Wenn die Krise den Job bestimmt

Stress am Arbeitsplatz

Wenn die Krise den Job bestimmt

Von Louisa Schmidt

Private Lebenskrisen treffen fast jeden früher oder später. Die belasten viele dann auch im Job. Immerhin: Arbeitnehmer haben einige Rechte – und mit ein bisschen Glück, hilft auch der Arbeitgeber.

Private Krisen haben mit der Arbeit nichts zu tun? Von wegen. Wer eine schwere Trennung erlebt, einen Angehörigen verloren hat oder eine kranke Mutter pflegen muss, leidet darunter oft stark. Eine Befragung der Krankenkasse AOK hat jetzt ergeben, dass jeder zweite in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine persönliche Krise hatte – und der Großteil war dadurch auch im Job weniger leistungsfähig. Die Konsequenz: Viele haben sich krankgemeldet oder sind krank zur Arbeit gegangen.

Um zu vermeiden, dass aus einer Lebenskrise eine ernsthafte psychische Erkrankung wird, sollte man handeln – und es kann sinnvoll sein, den Arbeitgeber mit einzubinden. Die Befragung der AOK hat ergeben, dass viele Betroffene im Unternehmen mit ihren Kollegen sprechen, um Verständnis für die eigene Situation zu bekommen. Wichtig ist aber vor allem das klärende Gespräch mit dem Chef. Dieser kann dann besser einordnen, warum der Arbeitnehmer zum Beispiel weniger konzentriert ist.

Wenn die Krise den Job bestimmt

WDR 2 Servicezeit | 14.09.2017 | 03:13 Min.

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Viele Arbeitgeber unterstützen – etwa mit flexiblen Arbeitszeiten

Viele Arbeitgeber sind darüber hinaus auch kulant, so die Umfrage. Wenn etwa ein Angehöriger gestorben oder erkrankt ist, können Arbeitnehmer bei manchen Firmen erst einmal in Teilzeit arbeiten oder im Home Office. Ein anderes Entgegenkommen: die Erlaubnis, vorübergehend den Arbeitsplatz zu wechseln oder seine Arbeitszeit flexibler einzuteilen. Fragen kann sich also lohnen – gerade in großen Firmen. Die bieten zum Teil auch spezielle psychologische Beratungsstellen. Überraschenderweise sind klärende Gespräche mit dem Chef in sehr kleinen Betrieben unüblich, zumindest laut der Befragung.

In Pflegefällen dürfen Angestellte oft fehlen

Wenn der Arbeitgeber sich gegen solche Angebote versperrt, hat man dennoch bestimmte Rechte. Etwa wenn ein Angehöriger verstirbt. Oft sichert ein Tarifvertrag dann wenigstens ein oder zwei bezahlte Tage sogenannten Sonderurlaub zu. Wer in einem Job arbeitet, für den kein Tarifvertrag gilt, sollte einen Blick in den Arbeitsvertrag werfen. Doch selbst wenn darin kein Sonderurlaub bewilligt ist: Die Erfahrung von Arbeitsrechtlern zeigt, dass sich Arbeitgeber und Mitarbeiter in solchen Fällen in der Regel problemlos einigen – zumindest, wenn es um einzelne Tage geht. Wer eine längere Auszeit braucht, sollte zum Arzt gehen. Eventuell muss er sich dann für einige Tage arbeitsunfähig erklären lassen.

Mehr Rechte haben Arbeitnehmer, wenn etwa ein Familienmitglied plötzlich pflegebedürftig wird. Unter bestimmten Bedingungen dürfen sie dann in akuten Fällen bis zu zehn Tage fehlen. Das ist vom Gesetzgeber klar geregelt. Der Arbeitgeber kann allerdings einen Nachweis verlangen, dass sich kein anderer Angehöriger um die Person kümmern kann. In größeren Betrieben können Betroffen sich oft auch bis zu sechs Monate lang freistellen lassen oder vorübergehend in Teilzeit arbeiten, müssen allerdings Einkommenseinbußen hinnehmen.

Auch wenn das Kind krank wird, haben Eltern Anspruch auf freie Tage, sofern das Kind jünger als zwölf Jahre, gesetzlich krankenversichert ist und sich keine andere im Haushalt lebende Person kümmern kann. Jedes Elternteil darf jährlich zehn Tage pro Kind fehlen, maximal aber 25 Tage – Alleinerziehende entsprechend länger. Wenn der Arbeits- oder Tarifvertrag es nicht explizit ausschließt, bezahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter, sonst springt die Krankenkasse ein und zahlt Kinderkrankengeld.

Stand: 13.09.2017, 11:00