Betrugsmasche beim Gebrauchtwagenkauf

Betrugsmasche beim Gebrauchtwagenkauf

Von Jens Gerke

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, sollte derzeit aufpassen: Gestohlene oder unterschlagene Fahrzeuge werden oft mit Original-Papieren verkauft. Doch die Zulassungsbescheinigungen I und II stammen aus Diebstählen – Blanko-Papiere, die aus den Schubladen und Tresoren der Straßenverkehrsämter entwendet wurden. Als Laie hat man keine Chance, den Betrug zu erkennen.

Viele gestohlene Gebrauchtwagen auf dem Markt

Der Handel und Diebstahl von Papieren erlebte in den vergangenen Jahren einen Boom: Kein Wunder, denn der Schwarzmarktwert wird pro Zulassungspapier auf bis zu 1000 Euro geschätzt.

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass dahinter organisierte Kriminalität steckt, also hochgradig organisierte und professionell operierende Banden.

Wer einen Gebrauchtwagen kauft, dessen Papiere zwar Originale sind, die aber für das betreffende Fahrzeug gefälscht wurden, bleibt meist auf dem Schaden sitzen.

Wurde der Wagen gestohlen, ist die Lage ziemlich eindeutig: Das Auto muss man zurückgeben und das gezahlte Geld ist meistens auch weg. Von gestohlenen Dingen kann man nicht Eigentümer werden.

Gutgläubiger Erwerb

Ist der Verkäufer allerdings "legal" in den Besitz gekommen, also hat er sich beispielsweise das Auto bei einem Autovermieter geliehen, kann das Auto "gutgläubig erworben" werden.

Dies bedeutet, dass man Eigentümer des Wagens werden kann, obwohl das Fahrzeug unterschlagen wurde und natürlich ohne Einverständnis des Eigentümers weiterverkauft wurde.

Ob es nun ein gutgläubiger Erwerb sein kann oder nicht, müssen dann aber in der Regel Gerichte entscheiden. Denn der Eigentümer wird aller Voraussicht nach den "gutgläubigen Erwerb" bestreiten. Denn sonst hätte er den Schaden.

Kaufvertrag Gebrauchtwagen

Wer einen Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen unterschreibt, sollte vorher gut abwägen, ob er dem Verkäufer vertraut.

Händler oder Privatperson

Kauft man einen unterschlagenen Wagen von einer Privatperson, so gelten andere Hürden für den gutgläubigen Erwerb, als wenn man den Wagen bei einem Händler erwirbt.

Während die Rechtsprechung bei einem Händler häufig von einem gutgläubigen Erwerb ausgeht, sieht es beim Kauf von Privatpersonen anders aus. Hier zählen alle Umstände des Kaufs. Zentrale Frage: Hätte man an der "Eigentümereigenschaft" zweifeln müssen?

Hohe Zahlen, hohe Dunkelziffer

Allein in NRW sollen bei rund 300 Fällen in den vergangenen Monaten gestohlene Blanko-Papiere verwendet worden sein. Nach Schätzungen von Experten wurden bis zu 15.000 Zulassungspapiere im Jahr 2016 gestohlen, oder im Zusammenhang mit illegalen Autoschiebereien verwendet.

Darin ist auch die sogenannte Dunkelziffer enthalten. Also jene Blanko-Papiere, die gar nicht an das Kraftfahrtbundesamt gemeldet wurden und deren Verlust noch gar nicht bemerkt wurde.

KBA veröffentlicht Nummern nicht

Alle gestohlenen Blanko-Papiere müssen beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) gemeldet werden. Dort werden sie in eine Datenbank eingetragen. Denn alle Zulassungspapiere haben eine eindeutige Nummer und können so erkannt werden. Wird nun ein solches Papier bei einer Ummeldung verwendet, erhalten die Mitarbeiter im Straßenverkehrsamt einen Hinweis, dass es sich um gestohlene Papiere handelt.

Als Laie hat man allerdings keine Möglichkeit, das zu erkennen. Würden die Nummern der entwendeten Papiere dagegen veröffentlicht, hätten auch Verbraucher eine Chance, diese Falle beim Gebrauchtwagenkauf zu umgehen.

Doch das KBA weigert sich, oft auf Bitten der Polizei oder Staatsanwaltschaft, die Nummern der Papiere zu veröffentlichen. Ermittlungstaktische Gründe werden angeführt. Damit nehmen KBA und Ermittlungsbehörden in Kauf, dass viele Menschen auf hohen Schäden sitzenbleiben.

Dabei ist das Problem schon seit Jahren bekannt. Bereits 2005 berichtete die Verbrauchersendung Markt darüber, im Jahr 2012 das Magazin Plusminus. Doch getan hat sich seitdem nichts.

Wie kann ich mich dennoch schützen?

Leider sind die Original-Papiere meist nicht als Fälschung zu erkennen. Falls man von einer Privatperson einen Gebrauchtwagen kauft, kann man nur versuchen, im Vorfeld bei der Zulassungsstelle die Nummer des Briefes überprüfen zu lassen. Alternativ: Man geht im Beisein des Verkäufers zur Zulassungsstelle.

Stand: 10.01.2017, 11:23