Streitschlichtung bei Reise-Ärger

Das Bild zeigt den Websiteuaftritt der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (söp).

Streitschlichtung bei Reise-Ärger

Von Johannes Zuber

Zug verspätet, Flieger überbucht, Koffer verschollen: Bei Ärger auf Reisen sind Reiseveranstalter und Transportunternehmen die ersten Ansprechpartner. Wenn man da nicht weiterkommt, hilft eine Schlichtungsstelle.

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr ist eine Form der außergerichtlichen Streitbelegung für Ärger im öffentlichen Personenverkehr (Flug, Bahn, Bus, Schiff), bei der Bahn im Fernverkehr (für den Nahverkehr in NRW gibt es eine eigene Schlichtungsstelle). Sie ist von der Bundesregierung und der EU offiziell anerkannt. Die Schlichtungsstelle kümmert sich nicht um Reisemängel bei Pauschalreisen.

Für Reisende ist das Verfahren kostenlos, sie zahlen nur das Porto, um ihre Unterlagen an die SÖP zu schicken oder für Kopien. Finanziert wird die Schlichtungsstelle durch Mitgliedsgebühren der Transportunternehmen.

Streitschlichtung bei Reise-Ärger

WDR 2 Quintessenz - Tipps und Trends | 14.07.2016 | 02:53 Min.

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Bilanz 2016

Im ersten Halbjahr 2016 haben sich mehr als 5000 Reisende bei der Schlichtungsstelle beschwert. Rund drei Viertel der Anträge betrafen Flugreisen, ein Fünftel Bahnfahrten und der Rest Schiffsreisen und Fernbusse.

Die SÖP kümmert sich erst seit Ende 2013 um Probleme mit Fluggesellschaften. Zwar gibt es die Schlichtungsstelle seit knapp sieben Jahren, aber anfangs waren die Fluggesellschaften skeptisch. Sie wollten sich keiner Schlichtungsstelle unterwerfen, sondern ihre Fälle lieber selber klären.

Aber die Probleme wurden immer mehr und komplexer. Und alle Fälle über Gerichte zu klären ist langwierig, teuer und schädigt den Ruf. Also haben sich inzwischen 42 Fluggesellschaften (darunter auch Lufthansa, Air Berlin) bereiterklärt, bei der Schlichtung mitzumachen. Nach Angeben der SÖP konnten auch 90 Prozent der Fälle mit einem Schlichterspruch gelöst werden.

So funktioniert’s

Ist zum Beispiel der Flug verspätet und die Fluggesellschaften weigert sich die Entschädigung nach der gültigen EU-Verordnung zu zahlen, dann kann man sich an die SÖP wenden. 17 Juristen kümmern sich dort um die Fälle und versuchen, einen Kompromiss zu finden und dann einen Schiedsspruch zu erarbeiten. Wenn beide Seiten einverstanden sind, dann ist der Spruch gültig - ähnlich wie ein geschlossener Vertrag.

Wichtig ist, dass man sich bei Ärger mit Bus, Bahn oder Flug erst an die Verkehrsgesellschaft wenden muss, erst wenn man dort nicht weiter kommt, die Forderung nicht zufriedenstellend beantwortet wurde, dann kann man sich im zweiten Schritt an die SÖP wenden.

Stand: 14.07.2016, 09:05