Waldbrände - was Urlauber wissen müssen

Waldbrand direkt am von Touristen besuchten Strand

Waldbrände - was Urlauber wissen müssen

Schwere Waldbrände wüten in Kroatien, Frankreich und Griechenland, vielleicht gerade dort, wo man seine Ferien verbringen wollte. Und was, wenn man bereits dort ist? Was Urlauber wissen müssen und wann ein Urlaub storniert werden kann.

1. Kostenlose Stornierung bei höherer Gewalt

Höhere Gewalt ist hier das Stichwort: Höhere Gewalt liegt vor, wenn nach der Buchung etwas Unvorhersehbares die Reise gefährlich macht oder erheblich beeinträchtigt. Die Palette der denkbaren Ereignisse ist lang, dazu gehören Seuchen, kriegsähnliche Zustände, politische Unruhen, massive Terroranschläge, Streiks oder eben auch Naturkatastrophen wie Waldbrände. Bei solchen Katastrophen muss tatsächlich das Ziel der Reise, also etwa Hotel oder Infrastruktur vor Ort betroffen sein, sodass der Veranstalter seine Leistungen nicht erbringen kann. Das gilt zum Beispiel, wenn bei einer gebuchten Flugreise etwa Flughafen oder Luftraum gesperrt sind oder das Hotel nicht zugänglich ist. Regeln oder Gesetze, die festlegen, wie nah ein Feuer oder Sturm dem Urlaubsort sein darf, gibt es jedoch nicht.

2. Macht es einen Unterschied, ob ich Pauschal- oder Individualtourist bin?

Ja, macht es: Nur wenn eine Reise pauschal gebucht wurde, kann sie bei höherer Gewalt auch kostenlos storniert werden. Das Risiko bei selbst organisierten Reisen trägt der Urlauber. Aber: Wenn eine Zugreise oder ein Flug nicht stattfindet, die Leistung also nicht erbracht werden kann, weil etwa Bahnhof oder Flughafen gesperrt sind, hat der Reisende einen Erstattungsanspruch. Stornokosten darf es dann nicht geben.

3. Wer legt fest, ob es sich um höhere Gewalt handelt?

Gerichte ziehen bei der Beurteilung oft die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts heran. Doch Achtung: Es gibt verschiedene Stufen. So ist es ein Unterschied, ob das Auswärtige Amt dringend von Reisen in eine Region abrät oder lediglich zu erhöhter Vorsicht rät. Und: Falls man sich trotz Reisewarnung oder Sicherheitshinweis für eine Buchung entscheidet, ist eine kostenfreie Kündigung in der Regel nicht mehr möglich. Dann kommt es auf die Kulanz des Veranstalters an.

Dementsprechend verhalten sich auch die großen Reiseveranstalter. Urlauber, die vor Antritt ihrer Reise von einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für ihr Urlaubsland überrascht werden, können bei den großen Anbietern wie Thomas Cook, Neckermann oder TUI kostenlos umbuchen oder kostenlos stornieren.

4. Was ist, wenn ich schon im Urlaub bin?

Wer bereits vor Ort ist, wenn die offizielle Reisewarnung ausgesprochen wird oder der Reiseveranstalter wegen höherer Gewalt die Reise abbricht, wird von ihm in Sicherheit gebracht. Der Urlauber kann dann seine Kosten vom Veranstalter zurückverlangen. "Wenn durch den Rücktransport allerdings Mehrkosten entstehen, zahlen Veranstalter und Reisender diese jeweils zur Hälfte", erklärt Rechtsanwalt Rüdiger Wittkop. Einen Entschädigungsanspruch wegen entgangener Urlaubsfreuden gebe es nicht.

5. Keine höhere Gewalt, ich will dennoch nicht mehr fahren ...

Dann greift doch die Reiserücktrittsversicherung, oder? Nein, für solche Fälle ist diese Versicherung nicht gedacht. Die Reiserücktrittsversicherung gilt für einen persönlich betreffende Ereignisse wie Krankheit, Unfall, Schwangerschaft, Einbruch in die Wohnung oder Tod eines nahen Angehörigen. Wer partout nicht mehr reisen will, kann natürlich von seinem Recht auf Rücktritt Gebrauch machen. Allerdings kann der Veranstalter Stornogebühren verlangen.

Stand: 19.07.2017, 06:00