Click & Collect: Mode auf Vorbestellung

Click & Collect: Mode auf Vorbestellung

Von Maike Busse

Im Netz bestellen und in der Filiale abholen: "Click & Collect" nennt sich das Zwittersystem aus Onlineshopping und echtem Einkauf, das immer mehr Modegeschäfte ausprobieren.

Mode-Unternehmen haben erkannt, dass ihre Kunden vielseitiger einkaufen wollen als früher:  Einerseits wollen sie rund um die Uhr bestellen und eine riesige Auswahl haben - wie im Internet. Aber auf den Paketboten zu warten, macht den wenigsten Spaß. Viele möchten eigentlich gerne einen Verkäufer als Berater in der Nähe haben, wenn sie Kleider anprobieren. Und vor allem wollen sie sich nicht mit den Retouren herumschlagen, wenn die Ware doch nicht passt oder gefällt.

Die Antwort auf diese Wünsche ist eine Art Zwitter-System. Online bestellen, aber im Laden abholen. Viele Modegeschäfte bieten es mittlerweile an. Kaufhäuser wie Galeria Kaufhof und Karstadt, Modeketten wie C&A, Zara und Esprit, aber auch spezialisiertere Geschäfte: z.B.  der Kindermodenladen Ernstings Family, der Outdoorladen Globetrotter und der Kaffeeröster Tchibo.

Abholen in der Wunsch-Filiale

Das Bestellen funktioniert im Prinzip wie das reine Online-Shoppen. Nur kurz vor Abschluss der Bestellung ändert sich etwas:  Anstelle der eigenen Adresse gibt man als Lieferadresse eine Filiale in der Nähe an.  Dort kann man die Bestellung später abholen. Meist braucht man dazu einen Personalausweis und eine Abholbestätigung, die man nach drei bis fünf Tagen per Email bekommt.

Für die Händler hat Click & Collect den Vorteil, dass sie ihr Sortiment erweitern können, selbst wenn die Verkaufsfläche klein ist. Die "Click & Collect"-Pakete werden meist in Nebenräumen gelagert. Das Angebot wird von immer mehr Kunden in Anspruch genommen. Beispiel C&A: In allen Filialen zusammen sind es pro Tag etwa 25.000 "Click & Collect"-Bestellungen. Das heißt: Jede dritte Bestellung im Internet lässt sich der Kunde in eine Filiale liefern

Das Bild zeigt eine Frau, die ein Paket in ihrer Wunsch-Filiale abholt.

Die bestellte Ware kann in der Wunsch-Filiale abgeholt werden.

Einkauf im echten Leben, aber im Zeitraffer

Das Anprobieren geht  schnell, denn man muss nichts mehr im Laden zusammensuchen.  Zur Sicherheit kann man sich verschiedene Größen bestellen. Wie groß das vorbestellte Paket sein darf, ist unterschiedlich: Bis zu 50 Kleidungsstücke darf man beispielsweise bei C&A vorbestellen. Bei Tchibo ist der Lieferumfang zwar unbegrenzt, man darf aber von jedem Artikel nur 9 Stück anfordern.

Was man nicht kaufen möchte, lässt man einfach im Laden. Der kümmert sich um die Retouren ins Zantrallager oder nimmt die zurückgelassenen Kleidungsstücke ins Sortiment der Filiale auf.

Bezahlen unterschiedlich geregelt

Wie bezahlt wird, regelt jedes Geschäft anders. Viele bieten wie beim Onlineshopping an, per Kreditkarte, Banküberweisung oder Pay Pal zu zahlen. Dann muss man allerdings die ganze Vorauswahl bezahlen und bekommt erst später erstattet, was doch nicht gefiel.

Praktischer ist es, im Laden an der Kasse zu bezahlen. So muss man nicht in Vorleistung gehen, egal, wie viel man bestellt hat. Manche Läden bieten im Zusammenhang mit Click & Collect auch einen Kauf auf Rechnung an. Das ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig: Man marschiert mit Kleidern aus dem Laden, die man noch nicht bezahlt hat. Das kann man in den nächsten zwei Wochen zu Hause am Computer erledigen.

Click & Collect auch bei Lebensmitteln: Der Drive-In Supermarkt

Auch der Lebensmittelhandel investiert verstärkt in "Click & Collect"-Idee. So kann der Kunde online Lebensmittel vorbestellen und muss an der Abholstation nur noch die vollen Einkaufstüten ins Auto laden. Rewe, Real, Edeka, Globus und Kaufland wollen "Click & Collect"-Stationen auf- und ausbauen. Das nennt sich Drive-In-Supermarkt.

Auch die Discounter wollen sich das Geschäft nicht entgehen lassen: Lidl arbeitet ebenfalls an einem neuen "Express"-Format, das in Berlin ausprobiert wird. Aldi Süd ist 2016 ins "Click & Collect"-Geschäft eingestiegen, bislang aber nur in England.

Stand: 13.03.2017, 11:13