Kaiser Wilhelm aus Witzhelden

Kaiser Wilhelm aus Witzhelden

Von Marco Müller

Der Apfel ist die beliebteste Obstsorte der Deutschen. Wir alle kennen Äpfel also gut, aber wir kennen nicht alle Äpfel gut. So gibt es viele alte Sorten, die uns unbekannt sind, obwohl sie doch aus der Region kommen – und viel zu erzählen haben.

Apfelsorten

Dennoch: Nur rund 20 bis 30 Apfelsorten haben hierzulande eine wirtschaftliche Bedeutung – und das bei rund 20.000 bis 30.000 Sorten, die es weltweit geben soll. Viele alte Sorten führen bei uns ein Nischendasein. Dabei sollen sie für die zwei bis vier Millionen Menschen, die auf Äpfel allergisch reagieren, besser verträglich sein als die neu gezüchteten Sorten. Im Folgenden stellen wir einige alte Sorten vor.

Dennoch: Nur rund 20 bis 30 Apfelsorten haben hierzulande eine wirtschaftliche Bedeutung – und das bei rund 20.000 bis 30.000 Sorten, die es weltweit geben soll. Viele alte Sorten führen bei uns ein Nischendasein. Dabei sollen sie für die zwei bis vier Millionen Menschen, die auf Äpfel allergisch reagieren, besser verträglich sein als die neu gezüchteten Sorten. Im Folgenden stellen wir einige alte Sorten vor.

Los geht es mit dem Boskoop. Er gehört zu den bekannteren und beliebteren der alten Apfelsorten. Der Boskoop ist ziemlich groß und kann bis zu 200 Gramm wiegen. Er hat eine raue Schale, ist gelb-grün und auf der Sonnenseite rot. Neben seiner Größe, zählt der Geschmack zu seinen Besonderheiten. Er hat einen angenehmen Säuregehalt, aber auch viel Zucker und saftiges Fleisch. Man kann ihn aber nicht nur direkt essen. Er ist auch für vieles andere geeignet.

Man kann den Boskoop einkochen, backen oder Apfelmus aus ihm machen. Auch kann man ihn zur Saftgewinnung verwenden. Selbst als Bratapfel taugt er. Entdeckt wurde er um 1850 im holländischen Boskoop, nach dem er benannt wurde, von dem holländischen Obstkundler Johannes Wilhelm Ottolander. Gepflückt wird er Mitte bis Ende Oktober, essen kann man ihn von Dezember bis April.

Das auf dem Foto ist Kaiser Wilhelm. Ja, es ist ein Apfel. Er gehört zu den mittelgroßen bis großen Äpfeln und wiegt bis zu 170 Gramm. Seine Schale ist glatt, glänzend und goldgelb bis rot. Er hat einen würzigen, säuerlich-süßen Geschmack und lässt sich nicht nur sofort essen, sondern wunderbar auch zu Apfelsaftherstellung verwenden. Geerntet wird er Ende September, gegessen werden kann er von Ende Oktober bis April. 2007 war er der Apfel des Jahres. Wie aber kommt der Apfel zu seinem royalen Namen?

Kaiser Wilhelm I. ist Namensgeber für den Apfel. Man schrieb das Jahr 1864, als der Lehrer und Apfelkenner Carl Hesselmann in Witzhelden im Bergischen Land eine Apfelsorte entdeckte. Er nutzte den Kult um den Kaiser und benannte sie nach ihm. 1875 wurde der Apfel dem Kaiser zur Geschmacksprobe vorgelegt. Er war begeistert und genehmigte die Verwendung des Namens. Spätestens seitdem gilt er als majestätischer Apfel und royale Delikatesse. Übrigens fand man später heraus, dass er identisch mit einer Sorte ist, die man schon vorher im Kölner Raum entdeckt hat. Deren Name kommt nicht ganz so prunkvoll daher: Peter Broich.

Das Rheinische Seidenhemdchen ist mittelgroß und gelb-rot. Die Schale ist glatt und glänzend und die Frucht schmeckt süßsäuerlich. Es kann sofort gegessen werden, kann aber auch gut zu Saft und Apfelmus verarbeitet werden. Gepflückt wird es Anfang bis Mitte Oktober, gegessen werden kann es bis Januar. Die genaue Herkunft ist unbekannt, heute kommt das Rheinische Seidenhemdchen vor allem im Raum Aachen vor. Um 1900 gelangte es ins Bergische Land. Außerhalb des Rheinlandes kommt die Sorte mit dem niedlichen Namen kaum vor. Apropos Namen, ...

… es gibt viele Synonyme für diese Sorte: "Rotes Seidenhemdchen", "Weißes Seidenhemdchen", "Echtes Seidenhemdchen", nur "Seidenhemdchen", aber auch "Sydenhämchen", "Apfel aus Sydenham" und "Syden Hemdje". Nicht alle bezeichnen allerdings dieselbe Sorte, was zu noch mehr Verwirrung führt. Der Name könnte von der englischen Ortschaft Sydenham in der Grafschaft Devenshire kommen, oder auch abgeleitet sein vom englischen Familiennamen Sydham. Durch die Einführung über den Ärmelkanal nach Holland könnte der holländische Name für Seidenhemdchen – "Zijeden-Hemdje" – entstanden sein. Möglich ist auch, dass der Name einfach von der glatten und zarten Schale inspiriert wurde.

Der Luxemburger Triumph ist, wie der Name schon sagt, in Luxemburg entdeckt worden. Mitte des 19. Jahrhunderts war das. Zunächst hieß er "Schusterapfel" und "Wildling von Junglinster", da er angeblich in einem Wald bei Junglinster gefunden wurde. Den Namen "Luxemburger Triumph" bekam er erst später. Damit sollte seine Popularität gefördert werden. Er wird häufig mit dem Luxemburger Renette verwechselt, aus dessen Samen er mutmaßlich entstanden ist. Beide Sorten unterscheiden sich nur sehr geringfügig.

Im Rheinland ist der Luxemburger Triumph heute noch relativ weit verbreitet, besonders in den höheren und für den Obstanbau eigentlich ungünstigen Lagen von Westerwald, Eifel, und dem Oberbergischen Land. Die Frucht ist recht groß, die grüne Schale wird meist durch eine rote Backe gefärbt. Der Geschmack: süß-säuerlich. Die sehr saftige Apfelsorte eignet sich für den Verzehr genauso wie für die Saft- und Obstweinherstellung. Aus ihm wird auch ein Apfelbrand hergestellt. Pflückreif ist er Anfang Oktober, genussreif vom Baum bis Ende Dezember.

Ein Apfel mit Vor- und Zunahmen: Das ist Jakob Lebel. Den Namen hat er von seinem Entdecker. 1825 hat Jacques Lebel den Apfel im französischen Amiens gefunden. Heute wird die Frucht Jacques Lebel oder eingedeutscht eben Jakob Lebel genannt. 1849 wurde die Sorte in den Handel gebracht. 1922 wurde sie Reichsobstsorte, das heißt, sie war eine von der Deutschen Obstbau-Gesellschaft im Deutschen Reich empfohlene Sorte. Mit ihr bekamen noch zwei weitere Apfelsorten – Bohnapfel und Ontarioapfel – dieses "Prädikat". Damit wurden Sorten ausgezeichnet, die als wirtschaftlich wichtig eingestuft wurden.

Jakob Lebel ist groß und hat eine gelb-grüne Schale, die recht schnell fettig wird. Der Apfel ist saftig und schmeckt leicht säuerlich. Er kann frisch gegessen werden, eignet sich vor allem aber für die Verarbeitung. Er war sehr begehrt bei Bäckereien und galt als der Backapfel schlechthin. Gut ist er auch für gedörrte Apfelringe. Mitte September bis Oktober wird Jakob Lebel gepflückt, essen kann man ihn bis November, bei kühler Lagerung auch bis Januar.

Stand: 19.09.2017, 13:44 Uhr