Rest- und Sonderposten auf dem Flohmarkt

Rest- und Sonderposten auf dem Flohmarkt

Von Maike Busse

Neuwaren auf dem Trödelmarkt sind erlaubt, aber umstritten. Wir zeigen, wo die Neuware herkommt und warum sie so günstig ist.

Trödelmarkthändler verkaufen oft Sonderposten. Das ist Ware, die aus unterschiedlichen Gründen nicht (mehr) im normalen Handel zu finden ist - aber noch verwendbar.

Flohmärkte in NRW

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Auf dieser Karte ist eine Auswahl regelmäßigen von Flohmärkten in Großstädten in NRW verzeichnet.
Wenn Sie noch weitere Flohmärkte kennen, dann können Sie die Informationen an data@wdr.de senden.

Beispiel 1: Dekorationsartikel
Dekorationsartikeln oder Gebrauchsgegenständen sieht man es meistens nicht an, ob sie bereits in der letzten Saison produziert wurden oder frisch aus der Produktionshalle kommen. Restpostenhändler lagern solche Produkte ein und zaubern sie zur nächsten Gelegenheit wieder hervor – zu einem sehr viel günstigeren Preis.

Weltmeisterkrug

Einem Dekorationsartikel sieht man es meistens nicht an, wann er produziert wurde.

Beispiel 2: Sommer-Schokolade
Bei Lebensmitteln ist der Sonderpostenhandel schon etwas aufwändiger, das Mindesthaltbarkeitsdatum spielt eine entscheidende Rolle. Läuft ein Artikel bald ab, ist der Großhandel bemüht, übrig gebliebene Ware schnell und günstig abzugeben, bevor sie im Müllcontainer landet. Bei Aktionsware oder „Special Editions“ für den Sommer kann es außerdem vorkommen, dass der Artikel schlecht läuft, wenn durch Regenwetter keine Sommerstimmung aufkommen will. So kostet eine Packung mit Sommer-Schokoriegeln auf dem Trödelmarkt anstatt 1,99 Euro nur 69 Cent.

Ein Flohmarktstand, der Süßigkeiten anbietet.

Beim Sonderpostenhandel mit Lebensmitteln spielt das Mindesthaltbarkeitsdatum eine entscheidende Rolle.

Beispiel 3: Schnittblumen

Auch frische Blumen, wie Rosen, Tulpen oder Orchideen, werden auf dem Trödelmarkt zu günstigeren Preisen angeboten als zum Beispiel im Blumenladen. Das liegt zum Einen daran, dass auch hier B-Ware verkauft wird. Eine etwas schief gewachsene Rose kostet nämlich nur ein Bruchteil von dem, was eine perfekt gerade gewachsene kostet. Frisch sind übrigens beide. Außerdem kaufen Blumenhändler oft in großen Mengen ein, das bringt Rabatt. Ohne Zwischenhändler, die am Weiterverkauf mitverdienen, beziehen sie ihre Ware beim Gärtner oder von der Blumenauktion. Ein B-Rose kostet dann nur noch 25 Cent. Im Blumenladen dagegen zahlt man gut und gerne 2 Euro für eine einzelne A-Klasse-Rose.

Ein Flohmarktstand, der Schnittblumen anbietet.

Schief gewachsene Rosen kosten nur einen Bruchteil von dem, was perfekt gewachsene kosten.

Weniger Kosten - bessere Preise
Neuwarenhändler auf dem Trödelmarkt können ihre Artikel auch deshalb so günstig verkaufen, weil sie weniger feste Kosten haben als beispielsweise Geschäfte in der Fußgängerzone. Anstatt monatliche Ladenmieten und regelmäßige Gehälter für die Mitarbeiter abzutreten, müssen sie auf dem Trödelmarkt nur eine sehr viel günstigere Standmiete zahlen.

Durch Rabattverträge mit Groß- oder Sonderpostenhändlern kommen die Trödelhändler außerdem sehr günstig an ihre Ware. Die Masse macht´s: Auf einem gut laufenden Flohmarkt kaufen gut und gerne zehn- bis zwanzigtausend Kunden ein. An einem einzigen Tag.

Rechtliche Rahmenbedingungen
Das Ladenöffnungsgesetz in NRW erlaubt dem Einzelhandel nur elf verkaufsoffene Sonn- und Feiertage pro Jahr und Gemeinde. Flohmärkte gelten als jahrmarktähnliche Vergnügungsveranstaltungen und unterliegen dieser Regelung nicht. Auf den klassischen Parkplatz-Trödelmärkten werden nach Schätzungen inzwischen bis zu 60 Prozent Neuwaren verkauft – das ist legal, solange sich die Händler an bestimmte Gesetze halten. Dazu gehören folgende:

  • Verkauf erst ab 11 Uhr: Trödel darf sonntags nicht schon in aller Herrgottsfrühe verkauft werden. Erst ab 11 Uhr, damit niemand gestört wird, der in die Kirche gehen will.
  • Auszeichnungspflicht: Genau wie in einem Geschäft müssen Neuwarenhändler auf dem Trödelmarkt jeden Artikel mit einem Preis auszeichnen, damit die Preise für die Kunden transparent bleiben.
  • Gewerbeschein: Als Privatperson darf man seinen eigenen Trödel ohne Anmeldung eines Gewerbes verkaufen. Händler, die regelmäßig ihr Geld damit verdienen, brauchen in Deutschland einen Gewerbe- bzw. Reisegewerbeschein.

Stand: 20.04.2017, 13:43