5 Fallen - 2 Experten: Urlaub und Reisen

5 Fallen - 2 Experten: Urlaub und Reisen

870 Millionen Tage verbrachten die Deutschen im vergangenen Jahr auf Reisen. Und da ging jede Menge schief. Die Servicezeit-Experten Ines Imdahl und Hans-Josef Vogel kennen die häufigsten Urlaubsfallen.

Diplom-Psychologin Ines Imdahl und Rechtsanwalt Hans-Josef Vogel klären unter anderem auf, wie Urlauber am besten reagieren bei:

  • Flugverspätungen,
  • Gepäckverlust,
  • Abzocke bei Krankheit
  • und problematischen Souvenirs.

Falle 1: Flugverspätung

Häufig geht bei vielen schon vor dem Urlaub der Ärger los. Der Grund: Flugverspätungen. Im vergangenen Jahr mussten Urlauber fast 200.000 Stunden an deutschen Flughäfen warten, das entspricht rund 22 Jahren.

Was viele nicht wissen: Bei Flügen innerhalb der EU bzw. mit EU-Airlines stehen Kunden bei Flugverspätungen Ausgleichszahlungen zu. Und zwar bereits ab drei Stunden Verspätung – je nach Entfernung zwischen 250 und 600 Euro. Stellen sich die Airlines bei der Erstattung quer, kann die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) helfen. Wer sich gar nicht herumstreiten will, kann auch private Dienstleister beauftragen, das kostet allerdings eine Provision von circa 25 Prozent.

Sind Flugverspätungen auf außergewöhnliche Umstände wie Streik oder Naturkatastrophen zurückgehen, muss die Airline allerdings nicht zahlen.

Eine Frau mit Gepäck steht neben einer langen Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle im Flughafen.

Lange Warteschlangen: Oft ein Problem in Flughäfen

Falle 2: Reisemängel

Reisemängel sind am einfachsten einzuklagen, wenn man pauschal gebucht hat. Egal ob Schimmel, Kakerlaken, Baulärm oder ungenießbares Essen – es ist wichtig, Reisemängeln immer vor Ort bei der Reiseleitung zu melden! Nur so hat der Reiseveranstalter die Möglichkeit, den Mangel zu beheben oder Alternativen anzubieten. Tut er dies nicht ausreichend, lässt sich später je nach Reisemangel der Reisepreis mindern.

Hierfür ist es ratsam, schon am Urlaubsort Beweise zu sammeln, zum Beispiel durch Fotos oder Videos, oder indem man andere Urlauber als Zeugen hinzuzieht. Einen Überblick über die mögliche Höhe einer Reisepreisminderung geben zum Beispiel die Frankfurter oder Kemptener Reisemängel-Tabelle.

Bei Individualreisen muss der Urlauber sich bei Mängeln direkt beim Hotelmanagement beschweren.

Falle 3: Gepäckverlust

6.000 Koffer gehen an deutschen Flughäfen jeden Tag verloren. Auf der Reise besonders ärgerlich, da sich im Koffer natürlich sämtliche Dinge befinden, die man für den Urlaub benötigt. Wichtig bei Gepäckverlust: den Verlust sofort am „Lost and Found“-Schalter des Flughafens und bei der Fluggesellschaft melden.

Für möglichen Schadensersatz auch unbedingt schriftlich bei der Airline den Schaden melden und Quittungen, Belege, Gepäckabschnitt etc. einreichen. Was viele nicht wissen: Nach dem Montrealer Abkommen stehen Kunden bei Gepäckverlust bis zu 1.300 Euro zu!

Schon beim Packen ist es ratsam, den Koffer zusätzlich zum außen angebrachten Namen und Adresse auch innen mit der Handynummer zu versehen. Das vereinfacht die Rückführung zum Besitzer. Denn immerhin knapp 95 Prozent aller verlorengegangenen Koffer tauchen am Ende auch wieder auf.

Reisegepäck - Tipps gegen Verlust

Jeden Tag gehen an deutschen Flughäfen 6.000 Koffer verloren.

Falle 4: Auslandsreise-Krankenversicherung

Niemand wünscht es sich, doch es passiert immer wieder: Durch Unfälle oder Erkrankungen muss man im Urlaub ins Krankenhaus. Vielen ist hier eine schnelle Rückführung nach Deutschland wichtig, der sogenannte Kranken-Rücktransport. Dieser kann aber schnell zur Kostenfalle werden, da die Rückführung durchaus in die Zehntausende Euro gehen kann und die gesetzliche Krankenkasse diese nicht übernimmt.

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung sollte daher unbedingt einen Rücktransport abdecken. Achten Sie hier im Vertrag unbedingt auf den Passus „medizinisch sinnvoll“. Dann übernimmt die Versicherung zumeist die Kosten. Einige Verträge beinhalten noch die Klausel „medizinisch notwendig“, dies kann für Kunden von Nachteil sein, da die Versicherung nur wenige Rückführungen als wirklich „notwendig“ ansehen muss. „Sinnvoll“ dagegen sind die meisten Rücktransporte!

Falle 5: Verbotene Souvenirs

Viele Urlauber erleben bei der Rückkehr am Zoll am deutschen Flughafen eine böse Überraschung. Schnell wird man hier zum ungewollten Schmuggler. Waren ab einem Wert von 430 Euro, also zum Beispiel technische Geräte oder auch Schmuck, die außerhalb der EU gekauft werden, müssen angegeben und verzollt werden. Tut man dies nicht, begeht man schnell eine Steuerhinterziehung und riskiert ein Strafverfahren samt Nachzahlung.

Ebenso keinen Spaß verstehen Zöllner bei der Einfuhr von Speisen und Getränken oder von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Hier gibt es jeweils strenge Einfuhrbestimmungen. Es lohnt sich also, sich im Vorfeld zu informieren, ob die Souvenirs auch einfuhrfähig und, wenn ja, zu verzollen sind. Helfen können hier die Informationen auf der Zoll-Homepage.

Stand: 14.07.2017, 11:00