Von schön bis schauerlich: Was man mit Haaren alles machen kann

Von schön bis schauerlich: Was man mit Haaren alles machen kann

Von Anna Beerlink

In Düsseldorf beginnt heute die Friseur-Messe "Top Hair International". Das nehmen wir zum Anlass für einen Blick in die Geschichtsbücher der Frisierkunst: eine - sehr subjektive - Auswahl der sehenswertesten Haar-Trends der letzten Jahrzehnte in Bildern.

Marilyn Monroe, ca. 1950

In den 50ern war die Damenmode vom "New Look" geprägt, die den Frauen nach den von Krieg und Militär geprägten 30er- und 40er-Jahren eine sehr viel weiblichere Silhouette verpasste. Zu den Kurven am Körper passten Frisuren, wie Schauspielerin Marilyn Monroe sie trug: kurz oder schulterlang, gewellt oder leicht gelockt, voluminös und gerne mit sorgfältig in Form gelegtem Pony. Viele Frauen nahmen sich auch in Sachen Farbe ein Beispiel an der Monroe - und bleichten ihre Haare wasserstoffblond.

In den 50ern war die Damenmode vom "New Look" geprägt, die den Frauen nach den von Krieg und Militär geprägten 30er- und 40er-Jahren eine sehr viel weiblichere Silhouette verpasste. Zu den Kurven am Körper passten Frisuren, wie Schauspielerin Marilyn Monroe sie trug: kurz oder schulterlang, gewellt oder leicht gelockt, voluminös und gerne mit sorgfältig in Form gelegtem Pony. Viele Frauen nahmen sich auch in Sachen Farbe ein Beispiel an der Monroe - und bleichten ihre Haare wasserstoffblond.

Bei den Männern war bis in die 50er-Jahre oft der "Fassonschnitt" die Regel: kurz, praktisch und ziemlich einheitlich. Dann aber mischte ein Sänger aus Mississippi nicht nur die Musikszene, sondern auch die Haarmode auf: Millionen junger Männer züchteten sich plötzlich eine Schmalztolle à la Elvis Presley. Das gute Stück ließ sich in der Regel natürlich nur mit reichlich Pomade in Form bringen.

Wer sich in den 50ern angesichts wachsender Stirnlocken schon über den Verfall der Sitten beschwert hatte, konnte in den 60ern nur noch staunen: Nicht nur die Beatles mit ihren Pilzköpfen, sondern vor allem die Rolling Stones bewiesen, dass auch Männer Haare tragen können, die weit über die Ohren reichen. Und das galt längst nicht nur für Rockstars: Auf vielen Männerköpfen wurden die Haare parallel zum Erstarken der Hippie-Bewegung immer länger.

Ein gutes Beispiel für die Damen-Haarmode der 60er ist die französische Schauspielerin Brigitte Bardot: Sie trug ihre blonden Haare mal als kunstvoll aufgesteckte "Sauerkraut"-Frisur, mal als "Bienenkorb" oder ganz offen - Hauptsache, die Mähne war toupiert und möglichst voluminös. Nachhelfen war in dieser Zeit durchaus erlaubt: Perücken waren unter modebewussten Damen in den 60ern weitverbreitet.

Die weibliche Haarmode der 70er stand weitestgehend unter dem Motto: "Walle, walle". Ein großes Vorbild in Sachen Haarpracht war US-Schauspielerin Farrah Fawcett, die unter anderem in der Serie "Drei Engel für Charlie" mit perfekter Föhnwelle beeindruckte, die viele Zuschauerinnen vor Neid erblassen ließ.

Auf diesem Bild von 1974 sind gleich zwei Ikonen der 70er-Jahre-Männerfrisur vertreten: Paul "Wollmütze" Breitner und Günter "Netzteil" Netzer. Beide bewiesen schon damals, was bis heute gilt: Viele Fußballer machen nicht nur auf dem Platz, sondern gerne auch in Styling-Angelegenheiten von sich reden. Wer mit weniger Naturkrause als Breitner gesegnet war, half in den 70ern gerne auch mit einer Dauerwelle nach - Stichwort "Minipli". Außerdem ein beliebtes Accessoire der 70er: ein möglichst monströser Schnurrbart.

Dass Haare für Diskussionen sorgen, zeigte sich auch bei Nena. Sie trug die wichtigste Frisur des Jahrzehnts: Den "Vokuhila", also vorne kurz und hinten lang. Die Matte mit Heckspoiler passte aber auch zu gut zu der - sagen wir mal - atemberaubenden Mode dieser Zeit.

Noch ein bisschen schöner, weil vorne noch ein bisschen kürzer und hinten deutlich länger: Die Matte von Tennisspieler André Agassi bei den French Open 1989. Das beweist: Der "Vokuhila" war ein Unisex-Modell.

Zwar gelten die 80er aus modischer Sicht als besonders problematisch - aber das ist nicht ganz fair, wie Bilder aus den 90ern zeigen: Das letzte Jahrzehnt des Jahrtausends war strenggenommen nicht viel besser. Was die Frisuren angeht, zeigten beispielsweise die Frauen - hier Emma Bunton, Mitglied der Spice Girls - einen Hang zum Zwirbeln: Die Haare wurden eingedreht, geflochten, zu Knubbeln, Propellern oder Zöpfen gebunden. Immerhin: Beim Abzappeln auf der Love Parade waren derart zusammengezwungene Haare wenigstens nicht im Weg.

Weitverbreitet auf den Männerköpfen der 90er: Der lässige Mittelscheitel. Hier präsentiert von Schauspieler Brad Pitt, zu dieser Zeit der Mädchenschwarm schlechthin.

Schon in den 90ern, noch stärker aber in den sogenannten "Nullerjahren" orientierten sich viele Frauen hinsichtlich Mode und Frisuren an den zu dieser Zeit überaus erfolgreichen US-Fernsehserien, wie beispielsweise "Gossip Girl" (im Bild die Hauptdarsteller) oder "Sex and the City". Gefragt war die lange, möglichst glänzende Mähne, die in eleganten Wellen über die Schultern fiel. Für die meisten dabei unverzichtbar: ein Glätteisen. Im äußersten Fall griff man aber auch zu Extensions, also angeklebtem Kunsthaar, das die angewachsenen Strähnen üppiger erscheinen lassen sollte.

Die Band Tokio Hotel ist ein Beispiel dafür, dass bei Männern in den Nullerjahren eigentlich alles erlaubt war: Vom Kurzhaarschnitt über Dreadlocks und Irokesen-Schnitt bis hin zur Mädchenmatte.

Und was ist heute angesagt auf den Köpfen stilbewusster Menschen? Da gibt es so einiges - was davon stilprägend sein wird, kann man wohl erst mit einigen Jahren Abstand sicher sagen. Bemerkenswert war in letzter Zeit beispielsweise der Trend zu "Granny Hair", für den Frauen künstlich ergrauen - zum Beispiel Youtube-Star Dagi Bee.

Bei den Männern ist seit einiger Zeit der "Undercut" beliebt, für den die seitliche Haarpartie abgesäbelt wird, während das Deckhaar lang bleibt. Hier trägt ihn David Beckham, der für sich in Anspruch nehmen kann, das Stilbewusstsein von Fußballern auf ein neues Niveau gebracht zu haben. Und genau deshalb ist der Undercut zumindest für ihn schon längst wieder passé. Bleibt die Frage, was das "neue große Ding" auf Männerköpfen sein wird - vielleicht finden sich ja einige Anregungen auf der "Top Hair International" in Düsseldorf.

Stand: 04.03.2016, 00:00 Uhr