Böse Reiseüberraschung - andere Länder, andere Knöllchen

Böse Reiseüberraschung - andere Länder, andere Knöllchen

Wer im Ausland ein Tempolimit oder ein Parkverbotsschild missachtet, bekommt sein Knöllchen unter Umständen aus Bonn. Das Bundesamt für Justiz treibt von Verkehrssündern Geld ein – stellvertretend für die Nachbarländer.

In vielen Ländern sind Ordnungswidrigkeiten teurer als in Deutschland. Wenn Sie in den Niederlanden zum Beispiel falsch geparkt haben, kostet dies mindestens 90 Euro, in Spanien werden bis zu 200 Euro fällig. Und für eine Geschwindigkeitsüberschreitung in Frankreich zahlt man bis zu 1.500 Euro.

Alle ausländischen Bußgelder über 70 Euro werden in Deutschland vom Bundesamt für Justiz vollstreckt. Bei der Bonner Behörde kamen allein 2016 rund 11.500 sogenannter Amtshilfegesuche an. Einen großen Teil davon machen Bußgelder wegen Verkehrsverstößen aus. Im ersten Schritt bekommen Verkehrssünder eine Zahlungsaufforderung, im schlimmsten Fall schickt die Behörde aber den Gerichtsvollzieher. Das Geld, das die Knöllchen einbringen, verbleibt in dem Land, in dem sie vollstreckt wurden. Daher wenden sich viele ausländischen Behörden lieber direkt an die Verkehrssünder: Auch wenn sie wissen, dass die Bußgelder so eigentlich nicht vollstreckbar sind.

Wer nochmal ins Land will, sollte aufpassen

Doch die Länder haben einen Trumpf auf ihrer Seite: Denn wer plant, noch einmal ins Land zu fahren, kann dann ernsthafte Probleme bekommen. Wer als säumiger Zahler bei einer nächsten Einreise erwischt wird, dem drohen harte Konsequenzen. Sogar Ersatzhaft kann drohen, oder das Auto kann kurzerhand beschlagnahmt werden. Viele Länder haben hier einen langen Atem: bei Ordnungswidrigkeiten beträgt die Verjährungsfrist je nach Land bis zu fünf Jahre.

In vielen Ländern gibt es zudem die Möglichkeit, die Bußgelder mit einem Rabatt zu zahlen. Dann kann man das Bußgeld um bis zu 50 Prozent senken.

Rabatt für die Knöllchen
LandRabattVoraussetzung
Türkei25 %Bei Sofortzahlung vor Ort oder Bezahlung innerhalb von 15 Tagen
Belgienetwa 10 %Annahme eines Vergleichsvorschlags der Staatsanwaltschaft und Bezahlung des Vergleichsbetrages
Frankreichje nach Verstoßkategorie 13 bis 45 EuroBezahlung des Bußgelds innerhalb von drei bis 30 Tagen bei sofortiger Aushändigung einer Zahlungsaufforderung nach Ahndung vor Ort
Großbritannien50 %Bezahlung eines Verwarnungsgelds innerhalb von 14 Tagen (nur Verstöße im ruhenden Verkehr sowie gegen City-Maut bzw. Umweltzone London)
Griechenland50 %Bezahlung des Bußgelds innerhalb von 10 Tagen ab Zustellung Bußgeldbescheid bzw. ab Ahndung vor Ort
ItalienGewährung der gesetzlichen MindestbußeBezahlung des Bußgelds innerhalb von 60 Tagen ab Zustellung Bußgeldbescheid bzw. ab Ahndung vor Ort (gilt für ab 21.8.2013 ausgestellte Bußgeldbescheide);
30 % auf gesetzliche Mindestbuße  Bezahlung des Bußgelds innerhalb von 5 Tagen ab Zustellung Bußgeldbescheid bzw. ab Ahndung vor Ort (gilt für ab 21.8.2013 ausgestellte Bußgeldbescheide); nur für Verstöße, für die kein Fahrverbot oder Kfz-Beschlagnahme vorgesehen ist.
Slowenien50 %Bei Sofortzahlung vor Ort oder Bezahlung innerhalb von 8 Tagen
Spanien50 %Bezahlung des Bußgelds innerhalb von 20 Tagen ab Zustellung Bußgeldbescheid bzw. ab Ahndung vor Ort
Quelle: ADAC, Stand 11/2015

Widerspruch kann teuer werden

Teuer werden kann es auch, wenn man nur der Halter des Autos ist und selbst nicht im Land war. Denn in vielen Ländern gilt die Halterhaftung. Betritt der Halter also wieder das Land und hat noch einen Bußgeldbescheid offen, muss er zahlen. Möchte man generell Widerspruch einlegen, braucht man unter Umständen ein dickes Portemonnaie: denn ein mögliches Verfahren findet bei Ordnungswidrigkeiten in dem Land statt, wo sie begangen wurden – und Anwalts- und Verfahrenskosten können im Ausland schnell in die Tausende von Euro gehen.

Sonderfall Mautgebühren

Wenn bei Ihnen zum Beispiel aus Italien Inkasso-Schreiben bezüglich unbezahlter Mautgebühren eintrudeln, ist dies ein gesonderter Fall. Denn Inkasso-Unternehmen fordern das Geld in diesem Fall für die privaten Autobahnbetreiber ein – es handelt sich also um zivilrechtliche Forderungen. Solche Mautgebühren-Forderungen verfallen in Italien erst nach zehn Jahren. Häufige Ursache für offene Mautgebühren sind etwa, dass man die falsche Spur gewählt hat oder dass die Schranke aufging, ohne dass die Zahlung erfolgreich war. Wenn man also tatsächlich nicht gezahlt hat, sollte man die Rechnung schnell begleichen.

Sehr modern lassen sich übrigens in Frankreich Knöllchen mit einer speziellen App mobil zahlen. Immerhin: Die Software kann man gratis auf sein Handy laden.

Stand: 28.08.2017, 11:25