Verlustgeschäft Betriebsrenten-Versicherung

Verlustgeschäft Betriebsrenten-Versicherung

Von Klaus Kuderer

Für das Alter zusätzlich vorsorgen ist wichtig, denn die gesetzliche Rente reicht in Zukunft vielen nicht mehr aus. Vor allem die betriebliche Altersvorsorge soll vom Staat weiter gefördert werden. Nur, lohnt sich das?

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten verschiedene Modelle der Altersvorsorge wie Pensionskasse, Pensionsfonds oder eine Direktversicherung anbieten. Allerdings vergibt dann der Chef die Aufträge an Privatunternehmen wie Versicherungen. Vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers wird dann monatlich oder auch einmal jährlich eine Summe auf einen Vertrag zur Altersvorsorge überwiesen – die sogenannte Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber gibt etwas dazu. In dieser Ansparphase ist dies zunächst steuer- und sozialabgabenfrei.

Nachträgliche Forderungen bei Direktversicherungen

Das Problem: Ist ein Arbeitnehmer bei einer Krankenversicherung gesetzlich oder freiwillig versichert, kann das bei Renteneintritt für die Betroffenen teuer werden! Sollte der Chef auf seine Zuschüsse die fälligen Sozialbeiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht bezahlt haben, wird der Rentner nun zur Kasse gebeten. Das heißt: Er muss nachträglich die Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile zurückzahlen, gestaffelt auf zehn Jahre. 18 Prozent der ausgezahlten Direktversicherung stellt die Krankenkasse dann in Rechnung. Ein weiterer Nachteil: Die eingezahlten Beträge schmälern die gesetzliche Rentensumme. Privat Krankenversicherte sind davon nicht betroffen.

Neues Betriebsrentenstärkungsgesetz

Das vor kurzem verabschiedete Gesetz gilt erst ab 2018 beziehungsweise 2019 und betrifft rückwirkend erst mal keine laufenden Verträge. Ab 2018 sollen Arbeitgeber in tariflich gebundenen Betrieben einen pauschalen Zuschuss von 15 Prozent zuzahlen. Ab 2019 sollen auch Arbeitnehmer, die tariflich nicht abgesichert sind, ebenfalls in den Genuss kommen.

Fragwürdig an der Reform: Das Unternehmen übernimmt von nun an keine Garantie mehr für die angesparte Summe. In Zeiten finanzieller Turbulenzen kann es also geschehen, dass später Rentner eventuell weniger Geld erhalten als ursprünglich vereinbart.

Keine Kündigung, aber Stilllegung möglich

Sollte ein Direktversicherer erfahren, dass sein Arbeitgeber die Sozialabgaben für die eingezahlten Beiträge nicht begleicht, kann er seinen Vertrag in der Regel nicht kündigen. Eine Stilllegung aber ist möglich. Der Beschäftigte stellt dann die Zahlungen ein. Empfehlenswert ist dann jedoch, für die eingesparten Raten eine andere Art der Altersvorsorge zu wählen und sich vorher ausführlich über alle anfallenden Kosten beraten zu lassen.

Stand: 06.09.2017, 18:15