Nachernte – gute Idee gegen Lebensmittelverschwendung

Nachernte – gute Idee gegen Lebensmittelverschwendung

Bei der Nachernte auf dem Lammertzhof darf jeder das Gemüse, das noch auf den Feldern liegt, umsonst mitnehmen. Das macht Spaß. Und krumme Möhren machen auch satt.

Heinrich Hannen ist überzeugt, dass unsere Felder doppelt so viele Menschen versorgen könnten, wie sie es heute tun. Dazu müssten Verbraucher nur bereit sein, die "Missfits" zu essen und unschöne Stellen mit dem Messer wegzuschneiden. "Und das eben auch in der Großküche", sagt der Landwirt vom Lammertzhof in Kaarst. Die Großküchen akzeptierten nur 1a-Ware, die auch noch maschinengerecht sein muss.

Nur die Schönen kommen in den Verkauf

Die Folge: Landwirte sortieren krumme Möhren, kleine Kartoffeln oder dicke Radieschen schon auf dem Feld aus, weil diese nicht vermarktet werden können. Eine große Lebensmittelverschwendung, findet Hannen. Schließlich machen buckelige Möhren genauso satt wie wohlgeformte. Deshalb öffnet der Landwirt seit drei Jahren nach der großen Herbsternte seine Felder für jedermann.

Aufsammeln, mitnehmen und selbst verwerten

Zwei Kleinkinder auf einem Feld

Ernte - alle helfen mit

Zum ersten Erntetermin am vergangenen Samstag (16.09.2017) kamen rund 200 Menschen, um Gemüse aufzusammeln und mitzunehmen. Im ersten Jahr waren es gerade einmal 20 Helfer. "Das Gute bei den Aktionen ist, dass nicht nur typische Hofladen-Kunden kommen", sagt Hannen. Schwerpunktmäßig seien viele junge Familien mit kleinen Kindern dabei gewesen. Und auch Menschen, die im Laden aus Kostengründen eher auf Bio-Ware verzichten müssten, seien zur Nachernte gekommen.

Von Rote Beete bis Salbei - alles dabei

Die Ernte dürfte sich für die meisten gelohnt haben: Der Landwirt schätzt, dass rund 300 Kilogramm Rote Bete, 400 Kilogramm Kartoffeln, 200 Kilogramm Möhren, 1.000 Zuckermaiskolben, 200 Bund Radieschen, 100 Sellerie, 200 bis 300 Salate und etliche Bünde Schnittlauch und Salbei mitgenommen wurden. Weiteren Nachernten sind für den 23. und 30. September 2017 angesetzt.

Viele Bauern erlauben Nachernte

Ein Korb mit Salat und Sellerie

selbst geerntet und umsonst

Trotz der vielen Besucher gibt es bislang kaum Nachahmer. "Die Nachernte ist mit viel Aufwand verbunden, den man nicht bezahlt bekommt und der von der eigentlichen Arbeit, einwandfreies Gemüse zu produzieren, ablenkt", versteht Hannen die Zurückhaltung der Kollegen. Allerdings erlauben viele Bauern, dass man auf eigene Faust nacherntet, wenn man vorher fragt. "Es ist doch schön, wenn nachgesammelt wird", sagt Beate Leiders vom Stautenhof in Willich. Und für den Eigenbedarf bleibe immer noch genug auf den abgeernteten Feldern übrig.

Gratis Obst ernten

Eine weitere Initiative gegen Lebensmittelverschwendung ist "mundraub.org". Auf der Internetseite finden sich Informationen zu Bäume im öffentlichen Raum oder auf Privatgrundstücken, deren Früchte man ernten darf. Die Initiative will dazu ermuntern, heimisches Obst zu sammeln anstatt es von weit her einfliegen zu lassen.

Stand: 22.09.2017, 06:00