Fünf Fallen, die im Supermarkt lauern

Fünf Fallen, die im Supermarkt lauern

Von Claudia Wolfgramm

233-mal pro Jahr gehen wir einkaufen. Zwei Jahre unseres Lebens verbringen wir so in Supermärkten und Discountern und tappen dabei in manche Falle. Worauf wir beim Einkaufen achten sollten, haben Diplom-Psychologin Ines Imdahl und Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel zusammengestellt.

Falle 1: Die Werbemaschen

Rund 40.000 neue Produkte kommen pro Jahr in die Supermärkte. Häufig versprechen Verpackung und Werbung anderes, als die Zutatenliste hält. Ein Beispiel: Schimmel und Holzspäne können als Basis für natürliche Aromen dienen.

Auch wenn sich viele Verbraucher über Hersteller-Angaben ärgern, gilt: Irreführung liegt erst dann vor, wenn ein wesentlicher Teil der Verbraucherkreise durch Werbung und Informationen über das Produkt getäuscht wird - wenn also eine Abweichung zwischen Realität und Vorstellung hervorgerufen wird. Ein Anhaltspunkt: Wenn die Gesamtpackung über Bilder bzw. Texte den Eindruck erweckt, dass ein bestimmter Inhaltsstoff vorhanden ist, dann reicht es nicht, wenn die Inhaltsstoffe nur in der Zutatenliste richtig dargestellt werden.

Falle 2: Rechte im Supermarkt

Was darf man als Kunde im Supermarkt – was nicht? Hier einige Beispiele:

  • Öffnen von Tüten und Verpackungen: Grundsätzlich gilt: Erst durch das Bezahlen wird der Kunde Eigentümer der Ware. Vorheriges Öffnen ist also nicht erlaubt. Ähnliches gilt für das Auspacken, zum Beispiel von Kleidung, um diese zu begutachten. Dies verpflichtet zwar nicht zum Kauf – streng genommen darf der Händler aber Ersatz für den entstandenen Schaden verlangen, weil er die Ware nicht mehr original verpackt verkaufen kann.
  • Verdorbene Ware z.B. Obst oder Gemüse: Hier hat der Kunde Anspruch auf neue Ware und sogar auf Erstattung der Fahrkosten. Bon nicht vergessen!
  • Schäden bzw. Missgeschicke im Supermarkt: Ein zerbrochenes Gurkenglas, ein geplatzter Sahnebecher oder die ausgelaufene Milchtüte: Kunden, die sich nicht sorgfältig im Supermarkt verhalten, müssen für ihre Schäden selbst aufkommen. Allerdings gilt: Der Supermarkt muss sicherstellen, dass der Kunde ohne Hindernisse einkaufen kann. Sonst ist er in der Haftung.
  • Unterschiedliche Preise: Bei einer Differenz zwischen Preis-Auszeichnung und Kassen-Betrag ist der Preis an der Kasse bindend.

Falle 3: Der Gesundheits-Hype

Frei von Laktose, Gluten oder Fleisch - der Umsatz von "Frei von"-Produkten steigt stetig. Für gesunde Menschen haben sie medizinisch gesehen wahrscheinlich keinen Nutzen - zudem sind sie teurer als die herkömmlichen Produkte. Viele dieser Waren sind stark verarbeitet. Künstliche Zusatzstoffe, viel Fett, viel Salz – all das können viele "Frei von"-Produkte enthalten. Auch wenn sich gesundheitsbewusste Verbraucher einen Effekt der Spezialprodukte versprechen, helfen sie möglicherweise nur wenigen Menschen tatsächlich. Laut Schätzungen haben nur 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Auf Gluten reagiert sogar nur ein Prozent allergisch. Trotzdem boomen die Produkte.

Ersatzprodukte

Viele Ersatzprodukte sind stark verarbeitete Lebensmittel.

Falle 4: Der To-go-Trend

Mehr als 20 Milliarden Euro sollen wir angeblich für den Verzehr außer Haus ausgeben. Tendenz steigend – vor allem in der sogenannten frischen Fertigkost. Deutschland entwickelt sich zunehmend zum Land der Kochmuffel. Mehr als 40 Prozent der Verbraucher möchten gern vernünftig essen – aber nicht selbst kochen. Dafür zahlen wir deutlich mehr. Mehr als das Dreifache des Warenwerts lassen wir uns fertige Käsewürfel, Salate oder mundfertige Obststücke kosten. Die Verpackungen vermitteln: handgemacht und frisch gekocht. Eine Falle, in die wir gerne tappen. Obwohl sich manche Produkte möglicherweise gar nicht vom klassischen Fertiggericht unterscheiden.

Falle 5: Die Preis-Taktik

Der Klassiker: versteckte Preiserhöhungen. Die Falle: Durch eine Verpackungsänderung sinkt der Inhalt - bei gleichem Preis. Die Folge: Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent. Kunden bemerken dies häufig nicht. 

Weiteres Beispiel: der 100g-Trick. Trotz Preisangaben-Verordnung finden sich häufig unterschiedliche Bezugsgrößen an den Regalen oder Etiketten. Mal wird die Ware mittels 100gr-Angaben ausgezeichnet, mal über den Kilo-Preis. Das erschwert Preisvergleiche. Oft wirkt das teurere Produkt für den Kunden auf den ersten Blick billiger. Der Kunde greift zu und tappt in die Falle mit der Preis-Taktik. 

Stand: 02.12.2016, 11:03