Mehr Passagiere - mehr Lärm?

Mehr Flüge am Airport Köln/Bonn

Mehr Passagiere - mehr Lärm?

Im Herbst ist es soweit: Ryanair und Eurowings rüsten auf. Damit dürften mehr als 100 zusätzliche Maschinen jede Woche in Köln/Bonn starten und landen. Bereits heute bereitet der Lärm der Passagier- und Frachtflieger in NRW Anwohnern Probleme.

Zum Winterflugplan 2015 will der Billigflieger Ryanair mit sieben neuen Strecken das Angebot am Flughafen Köln/Bonn verdoppeln. Zudem heben ab November die ersten Maschinen der Lufthansa-Billigtochter Eurowings in Köln ab, die sich mit günstigen Langstreckenflügen gegen die Konkurrenz behaupten will. Nach Informationen von "markt" dürften damit weit mehr als 100 zusätzliche Flüge jede Woche in Köln/Bonn starten und landen. Die Anwohner rund um den Flughafen befürchten nun künftig noch mehr Verkehr und eine höhere Belastung durch Fluglärm - mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit. Ein höheres Herzinfarktrisiko, Migräne, Depressionen, Immunschwächen und Krebs sind einige Krankheiten, die Mediziner immer wieder mit Lärm in Verbindung bringen. Und: Dem Fluglärm kann man nicht entgehen. Anders als bei Straßengeräuschen gibt es keinen lärmabgewandten Teil der Wohnung.

Angst vor mehr Flugverkehr

Ob die neuen Flüge tatsächlich die Lärmbelästigung erhöhen, lässt sich im Vorfeld schwer prognostizieren. Das hängt unter anderen auch davon ab, welche Flugzeugtypen eingesetzt werden. Steigende Passagierzahlen bedeuten nicht unbedingt mehr Lärm, denn größere Maschinen nehmen mehr Menschen auf, neuere Modelle sind zudem leiser. Doch selbst wenn moderne Maschinen eingesetzt werden - die Anwohner blicken skeptisch auf die kommenden Flugplanänderungen. Viele empfinden die jetzige Belastung durch den Köln-Bonner Flughafen bereits als Zumutung, vor allem weil hier auch nachts geflogen werden darf. Zudem ist Köln der mit Abstand größte Frachtflughafen in NRW - und hier werden oft ältere und damit auch lautere Maschinen eingesetzt.

Flugverkehr in NRW

Und der Flughafen Köln-Bonn ist auf Expansionskurs. "Am Flughafen Köln-Bonn können wir aktuell wieder steigende Verkehrszahlen feststellen. Die Low-Cost-Carrier treten in eine zweite Welle ein", sagt Wolfgang Grimme vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumforschung (DLR). Insgesamt ist die Entwicklung an den Flughäfen in NRW uneinheitlich: Während die großen Standorte Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund 2014 mehr abfliegende Gäste als im Vorjahr verbuchten, verzeichneten die Airports Weeze und Paderborn/Lippstadt einen Rückgang bei den Fluggästen. Münster-Osnabrück konnte als einziger kleinerer Flughafen mehr Reisende abfertigen. Allerdings: Im Fünf-Jahresvergleich stiegen nur in Dortmund und Düsseldorf mehr Menschen in eine Maschine, an den übrigen NRW-Flughäfen flogen 2014 weniger Passagiere als 2009 ab.

Anders sieht es im Bereich Güterverkehr aus, der vor allem von der konjunkturellen Entwicklung und den Exporten abhängig ist. Mit Ausnahme vom Dortmunder Flughafen - dessen Frachtgeschäft eher unbedeutend ist - wurden in Düsseldorf, Köln/Bonn, Münster-Osnabrück und Paderborn-Lippstadt im Vergleich zu 2009 deutlich mehr Waren in die Welt verschickt. Gemessen am Gewicht wurden von Köln aus in den vergangenen fünf Jahren 30 Prozent mehr Güter versendet. Das große Plus der Rheinländer: "Die Nachtflugerlaubnis in Köln/Bonn ist für das Geschäftsmodell extrem wichtig", erklärt Grimme. Damit könnten die Fluggesellschaften ihre Maschinen optimal einsetzen.

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Folgen für die Gesundheit

Zum Leid der Anwohner. Professor Thomas Münzel von der Uniklinik Mainz forscht über die gesundheitlichen Folgen von Lärm und hat neue Erkenntnisse gewonnen. Nicht nur für die Älteren, auch für die jungen Menschen hat der Kardiologe die gleichen Reaktionsmuster auf Lärm nachgewiesen: Die Gefäßwände erstarren quasi - und zwar unabhängig davon, ob man sich über den Krach ärgert oder nicht. "Das erklärt dann langfristig, warum ein Bluthochdruck entstehen kann, aber auch mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle", sagt Münzel.

Stand: 17.08.2015, 12:29