5 Fallen - 2 Experten: Shopping

5 Fallen - 2 Experten: Shopping

Von Claudia Wolfgramm und Tobias Spelz

Fast 70 Prozent der Deutschen finden: Shopping macht Spaß! Von vermeintlichen Schnäppchen lassen sich rund zwei Drittel aller Käufer gerne verführen. Worauf wir beim Einkaufen achten sollen, haben Diplom-Psychologin Ines Imdahl und Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel zusammengestellt.

Falle 1: Die Rabatt-Falle

Kundenkarten, Rabattkarten, Clubausweise - sie locken mit Prämien, Rabatten oder Geldsparen direkt beim Einkauf. Mehr als 80 Prozent aller Kunden nutzen Bonus- und Rabattprogramme. Dabei vergessen einige: um zu sparen,  muss man erst mal Geld ausgeben! Auf der Suche nach dem besten Schnäppchen geben wir unterm Strich häufig mehr aus, weil wir Dinge kaufen, bei denen wir zum Normalpreis gar nicht zugegriffen hätten.

Beispiel: (Online-)Shopping-Clubs. Um Mitglied zu werden, muss man häufig E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Postleitzahl oder ähnliches angeben. Dafür gibt’s dann extra Rabatte und andere Aktionen. Die kann man je nach Anbieter mal online, mal direkt im Laden einlösen. In einer kleinen Stichprobe konnten wir an einigen Beispielen zeigen, dass die vermeintlichen Superschnäppchen nicht immer unschlagbar sind.

Das Bild zeigt eine Website auf der es bis zu 70 Prozent Rabatte geben soll.

Bei Online-Käufen oder Mitgliedschaften sollte man immer einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedigungen werfen. Nur so weiß man, worauf man sich beim Nutzen des Online-Anbieters einlässt. Aufpassen sollte man, wenn in Datenschutz-Erklärungen Formulierungen stehen, die auf Daten-Weitergabe unter anderem an andere Unternehmen hinweisen. Das kann auch in der Form sein, dass man zustimmt, Angebote von anderen Unternehmen zu erhalten.

Falle 2: Aktionsware

Aktionsware ist oft schnell vergriffen. Die Händler schützen sich im Kleingedruckten mit Kommentaren wie … kann im Laufe des ersten Angebotstages ausverkauft sein" oder: „Solange der Vorrat reicht!“

Das Bild zeigt eine Zeitung mit Aktienswaren wie Bügeleisen, Staubsauger etc., also Haushaltswaren.

Wie lange Angebotswaren verfügbar sein müssen, lässt sich nicht verallgemeinern, sondern hängt zum Beispiel von den Produkten ab. Tatsächlich sollten die Angebotswaren laut Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel so lange verfügbar sein, wie man es als Verbraucher vernünftigerweise erwarten würde. Abgesehen von Ausnahmen müssten die Produkte mindestens zwei Tage im Laden vorrätig sein. Wenn keine Ware mehr vorrätig sein sollte, hat der Kunde aber keinen rechtlichen Anspruch darauf. Grund: Bei dem Angebot handelt es sich um Werbung und noch nicht um einen Vertrag zwischen Anbieter und möglichem Käufer.

Falle 3: Preis-Schwankungen

Dynamic Pricing heißt das Phänomen, bei dem Preise im Onlinehandel Achterbahn fahren. Das gewünschte Produkt wird mal günstiger, mal teurer. Computer ermitteln je nach Jahreszeit des Kaufs, der Uhrzeit, der Nachfrage und vor allem in Anlehnung an den Preis der Konkurrenz die Preise für unser Lieblingsprodukt – dahinter stecken Algorithmen. Zwar verwirrend - doch rechtlich in Ordnung.

Ebenfalls schwer zu verstehen: Preise können sich auch verändern, je nach dem ob wir mit Smartphone, Tablet oder Laptop shoppen. Beispiel Reisebuchung: In einer kleinen Stichprobe buchten wir Hotelzimmer mit jeweils drei unterschiedlichen Endgeräten. Dabei waren Hotelbuchungen über das Handy am günstigsten: Buchungen über eine App waren in der Stichprobe teilweise ein Drittel günstiger als vom Laptop aus. Überraschung: Bei Flügen waren viele Buchungen über die normale Internetseite günstiger. Bis zu 40 Prozent konnten wir so in unserer kleinen Stichprobe sparen.

Falle 4: Die Tiefpreis-Falle

Jede Woche wirbt der Handel mit satten Rabatten: Ob UVP, Tiefstpreis oder Best-Preis-Garantie, um nur wenige Beispiele zu nennen. Schwer zu erkennen, wieviel ein Produkt tatsächlich wert ist. Häufig finden sich Angebote mit Preisen unterhalb der unverbindlichen Preisempfehlung. Dieser Preis wird von Unternehmen als Richtwert für den Handel ausgegeben. Doch gerne werben auch Läden und Online-Händler damit. So wirkt der tatsächliche (Angebots-)Preis vergleichsweise günstig. Nur: Kaum einer verkauft die Sachen zum Preis der UVP. Das heisst: Wir sparen oft weniger als erhofft. Und manchmal gibt es den gleichen Preis auch bei der Konkurrenz. Insofern ist die angebliche Mega-Ersparnis manchmal eine kleine Falle. 

Falle 5: Die Bewertungs-Falle

Fast 70 Prozent der Käufer lassen sich beim Shoppen von Erfahrungen anderer beeinflussen. Gerade beim Online-Shopping vertrauen viele auf die Erfahrungen anderer Käufer. Das Ergebnis: Produkte mit positiven Bewertungen verkaufen sich angeblich fast doppelt so gut wie Produkte ohne Ranking.

Das Bild zeigt wie Bewertunsliste eines Produktes bei Amazon.

Leider gibt es auch schwarze Schafe. Insider vermuten, dass gut ein Drittel der Bewertungen im Netz gefälscht sind. Falsche Bewertungen sind kaum zu erkennen. Die Reisebranche hat bereits reagiert. Viele Portale analysieren Reiseangaben, Wortwahl oder Stil der Bewertungen und können so technisch erkennen, ob die Bewertung möglicherweise gefälscht ist. Andere Portale erlauben eine Bewertung nur nach vorangegangener Buchung.

Trotz möglicher Fakes bieten die persönlichen Erfahrungen einen guten Anhaltspunkt. Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel rät, zunächst auf die Anzahl der Bewertungen zu achten. Viele Meinungen ergeben ein Gesamtbild. Und bei vielen Bewertungen fallen wenige gefälschte kaum ins Gewicht. Außerdem hilft es, zunächst die negativen Bewertungen zu checken. Wenn diese Punkte persönlich nicht stören, sind eventuell gefälschte Bewertungen für den Einzelnen weniger bedeutend. 

Stand: 07.08.2017, 11:00