Weidemilch – neues Siegel sorgt für Klarheit

Weidemilch – neues Siegel sorgt für Klarheit

Von Iris Rohmannn

Glückliche Kühe auf grünen Weiden – das zeigen die Verpackungen von Milch und Milchprodukten. Und das erwartet auch der Verbraucher, wenn er mehr Geld für Milch ausgeben soll. Doch häufig hält die Verpackung mit den bunten Bildern nicht, was sie verspricht. Ein neues Siegel schafft Abhilfe.

Landwirte, Ministerien, Naturverbände und Interessengemeinschaften, Vereine sowie eine Molkerei haben sich zusammengeschlossen, und einheitliche Mindeststandards für Weidemilch definiert. Seit Mitte August 2017 gibt es die Milch mit dem Siegel auch in NRW – Zur Zeit bei Rewe, bald will Lidl nachziehen.

Die Kriterien

  • Die Milchkuh steht mindestens 120 Tage im Jahr für mindestens sechs Stunden auf der Weide. Darüber wird Buch geführt.
  • Auch während der Stallsaison müssen die Kühe an jedem zweiten Tag Auslauf haben, für mindestens eine Stunde.
  • Die Kühe fressen Gras und Heu, es darf nur gentechnikfreies Futter zugefüttert werden.
  • Pro Milchkuh müssen insgesamt 2000 Quadratmeter Dauergrünland vorhanden sein, davon muss die Hälfte sich als Weide eignen.
  • Externe Kontrollen alle drei Jahre sorgen für Einhaltung der Kriterien
  • Landwirte sollen ab 2018 fünf Cent mehr pro Liter Milch bekommen, zur Zeit erhalten Landwirte nur einen Cent mehr.

Grundsätzlich ist mehr Weidemilch auch wünschenswert.  Denn Kühe, die auf der Weide grasen sind gesünder und leben länger. Auch ihre Milch ist besser, weil sie durch das frische Grünfutter mehr der wertvollen Omega-3-Fettsäuren enthält. Alles gute Gründe, um an der Supermarkttheke zu Weidemilch zu greifen.

Allerdings ist ein Cent mehr pro Liter Milch zu wenig. Es kann Landwirte motivieren, dabei zu bleiben, die sowieso schon Weidewirtschaft betreiben, aber ein Anreiz für Umstellung auf Weidewirtschaft wird nur erreicht werden, wenn der Aufpreis von fünf Cent gewährt werden kann. Zur Zeit ist jedoch noch nicht klar, wer das finanzieren wird.

"Pro Weideland" zwischen Billigmilch und Bio

Zur Zeit wird die Weidemilch für 79 Cent angeboten – Das ist deutlich teurer als eine Vollmilch beim Discounter, aber zugleich auch deutlich günstiger als Bio-Milch. Wer Weidewirtschaft grundsätzlich gut findet und fördern möchte, hat deshalb mit dem Griff zur Weidemilch Pro Weideland etwas Gutes getan. Wer mehr tun will, kann Bio-Milch kaufen, oder Milch von Verbänden, die Mensch und Tier fair behandeln und entlohnen.

Ist Bio-Milch nicht automatisch Weidemilch? 

Leider nein. Aber die meisten Bio-Anbauverbände schreiben Weidegang vor. Rund 90% der Bio-Milchkühe haben regelmäßig Auslauf. Die strengen Richtlinien bei Bio-Milch in Bezug auf Haltung und Futter werden von externen Prüfstellen regelmäßig kontrolliert. Und – für Biomilch erhalten Landwirte deutlich mehr, vor allem in den Verbänden – als für konventionelle Milch. Eine Ausnahme: Die Sternenfair Weidemilch. Hier sind die Kriterien noch strenger als bei "Pro Weideland", und die Landwirte erhalten 40 Cent pro Liter

Stand: 07.09.2017, 17:00