"Too good to go" – was taugt die neue Essens-Börse?

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"Too good to go" – was taugt die neue Essens-Börse?

Von Jörg Brunsmann

Die Idee kommt aus Dänemark, ist dort Ende 2015 an den Start gegangen – und erreicht jetzt auch Deutschland und NRW. "Too good to go", heißt das Startup-Unternehmen; auf gut Deutsch: "Zu gut zum wegwerfen". Der Name ist Programm, denn mit Hilfe der Internetseite beziehungsweise der Smartphone-App sollen noch genießbare Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden.

Das Ziel: Weniger Essen in der Mülltonne

"Too good to go" zielt dabei vor allem auf Restaurants und Cafés, bevorzugt solche, die ein Buffet mit All-you-can-eat-Menü haben und bei denen zum Geschäftsschluss häufig Essen in der Mülltonne landet – weil das zubereitete Essen nicht bis zum nächsten Tag aufgehoben werden kann. Zudem dürfen Restaurants ihr Essen auch nicht an die Tafeln abgeben.

"Too good to go" – was taugt die neue Essens-Börse?

WDR 2 Quintessenz | 16.09.2016 | 03:34 Min.

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So funktioniert es

Die Restaurants legen fest, wie viele Reste-Portionen sie anbieten und zu welchem Preis sie diese abgeben wollen. Meist kostet eine Portion zwischen zwei und zehn Euro – für ein Essen, das im regulären Verkauf sechs bis 25 Euro kosten würde.

Wer in den Genuss eines solchen Reste-Essens kommen will, geht einfach über die App: Man sucht sich ein Restaurant in der Nähe aus, gibt ein, wie viele Boxen man haben möchte, bezahlt diese – und wartet auf den Abholtermin. Der ist nämlich klar festgelegt; erst kurz bevor das Mittagsmenü endet oder das Restaurant schließt, darf man dort sein Essen abholen. Zum Teil ist das sehr spät: Es gibt Restaurants, die erst gegen 22:30h eine Abholung ermöglichen.

Jeder soll gleichgroße Portionen bekommen

Vor Ort zeigt man seine Quittung aus der "Too good to go"-App und bekommt vom Restaurant dann die entsprechenden Portionen ausgehändigt – oder eine Box, die man selbst vom Büffet füllen darf. Eigene Behälter darf man nicht mitbringen; so soll dafür gesorgt werden, dass alle Reste-Käufer in etwa die gleiche Portion bekommen und das Restaurant die verkauften Boxen tatsächlich auch aus den Büffet-Resten füllen kann.

Einen Euro vom Verkaufspreis bekommen die Betreiber von "Too good to go", der Rest ist für die Gaststättenbesitzer; so soll es für die Restaurants auch attraktiv sein, mitzumachen – sie verdienen Geld mit Essen, dass sie sonst weggeworfen hätten.

In NRW bis jetzt nur in Köln und Aachen

Derzeit sieht man "Too good to go" allerdings noch deutlich an, dass es sich um ein Startup-Unternehmen handelt. In NRW gibt es erst wenige Angebote, diese befinden sich zudem alle in oder in der Umgebung von Köln und Aachen. Zudem ist die Auswahl nicht besonders vielfältig: Viele Sushi-Restaurants und chinesische Buffet-Restaurants sind vertreten; das ein oder andere Café und einige Bäckereien machen ebenfalls mit.

Hinzu kommt: Wer bei "Too good to go" bestellt, weiß bis zum Abholtermin nicht genau, was er für sein Geld bekommt – verkauft wird das, was übrig bleibt – und das variiert stark von Tag zu Tag. Ebenso die Menge. Sollte nicht mehr genug da sein, um die gekaufte Box zu füllen, wird der Käufer immerhin per Nachricht auf dem Smartphone informiert und muss sich gar nicht erst auf den Weg machen.

Ob das Startup-Unternehmen dauerhaft Erfolg hat – und am Ende weniger Essen im Müll landet, muss sich erst noch zeigen.

Stand: 15.09.2016, 12:27