Die eigene Ernte auf Balkon und im Garten

Die eigene Ernte auf Balkon und im Garten

Von Anja Koenzen

Obst, Gemüse und Kräuter selbst anzubauen liegt im Trend. Die gute Nachricht: Für den Eigenanbau ist es nie zu spät! Sogar im Herbst kann man damit loslegen – und zwar auch auf Balkon und Terrasse.

Grünzeug – mitten im Winter

Im Herbst aussäen und im Winter schon ernten kann man Rucola, Winterportulak, Feldsalat und vor allem Spinat. Spinat ist für die späte Aussaat einfach ideal, da er am besten wächst, wenn die Jahreszeit kurze Tage und lange Nächte bietet. Außerdem lockert der Spinat mit seinen langen, steil in die Erde gerichteten Wurzeln den Boden bis weit in die Erde hinein wunderbar auf, in einem solchen Boden wachsen auch andere Gemüsesorten dann später gerne.

Spinat-Aussaat

Für die Aussaat im Herbst eignen sich zum Beispiel die Sorten  "Gamma" (dunklen Blättern, späte Blüte), "Matador" (alte Sorte auch für Überwinterung geeignet, späte Blüte und große runde Blätter, robust, schnellwüchsig), "Monnopa" (winterharte Sorte mit runden, dunkelgrünen Blättern), "Napoli F1" (wächst schnell und gilt als sehr ertragreich und sehr zart, mehltauresistent).

Spinat wird direkt ins Freiland ausgesät. Sie können ruhig übrig gebliebenen Samen aus dem letzten Jahr verwenden. Das Gemüse bleibt drei bis vier Jahre keimfähig. Ein sonniger bis halbschattiger Standort, mit einem nährstoffreichen Humus-Boden mit pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5 ist ideal. Vor der Aussaat mit einer kräftigen Kompostgabe vorbereiten. Dabei den Boden gleich ein wenig auflockern, damit der tief wurzelnde Spinat leichter in tiefere Bodenschichten vordringen kann. Den Boden gut durchfeuchten.

Die Samenkörner mit ein bis drei Zentimeter Erde bedecken. Drücken Sie die Erde leicht an, so bekommt der Samen den nötigen Bodenkontakt, den er zum Keimen braucht. Ein guter Reihenabstand beträgt circa 20 Zentimeter, die Spinatpflanzen können recht dicht nebeneinander gesät werden.

Wenn Sie sehr früh oder sehr spät im Jahr Spinat säen, ist es ratsam, ihn mit einer Folie abzudecken, bis es wieder wärmer ist. Sonst erziehen Sie Ihre Pflanzen quasi zum Schießen, weil junge oder gerade neu austreibende Pflanzen gerne meinen, "Wachstum gutmachen zu müssen", wenn sie zu kalte Temperaturen aushalten mussten.

Spinatbeet

Spinat wird direkt ins Freiland ausgesät.

Pflege der jungen Spinatpflanzen

Spinat mag es immer ein wenig feucht – aber keine Staunässe. Wenn es dem Spinat zu trocken wird, versucht er, das Überleben der nächsten Generation über die Versamnung zu retten und beginnt daher, schnell zu blühen. Mit Einsetzen der Blüte hat Spinat den höchsten Nitratgehalt und sollte nicht mehr verzehrt werden.
Wenn Sie den Boden mit Kompost vorbereitet haben, benötigt der Spinat nicht mehr viel Dünger. Höchstens noch etwas Kompost, wenn die Jungpflanzen schon recht kräftig sind, aber noch mindestens ein Monat Zeit bis zur Ernte ist.
Kunstdünger – also mineralischer Dünger – sollte bei Spinat nicht verwendet werden, denn dieser kann den Nitratgehalt und Oxalsäuregehalt des Spinats weiter erhöhen.
Verpassen Sie nicht die Chance, einen in Sachen Nitrat- und Oxalsäuregehalt höchst unbelasteten Spinat heranzuziehen.

Spinat ernten

Ungefähr acht Wochen nach der Aussaat kann der erste Spinat geerntet werden.
Schneiden Sie einzelne Blätter rund um das Herz gleich über dem Boden ab. Aus dem Inneren entwickeln sich laufend neue Blätter und ein ständiger Beschnitt fördert das weitere Wachstum. Spinat sollten Sie am besten immer erst abends ernten, denn dann hat er den niedrigsten Nitratgehalt.

Spinat selbst vermehren

Alle Kultursorten des Spinats sind einjährige Gemüsepflanzen. Wenn Sie jedoch Spinatsorten ausgesät haben, die bei Ihnen im Garten überwintern, können Sie ein paar Pflanzen dieses Spinats im Frühling blühen lassen und sich aus diesen Pflanzen später das Saatgut für den nächsten Spinat entnehmen.

Mischkultur – gute Nachbarn

Spinat kann mit allen Gemüsen kombiniert werden – sogar mit anderen Starkzehrern – nur nicht mit seinen nahen Verwandten kombinieren, die wie er zu den Fuchsschwanzgewächsen gehören. Das sind zum Beispiel Mangold, Roten Bete, Zuckerrüben und Futterrüben. Das bedeutet zugleich, dass der Spinat auch nicht der geeignete Nachfolger für einen Standort ist, an dem andere Fuchsschwanzgewächsen oder auch er selbst wuchsen, zwischen dem Anbau weiterer Fuchsschwanzgewächse sollte dieses Beet zweit bis drei Jahre Pause bekommen.

Ein Platz an der Sonne für Obst und Gemüse

Gemüse, Salate und Obst lieben Sonne, daher einen sonnigen Platz im Garten/Vorgarten suchen. Wer Bedenken hat, ob die Erde für den Anbau von Nutzpflanzen geeignet ist, kann eine Bodenprobe nehmen und diese bei der Landwirtschaftskammer zur Untersuchung einschicken. Falls der Boden versiegelt ist oder mit Schwermetallen belastet, bietet ein Hochbeet die Möglichkeit, dennoch Salate, Gemüse oder Obst anzubauen.

Rhabarber im Miniformat

Rhabarber ist eine Gemüsestaude, die viele Jahre alt werden kann, aber auch viel Platz benötigt. Daher kommt sie für Balkongärtner meist nicht in Frage. Doch dieses Jahr gibt es eine Neuheit: den Lilibarber, ein Rhabarber, der nur 20 Zentimeter hoch wird. Seine Stengel müssen nicht geschält werden, und sogar die Blätter können mitgegessen werden. Geerntet werden kann er von Frühjahr bis in den Oktober hinein. Er liebt einen sonnigen bis halbschattigen Platz und wie alle Rhabarber ausreichend Feuchtigkeit.

Rhababerbeet

Die Rhabarber-Sorte Lilibarber eignet sich durch ihre geringe Höhe ideal für den Balkon.

Pflanzzeit für Obstbäume

Der Herbst ist die perfekte Zeit zum Pflanzen von Obstgehölzen. Ab Oktober bis in den März hinein gibt es die Gehölze in den Baumschulen auch als wurzelnackte Ware zu kaufen. Das bedeutet, dass sie ohne Erde an den Wurzeln und ohne Blätter an den Zweigen gepflanzt werden. Diese Bäume sind zum einen deutlich preiswerter als Gehölze im Topf und zum anderen auch leichter zu pflanzen. Wichtig ist, dass man die Wurzeln vor dem Einpflanzen mehrere Stunden wässert und unmittelbar vor der Pflanzung leicht einkürzt. Dadurch wird der Baum angeregt, mehr feine Faserwurzeln zu bilden.

Auch für Balkon und Terrasse gibt es immer mehr Obstbäume, die auf besonderen, schwach wachsenden Unterlagen veredelt wurden und daher gut im Topf gehalten werden können. Sowohl Zwergobst/Miniobst als auch Säulenbäume und schwach wachsende Spindelbüsche kommen hier in Frage.

Obstgehölzen

Obstgehölzen vor dem Einpflanzen gut wässern und die Wurzeln etwas zurückschneiden.

Obst-Tipp Quitten

Quitten sind eine alte wertvolle, inzwischen jedoch oft kaum noch bekannte Obstart. Der Quittenabau lohnt sich, denn die Bäume sind gegen die meisten Krankheiten und Schädlinge gut widerstandsfähig und sie verlängern den Erntezeitraum. Quitten sind meist erst im Oktober reif. Roh lassen sie sich nicht gut genießen, aber ihr unvergleichliches Aroma ist für die Saft und Gelee-Herstellung optimal. Die Quittenkerne helfen bei Halsschmerzen. Nicht wegwerfen, sondern trocknen und bei Bedarf lutschen.

Stand: 20.09.2017, 14:00