Die Abrechnung - Kredite

Kreditvertrag und Geldscheine

Die Abrechnung - Kredite

Von Michael Treis

Autokauf oder neue Möbel: Jeder zweite Deutsche hat einen Kredit. Viele übernehmen sich dabei, haben teure Kredite oder Dispo-Schulden. Wir geben Tipps, wie man wieder raus kommt aus der Schuldenfalle.

Autokauf, Finanzierung des Eigenheims oder neue Möbel: Jeder zweite Deutsche hat einen Kredit. Gleichzeitig können immer mehr Bundesbürger ihre Rechnung oder Kreditraten nicht mehr bezahlen. Viele WDR 2-Hörer haben uns von ihren Problemen und Sorgen rund um Schulden und Kredite berichtet. Schuldnerberater Werner Herminghaus von der AWO Hagen gibt Tipps und Antworten.

Die Abrechnung - Kredite Teil 1

WDR 2 Quintessenz | 12.01.2017 | 03:14 Min.

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Die Abrechnung - Kredite Teil 2

WDR 2 Quintessenz | 12.01.2017 | 03:41 Min.

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Raus aus dem Dispo

Viele Bankkunden verfügen über einen Dispokredit und nutzen ihn auch regelmäßig. Dabei sollte er eigentlich nur als unproblematischer Übergangskredit dienen – wenn beispielsweise die Waschmaschine kaputt geht und auf die Schnelle ersetzt werden muss. Problematisch: der Dispo ist mit Abstand die teuerste Kreditform. Die Zinsen liegen immer deutlich höher als bei jedem anderen Konsumkredit. Je nach Bank mindestens 10 Prozent – teilweise bis zu 17 Prozent pro Jahr. Seit 2016 sind die Banken eigentlich per Gesetz verpflichtet, alle Kunden zu kontaktieren, die ihre Dispokredit regelmäßig stark beanspruchen. Dadurch sollen sie über andere, günstigere Kreditalternativen informiert werden. Bei gravierenden Problemen sollte den Kunden sogar eine Schuldnerberatung empfohlen werden, so das Gesetz. Die Praxis sieht allerdings anders aus, beobachtet Schuldner- und Insolvenzberater Werner Herminghaus bei der AWO Hagen: "Das passiert viel zu selten. Oft kommen Banken dieser Auflage nach, indem sie einen kleinen Hinweis auf dem Kontoauszug platzieren." Aufklärung und Information der Kunden sieht anders aus. "Wenn der Kunde sich daraufhin nicht meldet, bleibt alles beim Alten."

Kunden sollten darauf bestehen, die Schulden in einen Kredit umzuleiten, der deutlich besser verzinst wird. Wer nicht das erstbeste Angebot annimmt und die Konditionen mit denen anderer Banken vergleicht, ist auf einem guten Weg, der Dispo-Falle zu entkommen.

Wenn die Bank sich querstellt

Auch bei Bankgeschäften sind viele Deutsche konservativ. Ein Großteil gibt ihrem Kreditinstitut eine Art Treuebonus und bleibt am liebsten lebenslänglich Kunde. Dabei spielt womöglich der Gedanke eine Rolle, nur dann besonders gute Angebote zu bekommen. Schuldnerberater Herminghaus sieht es anders. „Genau dann macht sich die Bank keine Mühe und somit keine guten Angebote.“ Heißt für Verhandlungen: Druck aufbauen. Wer seine Bank mit günstigen Wechselangeboten und Prämien der Mitbewerber konfrontiert, kann eventuell bessere Konditionen herausschlagen. Auch beim Thema Kredite sollte man nicht zu kleinlaut sein. Mit der Bank sprechen und über eine mögliche Umschuldung zu einer anderen Bank erwähnen – das kann helfen, die Kreditsituation zu verbessern. "Ich sollte aber auch nicht davor scheuen, das Privatinsolvenzverfahren als Druckmittel zu verwenden. Nach dem Motto: bitte liebe Bank, setzt die monatliche Rate herunter oder ich sehe mich gezwungen Insolvenz anzumelden und dann habt ihr auch nichts davon". meint Herminghaus.

Sofort-Kredite selten sinnvoll

"Kunden, die von ihrer Hausbank keinen weiteren Kredit bekommen, neigen dazu, sich auf Sofortkredite einzulassen", so der Schuldnerberater. Natürlich ist jeder Kredit mit Vorsicht zu genießen – vor allem aber solche, die schnell gewährt werden. Oft macht sich die Bank nicht die Mühe, den Kunden oder seine finanzielle Situation zu durchleuchten. Wer am oberen Level seiner finanziellen Tragkraft angekommen ist, der verschärft die Situation durch schnelle Konsumkredite zusätzlich. "Auch hier handelt es sich um weiteres Geld plus hohe Zinsen, die ich irgendwann zurückzahlen muss", sagt Schuldnerberater Herminghaus von der AWO in Hagen.

Umschulden – aber richtig

Wenn die Bank anbietet, mehrere kleine Kredite in einen großen Gesamtkredit zusammenzufassen, dann ist das prinzipiell nicht schlecht. "Die neue Rate für das Gesamtpaket sollte aber auf jeden Fall niedriger sein als die Summe der Raten, die ich vorher gezahlt habe", so Kreditexperte Herminghaus. Gleichzeitig sollte aber auch darauf geachtet werden, welche Summe insgesamt an die Bank gezahlt wird. Also auch die Laufzeit des Kredits spielt ebenso eine große Rolle. "Und ich sollte auf den Zins schielen. Gibt es vielleicht nicht eine andere Bank, die einen Prozentpunkt günstiger ist?", fragt der Schuldnerberater.

Fragen kostet nix

Die Nachfrage bei Verwandten oder Freunden kann eine echte Alternative zum Bankkredit sein, da hier oft Geld ohne Zinsen geliehen werden kann. Eine andere Möglichkeit ist das Einsparpotential im Alltag. Der Wechsel des Stromanbieters, das Führen eines Haushaltsbuches oder die Optimierung von Versicherungen kann monatlich Geld einsparen, das den neuen Kredit langfristig gesehen womöglich überflüssig macht. Gut, dass "die Abrechnung" neben Krediten noch weitere Schwerpunkte zum Geld sparen setzt…

Stand: 12.01.2017, 00:00