Ausgerechnet Flugticket: Wie entstehen Ticketpreise?

Ausgerechnet Flugticket: Wie entstehen Ticketpreise?

Von Ralf Stauf & Laura Heidrich

Bei der Auswahl ist des Flugtickets ist der Preis das entscheidende Kriterium. Wie setzt sich der Ticketpreis zusammen? Und warum können einige Airlines überhaupt so günstig fliegen? Daniel Aßmann sucht nach Antworten.

Reisebüro vs. Internet

Deutschland hat mehr als 9.800 Reisebüros - das ist bezogen auf die Einwohnerzahl eines der dichtesten Reisebüronetze weltweit. Für viele Reiselustige immer noch die erste Station, denn das stationäre Reisebüro hat im Vergleich zum Internet einige Vorteile: Man braucht beispielsweise keine Kreditkarte, kann bar zahlen und muss seine Bankdaten nicht im Netz eingeben. Zudem ist der Flug nicht sofort fest gebucht. Gibt es einen günstigeren Flug, kann umgebucht werden.

Einen Flug von Köln nach München gibt es zum Beispiel für 59 Euro, nach Stockholm geht es für 39,99 Euro und nach London für 10 Euro. Daniel Aßmann will nach Mailand: Den gewünschten Flug gibt es inklusive Gepäck und Sitzplatzreservierung für insgesamt 79,52 Euro.

Der Ticketpreis

Wie kommt der Preis von 79,52 Euro zustande? Tim Howe Schröder, Ryanair-Marketingchef für den deutschsprachigen Raum, erläutert: Die Fluggesellschaft setze auf einen einzigen Flugzeugtyp (Boeing 737-800) und erziele so große Rabatte beim Einkauf dieser Maschinen. Außerdem müsse das gesamte Personal nur für dieses eine Modell geschult werden und sei immer und überall einsetzbar. Zudem passten die Ersatzteile auf alle Flugzeuge und die Ryanair-Maschinen stünden im Schnitt lediglich 25 Minuten auf der Rollbahn. Das begünstige die niedrigen Preise, denn je kürzer das Flugzeug stehe, desto günstiger werde es.

Laut Pressesprecher befördert Ryanair rund 105 Millionen Passagiere pro Jahr. Der Durchschnittspreis für einen Flug liegt bei 47 Euro. Damit ist die Fluggesellschaft die günstigste Airline in Europa, und dennoch ist die Airline noch sehr profitabel: 2015 betrug der Gewinn 1,13 Milliarden Euro.

Kosten der Flugesellschaft

1. Gebühren des Flughafens

Ulrich Stiller, Leiter des Geschäftsbereichs Marketing und Vertrieb am Flughafen Köln/Bonn, erklärt: Die Höhe der Start- und Landegebühr staffele sich je nach Gewicht des Flugzeuges. Für eine Boeing 737-800 fallen 2.300 Euro an. Dabei handele es sich aber nur um die Gebühr für Start und Landung. Für alle weiteren Dienstleistungen am Boden kassiere der Flughafen extra, zum Beispiel für die Passagierabfertigung. Sie beginne beim Check-In und ende mit dem Einsteigen in die Maschine. Kosten: 400 Euro. Zusammen mit Start- und Landegebühr sind das schon 2.700 Euro.

Und damit ist noch nicht Schluss, denn das Flugzeug muss auch geparkt werden. Die Abstellgebühr beläuft sich pro Stunde auf 25 Euro. Hinzu kommt die Bodenabfertigung für 500 Euro.

Zwischenfazit: Wenn das Flugzeug in der Luft ist, wird Geld verdient. Sobald die Maschine allerdings auf dem Boden steht, muss ordentlich gezahlt werden. Rabatte gibt es für einzelne Fluggesellschaften aber nicht. Auch nicht für die sogenannten Billigflieger.

Bezogen auf den konkreten Flug von Köln nach Mailand/Bergamo ergeben sich pro Passagier folgende Kosten: 12,10 Euro für Start und Landung, 2,10 Euro für die Passagierabfertigung, eine Stunde Parken für 10 Cent und die Flugzeugabfertigung schlägt mit 2,63 Euro zu Buche. Diese Kosten von unserem Flugticketpreis von 79,52 Euro abgezogen, ergeben einen Restbetrag von gut 62 Euro.

2. Flugpersonal

Das Einkommen eines Piloten kann zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegen, die Kosten für die Ausbildung zwischen 60.000 und 80.000 Euro. Das monatliche Grundgehalt einer Stewardess beträgt im Low-Cost-Bereich oft nicht mehr als 1.500 Euro brutto. Bemerkenswert: Sobald das Flugzeug steht, bekommt der Flugbegleiter kein Geld mehr.

3. Flugsicherung (Tower)

Wurden 1997 noch 144 Millionen Fluggäste in Deutschland gezählt, waren es 2015 schon 210 Millionen - Tendenz steigend. Die Fluglotsen spielen eine zentrale Rolle: Michael Fuhrmann ist Sprecher der Deutschen Flugsicherung in NRW und erklärt, dass an einem Tag in Deutschland zur Spitzenzeit bis zu 10.000 Flüge koordiniert werden. Zeitgleich können 550 Maschinen im deutschen Luftraum sein. Eine davon ist unsere 737-800 von Köln nach Mailand/Bergamo.

Die Deutsche Flugsicherheit berechnet der Airline als An- und Abfluggebühr 211 Euro und eine Streckengebühr von 336 Euro. Sind insgesamt 547 Euro.

Wir ziehen eine Zwischenbilanz: Der Flughafen kassiert für den Flug von Köln nach Mailand gut 16 Euro pro Passagier. Die Flugsicherheit berechnet je Fluggast 1,11 Euro als An- und Abfluggebühr und eine Streckengebühr von 1,76 Euro. Macht zusammen 19,26 Euro unseres Ticketpreises aus.

Grafik zeigt Preiszusammensetzung eines Flugtickets

4. Flugzeug - und Kerosinpreis

Eine Boeing 737-800 kostet nach Listenpreis stolze 90 Millionen Dollar. Aber es gibt Rabatte für Airlines und so kann es sein, dass zum Beispiel Ryanair für eine Maschine am Ende nur 30 Millionen Dollar zahlt. Der exakte Kaufpreis bleibt aber Betriebsgeheimnis. Wir rechnen mit dem reduzierten Preis. Dieser Preis multipliziert mit 330 Maschinen ergibt eine Summe von 9,9 Milliarden Euro. Davon ausgehend, dass die Flotte circa sechs Jahre alt ist, sind das immer noch 1,65 Milliarden im Jahr. Bei 105 Millionen Passagieren pro Jahr macht das 15,71 Euro pro Fluggast und Ticket.

Der letzte Posten ist der Sprit, denn auch der muss gezahlt werden. Eine Boeing 737-800 verbraucht von Köln nach Mailand/Bergamo etwa sechs Tonnen Kerosin. Momentan liegt der Preis pro Tonne Kerosin bei circa 255 Euro. Verbrauchen wir sechs Tonnen, sind wir demnach bei 1.530 Euro. Bei 190 Passagieren macht das 8,05 Euro pro Person.

Fazit

Unser Ticket von Köln nach Mailand/Bergamo kostet knapp 80 Euro. Davon kassiert der Flughafen gut 16 Euro, die Deutsche Flugsicherung knapp 3 Euro, der Anteil am Flugzeug selbst beträgt etwa 15 Euro, Kerosin schlägt mit 8 Euro zu Buche. Macht eine Gesamtsumme von 42 Euro. Bleiben der Fluggesellschaft laut unserer Rechnung 38 Euro.