Regenschirme - billig und schrottreif

Regenschirme - billig und schrottreif

Von Maria Kümpel

26 Millionen Regenschirme werden in Deutschland jährlich gekauft. Durchschnittspreis: unter 5 Euro. Fast jeder dritte Schirm landet spätestens nach einem Jahr im Müll.

Sie sind überall zu haben, an der Supermarktkasse, im Modeladen, in der Drogerie, um Möbelhaus. Doch so billig sind Regenschirme anscheinend nur zu haben, weil Firmen am Material und an der Verarbeitung sparen. Der Regenschirm wird zunahmend zum Wegwerfprodukt. Im unteren Preissegment ist er, unabhängig von der Marke, fast ausschließlich „made in China“.

Typische Schwachstellen

1. Die Speichen: Sie gehen in vielen Fällen als erste kaputt. Die sind meistens aus Plastik, was schnell spröde wird und bricht. Besser, aber auch teurer, sind Speichen aus Fiberglas oder Karbonfasern.

2. Die Automatik: Praktische Mechanismen lassen den Schirm zum Beispiel auf Knopfdruck aufspringen. Solcher technischer Schnickschnack ist effektvoll, aber schlecht für die Lebensdauer des Schirms. Ganz einfache Schirme halten länger.

3. Der Teleskopstab: Taschenschirme mit Teleskopstab gehen viel schneller kaputt als Stockschirme. Allein schon weil der Stock zwei Bruchstellen haben muss.

Aufspannmechanismen sind zwar praktisch, aber auch schlecht für die Lebensdauer des Schirms.

Aufspannmechanismen sind zwar praktisch, aber auch schlecht für die Lebensdauer des Schirms.

Wie sieht er aus - der perfekte Regenschirm?
Die Marke oder der Preis, sagen leider nichts über die Qualität aus, erklärt Willy Schüffler, einer der letzten Schirmmacher Deutschlands. Sein Rat ist, zu traditionellen Modellen greifen. „Stocksteif“ ist hier ein Qualitätsmerkmal.

Der Stoff sollte nicht aus Nylon sein, sondern aus reißfester hochwertiger Baumwolle. Genäht werden Qualitätsschirme mit der so genannten Rollnaht. Der Stoff wird einmal umgeschlagen und dann genäht. Das ist besonders reiß- und wasserfest.

Auch die Anzahl der Speichen ist ein Qualitätsmerkmal. Mindestens acht sollten es sein. Noch robuster seien jedoch Schirme mit zehn Speichen, meint Willy Schüffler.

Dass solche Schirme robuster sind, sieht man auch in der Reparaturwerkstatt des Essener Schirmmachers. Überall Stockschirme – kaum Taschenschirme. Obwohl Schirmmachermeister Walter Wagner wohl jeden Schirm für kleines Geld wieder reparieren könnte. 6,90 Euro berechnet er für die Reparatur einer kaputte Speiche.

Der Schirm der Zukunft
Ob traditionelle Schirme oder Industrieware: Bald dürften Schirme Konkurrenz bekommen. Chinesische Studenten hatten nämlich eine ganz verrückte Idee: Sie entwarfen einen Schirm, der ohne Speichen und ohne Dach auskommt. Stattdessen sollte ein starker Luftstrahl die Regentropfen wegpusten. Noch ist das ein Kickstarter-Projekt. Bis der Prototyp Serienreife erlangt hat, müssen wir mit den herkömmlichen Modellen auskommen.

Stand: 13.09.2017, 12:04