Verwirrung bei Ökosiegeln auf Schulheften

Verwirrung bei Ökosiegeln auf Schulheften

Von Rebecca Hofmann

Mehr als 200 Millionen Schulhefte werden jedes Jahr verbraucht. Ganz schön viel Papier. Wer als Kunde zu nachhaltigen Produkten greifen möchte, hat es aber gar nicht so leicht und verliert sich leicht im Ökosiegel-Dschungel.

Ökologisch oder nicht?

Knapp 250 Kilogramm Papier verbrauchen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr. Einen großen Anteil machen Schulmaterialien wie Hefte, Zeichenblöcke oder Ordner aus Pappe aus. Um Wald und Klima zu schonen, empfehlen Verbraucherschützer Papier aus nachhaltigen Quellen zu benutzen. Aber das ist selbst bei bestem Willen gar nicht so einfach. Denn erst einmal muss man das nachhaltig produzierte Papier schließlich erkennen. Dabei sollen kleine Ökosiegel helfen, die einzeln oder gepaart auf den Papierverpackungen prangen.

Das Problem: Es gibt ein richtiges Überangebot an Siegeln und Kennzeichen. Rund 15 Stück listet die Verbraucherzentrale in ihrem Informationspapier auf und gibt gleichzeitig zu, dass das wahrscheinlich nicht alle sind. Denn ständig kommen neue hinzu. Papierlabel sind ein Verkaufsargument für umsichtige Verbraucher. Das haben auch die Hersteller erkannt. Seitdem ziert das hauseigene Papier oft auch das hauseigene Ökosiegel.

Das Bild zeigt das Siegel Aqua pro natura - Weltpark Tropenwald

Das Siegel "Aqua pro natura - Weltpark Tropenwald" kann schnell in die Irre führen.

Mit Vorsicht zu genießen: Herstellersiegel 

Ein Beispiel: „Aqua pro natura – Weltpark Tropenwald“. Die Vereinigung Deutscher Hersteller für umweltschonende Lernmittel e.V. ist ein Herstellerverbund. Das Siegel wirbt damit, kein Holz aus tropischen Regenwäldern zu verwenden, das durch Raubbau geschlagen wurde. Doch es führt in die Irre. Denn das Holz für die deutsche Papierproduktion stammt nicht aus den Tropen, sondern aus schwedischen, finnischen, kanadischen und russischen Wäldern. Die Urwälder dort sind durch das Siegel nicht geschützt – Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Holzfrei heißt nicht frei von Holz

Kein Siegel, aber ebenfalls eine richtige Verbraucherverwirrung ist der Aufdruck „holzfrei“ auf Papierprodukten. „Holzfrei“ meint in Wirklichkeit holzstofffrei, also frei von vergilbenden Holzbestandteilen. Für die Herstellung des Papiers wird also nicht etwa kein neues Holz verwendet, wie viele Verbraucher irrtümlich annehmen, sondern ausschließlich Zellstoff aus neugeschlagenen Bäumen.

Das Bild zeigt das Siegel Blauer Engel.

Recyclingprodukte mit dem Siegel Blauer Engel bestehen aus 100 Prozent Altpapieranteil.

Mit Recyclingpapier auf der richtigen Seite

Worauf sollten umweltbewusste Verbraucher also achten? Die Verbraucherzentrale empfiehlt die Verwendung von Recyclingprodukten mit 100 Prozent Altpapieranteil. Sie schonen Ressourcen und Klima am besten. Erkennbar sind sie am Siegel Blauer Engel. Das Siegel wird vom Bundesumweltministerium nach transparenten Kriterien und nur für einen bestimmten Zeitraum vergeben. Es garantiert darüber hinaus auch strenge Grenzwerte für Chemikalien.

Auch empfehlenswert: das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council, einer gemeinnützigen Nicht-Regierungsorganisation. Hier muss man aber aufpassen, denn das Siegel gibt es in verschiedenen Ausführungen. Nur mit dem 100-Prozent-Recyclingmaterial-Zeichen gehen Verbraucher hier auch zu 100 Prozent sicher.

Die Zeiten vom gräulichen Ökopapier sind übrigens schon lange vorbei. Recyclingpapier ist heute nahezu genauso weiß, wie Papier aus neu geschlagenen Bäumen.

Stand: 29.08.2017, 11:22