Verbotenes Pflanzenschutzmittel im Fisch

Verbotenes Pflanzenschutzmittel im Fisch

Von Frank Aheimer

Fisch – vor allem Lachs – zählt zu den Klassikern der gesunden Küche. Doch Zuchtlachs-Produkte aus Supermärkten und Discountern können mit Chemie belastet sein.

Fisch-Stichproben aus konventioneller Aquakultur wiesen bei Laboruntersuchungen teilweise bedenkliche Mengen an Ethoxyquin auf, teilt Greenpeace am Mittwoch (14.12.2016) mit. Es handelt sich dabei um eine Chemikalie, die früher als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde. Wegen gesundheitlicher Bedenken wurde der Stoff von der Europäischen Kommission 2011 in der EU verboten, kann aber trotzdem als Tierfutterzusatz verwendet werden. Zudem wurden für zahlreiche Lebensmittel gesetzliche Grenzwerte eingeführt. Unter anderem für Fleisch, Milch, Obst und Gemüse. Sogar für Froschschenkel und Krokodilfleisch. Aber nicht für Fisch.

Lachs in der Kühltheke

Lachs in der Kühltheke

54 Fischprodukte aus Lachs, Forelle, Dorade und Wolfsbarsch hat Greenpeace auf Ethoxyquin untersuchen lassen. Untersucht wurden Tiefkühlfisch genauso wie geräucherter und frischer Fisch aus Aquakultur, Bio-Aquakultur und Wildfang.

Lachse aus konventioneller Aquakultur stärker belastet als bio

Alle 38 Speisefische, aus konventioneller Aquakultur, enthielten Ethoxyquin. In 32 Proben lag die Ethoxyquin-Belastung über dem gesetzlichen Grenzwert für Fleisch. Die höchste Belastung wies ein Lachsprodukt aus norwegischer Aquakultur auf. Der für Fleisch geltende Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kilogramm wurde laut Greenpeace dabei um mehr als das 17-fache überschritten. Forellen, Doraden und Wolfsbarsche aus Mittelmeeraquakultur waren gering bis sehr gering belastet.

In Fischprodukten aus Bio-Aquakultur hat Greenpeace Ethoxyquin nur in geringen Mengen nachgewiesen. Wie die Chemikalie dort hineingelangt ist, kann nur spekuliert werden, weil der Einsatz im Bio-Futtermittel verboten ist. Wildlachs ist im Gegensatz zu Lachs aus Aquakultur nicht mit Ethoxyquin belastet, da er nicht gefüttert wird. Das haben auch die Laborergebnisse bestätigt.

Wie kommt Ethoxyquin in den Fisch?

Aquakultur

Aquakultur in Norwegen

Die Masse der Lachsprodukte und Süßwasserfische stammen aus Aquakulturen. Anders als bei freilebenden Wildfischen werden die Zuchtfische mit Fischmehl gefüttert. Einer der größten Fischmehl-Hersteller sitzt in Peru. Von dort werden Aquakulturen in Norwegen oder Fischzuchten in den Mittelmeerländern beliefert. Um das Fischmehl für den bis zu 15.000 Kilometer langen Transportweg haltbar zu machen, wird es mit Ethoxyquin versetzt. So landet das verbotene Pflanzenschutzmittel im Speisefisch und auf den Tellern der Verbraucher.

Wie gefährlich ist Ethoxyquin?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bis heute kein abschließendes Urteil zur Toxizität von Ethoxyquin gefällt. Wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass der Stoff die Erbsubstanz schädigen, den Leberstoffwechsel verändern und krebserregend sein kann. Außerdem überwindet Ethoxyquin die Blut-Hirn-Schranke und lagert sich im Hirngewebe an.

Stand: 14.12.2016, 05:30