Die Tücken der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Tücken der Berufsunfähigkeitsversicherung

Von Christian Link

Leider kommt es immer wieder vor, dass Versicherungen sich weigern zu zahlen, wenn es darauf ankommt. Betrifft das die Fähigkeit bzw. Unfähigkeit seinen Job auszuüben, steht schnell die komplette Existenz auf dem Spiel.

Die Berufsgenossenschaft

Bei der Berufsgenossenschaft (BG) handelt es sich um den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Ihre Aufgabe ist es, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten. Für den Fall, dass man sich im Rahmen seiner Arbeit verletzt oder unter einer Berufskrankheit leidet, trägt die Berufsgenossenschaft die Kosten für eine medizinische, berufliche oder soziale Rehabilitation. Die BG ist in unterschiedliche Wirtschaftszweige aufgeteilt (zum Beispiel Holz & Metall, Gesundheitsdienst, Bauwirtschaft etc.). Die Kosten für die Unfallversicherung zahlt nicht der Arbeitnehmer, sondern ausschließlich der Arbeitgeber.

Was in der Theorie wunderbar klingt, stellt sich für viele Betroffene in der Praxis leider als langwieriger Kampf um ausstehende Zahlungen heraus. Beatrix Hüller ist Anwältin für Versicherungsrecht. Vor ihrer Tätigkeit als Juristin war sie selbst Sachbearbeiterin bei einer großen Versicherung – sie kennt beide Seiten. Heute berät sie viele Mandanten, die vergeblich auf finanzielle Entschädigungen durch die Berufsgenossenschaft warten. Sie schätzt, dass fast 70 Prozent aller Anträge zunächst von der BG abgelehnt wird.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Dieter mit der Fachanwältin Beatrix Hüller.

Dieter mit der Fachanwältin Beatrix Hüller.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen. Sie greift dann, wenn der Erwerb einer Arbeit nicht mehr möglich oder nur noch eingeschränkt möglich ist. Sie soll den finanziellen Abstieg aufgrund physischer oder psychischer Folgen verhindern. Hierbei handelt es sich um eine privatwirtschaftliche Versicherung. Der Abschluss dieser Versicherung ist daher freiwillig. Sie kann als Zusatzversicherung zu einer Lebensversicherung, Rentenversicherung oder als selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden.

  • Es kann jeden treffen: Niemand sollte das Risiko unterschätzen, seine Arbeitskraft eines Tages einbüßen zu müssen. Statistisch ist jeder Vierte von Berufsunfähigkeit betroffen.
  • Individueller Schutz: Die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet je nach Versicherung eine Vielzahl verschiedener Tarife, die auf die persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche zugeschnitten werden können.
  • Steuern sparen: Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung sind grundsätzlich steuerlich absetzbar und mindern die Steuerlast des Versicherungsnehmers.

Tipps zum Vertragsabschluss

Vor allem der Vertragsabschluss ist bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung von entscheidender Bedeutung. Hierbei muss man sich durch einen Antragsdschungel kämpfen. Der Fragenschwerpunkt liegt verständlicherweise beim Thema Gesundheit. Die Versicherung fragt aktuelle aber auch weit zurückliegende Beschwerden und Erkrankungen ab.

Falsche, fehlende Angaben, die gar nichts mit der aktuellen Krankheit, die zur Berufsunfähigkeit führt, zu tun haben müssen, haben fatale Auswirkungen. Die Versicherung muss nicht leisten.

Damit hier fehlende oder unsichere Angaben später nicht zur Leistungsverweigerung führen, empfiehlt Beatrix Hüller, den Antrag sehr gewissenhaft und vollständig auszufüllen. Auf der sicheren Seite ist, wer seine komplette Krankengeschichte bei seiner Krankenkasse anfordert oder den sogenannten Diagnosespiegel vom Hausarzt hinzufügt. Laut GDV (Gesellschaft der deutschen Versicherungswirtschaft) werden 70 Prozent aller Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsleistung anerkannt.

Stand: 26.09.2016, 15:03