Bio-Gurke in Plastik eingeschweißt - muss das sein?

Bio-Gurke in Plastik eingeschweißt - muss das sein?

Von Iris Rohmann

Supermärkte und Discounter verkaufen Bio-Gurken meistens in Plastik verpackt – konventionelle Gurken werden, zumindest in den Sommermonaten, in der Regel "nackt" angeboten. Widerspricht das nicht dem ursprünglichen Sinn von "Öko"?

Einzelhändler berufen sich auf verschiedene EU-Verordnungen, in denen festgelegt wird, dass Bio-/Ökoprodukte und konventionelle Ware deutlich unterscheidbar sein müssen. Und weil die Biogurken im Supermarkt-Sortiment den kleineren Teil ausmachen, wählen die Einzelhändler nach eigenen Aussagen das "kleinere Übel" und packen die Bio-Gurken in Folie.

Weil Verbraucher diese Praxis immer wieder kritisieren, werden noch viele weitere Argumente vorgebracht:

  • "Gurken werden dadurch vor Wasserverlust geschützt." (Lidl)
  • "Entspricht Erwartungen vieler Kunden aus hygienischer Sicht." (Edeka)
  • "Schutz vor Verwechslung und Vermischung mit anderen Produkten." (Netto)
  • "Nur bei längeren Transportwegen." (Real)
  • "Keine Kontaminierung mit Pflanzenschutzmitteln durch konventionelle Produkte." (Kaufland)
  • "Bewahrt das Produkt während des Transports vor Kälteschäden." (Aldi)
  • "Vermeidet Druckstellen." (Rewe/Penny)

Philipp Heldt von der Verbraucherzentrale NRW kann die Argumente der Händler nicht nachvollziehen. Auf die einzelnen Argumente geht er in diesem Video ein:

Nach Aussage von Gurkenbauer Franz-Josef Lesker sei die Plastikverpackung bei der Gurke nur dann sinnvoll, wenn im Hochsommer Gurken aus heißen Ländern wie Spanien importiert werden. Dann könne die Plastikfolie tatsächlich Verdunstung vermeiden. Aber im Hochsommer gebe es ja auch deutsche regionale Gurken im Angebot, man könnte also auf folierte Ware verzichten.

Warum kein Aufkleber?

Alternative Kennzeichnungen könnten durch Banderolen aus Papier oder Aufkleber gewährleistet werden. Das funktioniert bei anderen Produkten auch. In der Schweiz werden Gurken mit Aufklebern versehen. Die Haltung der deutschen Einzelhändler ist recht unterschiedlich:

  • "Wir werden, (wenn) die Plastikverpackung keinen wesentlichen Beitrag zur Qualitätserhaltung beiträgt und von unseren Kunden in breitem Maße als entbehrlich empfunden…werden, auch auf diese verzichten." (Rewe)
  • "Aktuell testen wir eine Umstellung auf unverpackte Bio-Schlangen-Gurke. Die finale Umstellung soll zeitnah erfolgen." (Netto)
  • "Vertauschen von Aufklebern - Das war früher...ein großes Problem und hat...zu den Verpackungen und zu dem heutigen Ist-Zustand geführt." (Tengelmann)
  • "Auch wenn wir versuchen, den Einsatz von Verpackungen so gering wie möglich zu halten, sind Verpackungen... in einem gewissen Umfang unvermeidlich." (Aldi Süd)
  • "Gurken aus den Niederlanden sind üblicherweise nicht zusätzlich verpackt. Eine eventuell notwendige Kennzeichnung erfolgt durch Banderolen oder Etiketten." (Edeka)
  • "Derzeit gibt es ...keine tragfähige Alternative zu der Kunststoffverpackung, die den geforderten Sicherheits- und Hygieneanforderungen entspricht." (Kaufland)

Stand: 28.11.2016, 11:43