Bio aus dem Ausland – muss das sein?

Bio aus dem Ausland – muss das sein?

Von Iris Rohmann

Weil deutsche Landwirte die wachsende Nachfrage nach Bio-Obst und -Gemüse nicht befriedigen können, kommen mehr und mehr Ökoprodukte aus dem Ausland.

Bio-Importe aus dem Ausland in Zahlen

  • Äpfel: 49 Prozent (2013/2014)
  • Möhren: 45 Prozent (2013/2014)
  • Frühkartoffeln: 71 Prozent (2012/2013)
  • Tomaten: 80 Prozent
  • Paprika: 90 Prozent
  • Zucchini: 69 Prozent
  • Bananen: 100 Prozent

Warum wird so viel importiert?

Bei exotischen Früchten wie Bananen, Ananas oder Mango ist nachvollziehbar, dass sie aus dem Ausland kommen müssen, da unser Klima nicht geeignet ist, sie wachsen zu lassen. Sommergemüse wie Gurken, Tomaten oder Paprika können – vor allem unter Glas – auch in heimischen Gefilden wachsen, allerdings nicht im Winter. Wenn Verbraucher auch von November bis März nicht auf diese Gemüse verzichten wollen, müssen sie importiert werden.

Die Löhne im Ausland sind viel günstiger als bei uns – daher ist Auslandsware von weither oft sogar billiger als heimische Produkte vom Hof um die Ecke. Bio-Supermärkte kaufen größere Mengen Obst und Gemüse im Ausland ein, und orientieren sich auch stärker am Profit als kleinere Läden.

Das Bild zeigt vier unterschiedliche Bio-Produkte, die aber nicht aus Deutschland, sondern aus dem Ausland stammen.

Wer die Wahl hat zwischen einer Bio-Gurke aus Spanien oder einer konventionellen Gurke aus der Region, kann sich auch für die regionale Ware entscheiden.

Die Pachten und Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen sind enorm gestiegen, auch weil der Anbau von „Energiepflanzen“ für Biogasanlagen vom Bund gefördert wird, und immer mehr Landwirte auf Mais oder Raps umsteigen. Jungen Ökolandwirten erschwert das den Einstieg. Genossenschaften wie BioBoden oder Kulturland, die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Bio-Bauern-Initiativen, sowie Förderprogramme von EU, Bund und Land versuchen, den Ökolandbau zu fördern. Dennoch wachsen die Öko-Flächen in Deutschland viel langsamer, als die Nachfrage nach Bio-Produkten.

Wie können Verbraucher Ökolandbau in Deutschland fördern?

  • In kleinen Läden kaufen – die kennen ihre regionalen Erzeuger und bevorzugen kurze Wege.
  • Den Aufpreis für deutsche Produkte bezahlen, um heimische Landwirtschaft zu unterstützen.
  • Darauf achten, woher die Ware kommt – das Herkunftsland muss auf dem Preisschild stehen.
  • In den Wintermonaten vermehrt zu saisonalen Produkten greifen: Grünkohl oder Spinat aus Deutschland sind ebenso wertvolles Power-Food, wie Paprika oder Tomaten aus Spanien.
  • Öko-Genossenschaften unterstützen.
  • Wer die Wahl hat zwischen einer Bio-Gurke aus Spanien oder einer konventionellen Gurke aus der Region, kann sich auch für die regionale Ware entscheiden.

Ist Bio aus dem Ausland genauso gut?

Das Ökomonitoring des chemischen Untersuchungsamtes Stuttgart findet seit 2002 statt. Jährlich werden mehrere Tausend Stichproben nach Pestizidrückständen untersucht.  Deutschland liegt zwischen 2002 und 2015 bei den Beanstandungen zwischen 1 und 3,2 Prozent, EU-Länder zwischen 0,9 und 4,2 Prozent und Drittländer wie China zwischen 0 und 9,1 Prozent.

Laut Aussage des Untersuchungsamtes Stuttgart haben die Produkte aus dem Ausland aktuell eine ähnlich gute Qualität wie deutsche Produkte. Ausländische Erzeuger wissen um die hohen Auflagen und strengen Kontrollen hierzulande, im Laufe der Jahre gab es immer weniger Beanstandungen.

Demgegenüber sind Import-Produkte anfälliger für Öko-Betrug. Viele große Skandale der letzten Jahre hatten ihren Ursprung nicht in Deutschland. Aktuell: Möhren aus Süditalien, die fälschlicherweise als Naturland-Ware verkauft worden.

Stand: 30.11.2016, 11:00