssen oder nicht – kein Wunder: es geht um sehr hohe Geldbeträge. Und eine nicht angegebene Krankheit kann schon dazu führen, dass die Versicherung den Vertrag für ungültig erklärt. Abgefragt wird ein Zeitraum von bis zu zehn Jahren.

Wer sich unsicher ist, sollte sich von seiner Krankenkasse einen detaillierten Krankheitsverlauf zukommen lassen – oder beim Arzt die Unterlagen aus der Patientenakte anfordern.

Falle 4: Versicherungsbetrug

Pro Jahr werden in Deutschland 24 Millionen Schadensmeldungen eingereicht. Branchenkenner gehen davon aus, dass rund 10% der Meldungen nicht stimmen. Schaden für die Versicherung jedes Jahr: 4 Milliarden Euro.

Fahrerflucht

Eine besonders perfide Art von Versicherungsbetrug sind sogenannte "Autobumser". Täter provozieren hier z.B. Auffahrunfälle, um sich die Versicherungsleistung zu erschleichen. Häufig sollen auch bereits bestehende Schäden mit einem fingierten Unfall übergangen werden. Die Täter sind sehr geschickt, handeln teilweise in Gruppen und arbeiten mit falschen Zeugen. Forensische Services helfen Versicherungen und Polizei, die Täter zu überführen, indem sie die Situationen nachstellen und so mögliche fingierte Unfälle enttarnen können.

Falle 5: Kündigung

Wer mit seiner Versicherung nicht mehr zufrieden ist, der kündigt sie. Klingt gut – doch was sich viele nicht bewusst machen: das beruht auf Gegenseitigkeit!

Auch Versicherungen können sich von Kunden trennen. Besonders gerne kündigen Versicherungen, wenn Schadensfälle eintreten. Die Kunden werden ihnen schlichtweg zu teuer. Besonders ärgerlich nur, wenn man jahrelang Beiträge bezahlt hat, und wegen eines vermeintlich geringen Schadens aus der Versicherung gekickt wird.

Das Problem: eine Kündigung kann auch der nächsten Versicherung mitgeteilt werden – so kann man Schwierigkeiten haben, eine Neue zu finden.

Tipp: Wenn eine Kündigung drohen sollte, sprechen Sie offen mit der Versicherung. Es kann Sinn machen, lieber selber zu kündigen, um für den nächsten Anbieter nicht von vorneherein als Kunde unattraktiv zu sein.

Stand: 31.07.2017, 14:00