Was Wein aus dem Discounter taugt

Was Wein aus dem Discounter taugt

Von Eva-Marie Günzler

Nirgends bekommt man Wein so günstig wie im Discounter. Doch kann billig auch gut sein? Wir haben mal probiert. Außerdem klären wir, mit welchen Tricks bei der Weinherstellung gearbeitet wird.

Folgende Experten haben für Sie den Wein verkostet:

  • Axel Biesler – Sommelier aus Köln
  • Johanna Bossert – Winzerin aus Rheinhessen

Sie haben nach Geschmack, Farbe und Geruch beurteilt. Die Ergebnisse beruhen auf ihrem persönlichen Urteil.

Weißweine aus Discountern

Für unsere Verkostung haben wir Riesling und Grauburgunder aus vier Supermärkten gekauft: Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl und Edeka. Alle Ergebnisse beruhen auf dem persönlichen Urteil unserer Tester.

Das Bild zeigt das Ergebnis vom Markt-Check.

Das Ergebnis des Markt-Check´s ergab, dass Alsi Süd in punkto Riesling und auch Grauburgunder am besten abgeschnitten hat.

Das Ergebnis des Markt-Check´s ergab, dass Alsi Süd in punkto Riesling und auch Grauburgunder am besten abgeschnitten hat.

Aldi Nord:

Riesling (feinherb):

starker Schwefelgeruch, dumpf, bitter

Grauburgunder (Silvaner, trocken):
Schwefelgeruch, der dann verfliegt, dropsig, ein bisschen Frucht, klar am Gaumen, wenig Säure

Aldi Süd:

Riesling (Classic, 2016):

saftig, süßlich, tropisch anklingende Fruchtnoten, nicht typisch Riesling, aber schmeckt gut und süffig, spricht breite Masse an

Grauburgunder (Baden, trocken, 2016):
fruchtig, animiert zum Trinken, ein bisschen Säure, die ihm aber steht, Eisbonbon, wie Pinot Grigio

Lidl:

Riesling (Pfalz, halbtrocken, 2015):
wenig Geruch, macht Spaß am Gaumen, gewisse Süße und Säure, gewisse Kraft und Volumen, gut für Feinherb-Trinker

Grauburgunder (Rheinhessen, trocken, 2015):
Geruch erinnert an Champignons aus dem Glas, wenig Körper, kaum Säure, Geschmack sofort weg nach dem Schlucken

Edeka:

Riesling (Pfalz, trocken):

zitrushaltig, Gletschereisdrops, dünn, für Schorle okay

Grauburgunder (Pfalz, trocken, 2015):
gewisse Süße, ihm fehlt innere Spannung zwischen Süße und Säure, nicht schlecht, aber eindimensional

Tipp unserer Verkoster: Bei günstigen Weinen lieber zum Grauburgunder greifen. Riesling ist aufgrund der Säurekomponente der komplexere Wein und erzielt in der Massenproduktion geschmacklich weniger zufriedenstellende Ergebnisse als der Grauburgunder.

So entsteht Massenwein

2,40 Euro gibt der Deutsche im Schnitt pro Flasche für heimischen Wein aus dem Supermarkt aus. Doch wie kann man riesige Mengen zu solch kleinen Preisen herstellen? Zimmermann-Graeff & Müller (ZGM) ist eine Weinkellerei an der Mosel, die zu den Big Playern im deutschen Weingeschäft gehört. Wir waren dort. Hier unsere Erkenntnisse:

  • Etwa 1.000 Winzer liefern zu
  • 2016 machte ZGM einen Umsatz von 162 Millionen Euro
  • Täglich werden eine halbe Million Liter Wein produziert
  • Für einen Wein liefern viele Winzer zu – bis zu 20 verschiedene pro Weinsorte
  • „Gute Massenware, keine Spitzenweine“, so das Unternehmen
Das Bild zeigt das Ergebnis vom Markt-Check.

Wir wollten wissen, wie viel Gewinn die Kellerei pro Flasche macht, wenn der Wein im Laden 2,40 kostet. Da das Unternehmen hierzu keine Angaben machen wollte, haben wir mit Branchenkennern gerechnet. Das Ergebnis: Wenn der Wein im Laden 2,40 kostet, beträgt der geschätzte Gewinn nur etwa zwei Cent pro Flasche.

Zusatzstoffe im Wein – die Tricks der Hersteller

Holzstück in den Wein werfen, warten, bis der Wein das Aroma annimmt und wieder raus damit. Dubiose Taktik bei der Weinherstellung? Könnte man meinen, doch Methoden wie diese sind völlig legal.

Mehr als 50 Hilfsmittel für die Weinherstellung hat die EU zugelassen. Sie werden am Ende der Produktion wieder herausgefiltert und müssen deshalb nicht auf der Flasche stehen. Hinter den zahlreichen Behandlungs- und Zusatzstoffen steckt eine ganze Industrie.

Da uns eine der größten Firmen der Branche – Erbslöh – eine Absage erteilt, sprechen wir mit Professor Dominik Durner vom Weincampus Neustadt. „Bei der Weinherstellung gibt es 500 Stellschrauben“, sagt er. Ein beliebtes Hilfsmittel ist laut Durner z.B. ganz spezielle Hefen. Für jede gängige Rebsorte gibt es eine passende Hefesorte. Der vielleicht bekannteste Geschmacksverstärker jedoch ist Holz. In Form von gerösteten „Chips“. Je nach Röstgrad gibt das Holz dem Wein ein ganz anderes Aroma – von Vanille bis Kaffee.

Da Wein nicht ein reines Naturprodukt sein muss, wird nachgeholfen und der Geschmack „gelenkt“. Auf dem Etikett kann man das nicht nachlesen.

Wir haben bei den Herstellern unserer acht Testweine nachgefragt, ob auch sie nachhelfen. Das Ergebnis: Zwei antworteten zurückhaltend, und verwiesen auf die allgemeinen Verfahren bzw. das es sich bei diesen Informationen um ein Betriebsgeheimnis handele – der Rest antworteten gar nicht. Nur ein Unternehmen, Emil Wissing aus der Pfalz ist transparent und nennt uns alle önologischen Verfahren, die sie verwenden. Mit dabei z.B. Kupfersulfat und Kupersulfit, um geruchlichen oder geschmacklichen Mangel am Wein zu beseitigen.

Stand: 29.03.2017, 15:00