Off-Price-Läden: Mode-Schnäppchen in der Innenstadt

Off-Price-Läden: Mode-Schnäppchen in der Innenstadt

Von Maike Busse

Als in den 90ern die ersten Mode-Outlets in Deutschland starteten, entstand ein Schnäppchen-Boom. Jetzt schwappt der nächste Verkaufstrend aus Amerika zu uns. Off-Price-Läden bringen billige Markenmode mitten in die Innenstadt.

Täglich wechselndes Angebot

Viele reduzierte Marken in einem Geschäft, und das in "A-Lage" mitten in der Fußgängerzone – das ist das Off-Price Konzept. Dadurch, dass nur Restbestände verkauft werden, wechselt das Sortiment im Off-Price-Geschäft täglich. Was heute noch verfügbar ist, kann morgen Tag ausverkauft sein. Ob man viel Designerware entdeckt oder eher unbekannte Marken, ist also Glückssache.

Personen laufen auf einer Einkaufsstraße vor dem Outlet Roermond

Näher als jedes Outlet-Center

Der Unterschied zum Outletcenter ist zum einen die Nähe. Offprice-Läden entstehen nicht in Industriegebieten am Rande der Stadt, sondern da, wo es viel Laufkundschaft geht, die man mit Rabattversprechen ködern kann. Außerdem hat im Outlet-Centern jede Marke ihren eigenen Laden. Im Off-Price-Laden hängen die Marken bunt gemischt nebeneinander.

Beispiel: TK Maxx

In den letzten Jahren wurde eine knallrote Filiale TK Maxx-Filiale nach der anderen in Deutschland eröffnet. Mittlerweile sind es mehr als 100, davon allein 28 in Nordrhein-Westfalen. Weitere Eröffnungen sind in Planung. Dahinter steckt das kanadischen Unternehmen TJX. Ein Symbol für den Boom: das riesige Logistikzentrum in Bergheim. 48.000 Quadratmeter, 1.000 Mitarbeiter.  

Beispiel: Saks OFF 5th

Auch andere Unternehmen wollen auf den Off-Price Zug aufspringen. Gerade wird das Düsseldorfer Carschhaus an der Heinrich-Heine-Allee zum Schnäppchenparadies umgebaut. Aus dem traditionsreichen Kaufhaus soll ein Nobel-Offprice-Laden werden. Auf 3.500 qm und 5 Etagen entsteht die erste Filiale von "Saks Off 5th" in Europa. In Amerika steht der Name für Schnäppchen vom Luxus-Designer. Hier gibt es Kleider, die von 1800 auf 800 Euro heruntergesetzt sind, aber auch das etwas günstiger Segment ist vertreten: zum Beispiel Jeans für 60 statt 160 Euro. Wenn die Umstellung auf Off-Price ein Erfolg ist, will der kanadische Kaufhof-Investor Hudson´s Bay Company bis zu 40 weitere Standorte in Deutschland eröffnen. Weltweit gibt es bisher schon klapp 120 Filialen.

Quelle für Off-Price-Kleidung: Überschuss-Ware

Bei so vielen Neueröffnungen stellt sich die Frage, wo so viel reduzierte Ware eigentlich herkommt? In der Regel handelt es sich um Überschussware, die in normalen Läden nicht verkauft werden konnte. Der deutsche und der internationale Modemarkt werden seit Jahren von Überproduktionen überschwemmt. Es ist ein lukrativer Zweitmarkt entstanden, auf dem die Reste gehandelt werden.

Die Gründe für die Modeschwemme erläutert Andreas Meyer, Inhaber des Textilgroßhandels Captiva in Neuss. Er verkauft an Off-Price-Läden zum Beispiel Ware, die liegenbleibt, weil der Sommer zu kühl oder der Winter zu warm war: „Man kann noch so viel Planungen oder Statistiken bemühen, wenn das Wetter nicht mitspielt, dann bleibt einfach Ware übrig.

Auch aus politisch instabilen Ländern kommt viel überschüssige Kleidung: „In Griechenland hatten wir vor zwei Jahren die Situation, dass das ganze Volk durch die politische Lage verunsichert wurde, sprich der Konsument hat auch nicht viel Geld ausgegeben für Mode. Somit ist so ein Markt erst einmal platt. Und ein Mode-Unternehmen, das weltweit operiert, ist dann bemüht, die Ware aus dem Land wieder abzuziehen und anders zu vermarkten.

Auch Kleidung aus Insolvenzen und B-Ware mit kleinen Fehlern landet bei bei den Zweitverwertern. Die B-Ware wird zum Teil ausgebessert und weiterverkauft. An Nachschub wird es den Off-Price-Läden also nicht mangeln. Allein Captiva kauft und verkauft rund 3,5 Millionen Kleidungsstücke pro Jahr.

Stand: 15.03.2017, 13:10