Zollfrei kann teuer werden

Zollfrei kann teuer werden

Schnäppchen im Urlaub? An vielen Flughäfen locken "Duty-free"- oder "Travel-Value"-Läden mit günstigen Preisen und zollfreien Waren. Doch wer die Regeln nicht beachtet, kann ganz schnell draufzahlen.

Ein Duty-Free-Shop

Es klingt verlockend: "Duty-free"-Läden versprechen einen günstigen Einkauf für Reisende - etwa an Flughäfen. Denn die Waren werden "zollfrei" angeboten, also ohne Zollgebühren, Mehrwert- oder Verbrauchersteuern. Doch Vorsicht: Nicht immer handelt es sich um Schnäppchen. Und nutzen kann dieses zollfreie Angebot auch nicht jeder.

Es klingt verlockend: "Duty-free"-Läden versprechen einen günstigen Einkauf für Reisende - etwa an Flughäfen. Denn die Waren werden "zollfrei" angeboten, also ohne Zollgebühren, Mehrwert- oder Verbrauchersteuern. Doch Vorsicht: Nicht immer handelt es sich um Schnäppchen. Und nutzen kann dieses zollfreie Angebot auch nicht jeder.

Denn "Duty-free"-Angebote gibt es ausschließlich bei Reisen außerhalb der EU. Seit dem 01. Juli 1999 ist der steuerfreie Warenverkauf im Binnenverkehr verboten. Bei Reisen innerhalb der EU darf also nicht mehr steuerfrei eingekauft werden.

Allerdings haben sich viele Anbieter darauf eingestellt und bieten in so genannten "Travel-Value"-Läden auch den innerhalb der EU Reisenden "Duty-free"-Preise an. Bewegt sich der Fluggast innerhalb der EU, führt der Shop die entsprechenden Steuern ab, bei Reisen außerhalb der EU verbucht er's als klassischen "Duty-free"-Verkauf, also abgabenfrei.

Steuerfrei eingekauft werden kann übrigens nicht nur an Flughäfen, sondern auch in so genannten Zollausschlussgebieten. Hierbei handelt es sich um Gebiete, welche zwar dem Hoheitsgebiet eines Staates angehören, nicht jedoch seinem Zollgebiet. In Deutschland zählt etwa die Insel Helgoland zum Zollausschlussgebiet, in Italien Livigno oder in Österreich Kleinwalsertal.

Das Sortiment der sogenannten "Duty-free" und "Travel-Value"-Shops reicht von Parfüm, Kosmetik, alkoholischen Getränken, Tabakprodukten sowie Süß- und Spielwaren bis hin zu Accessoires.

Man sollte aber beachten, was und wieviel man einkauft. Wenn man aus Deutschland etwa in einen Nicht-EU-Staat reist, kann man die Grenze zwar in aller Regel einfach passieren. Man muss aber Waren anmelden, die in dem Reiseland Genehmigungen oder Verboten unterliegen. Dies können geschützte Tiere und Pflanzen sein, Arznei- und Betäubungsmittel oder auch jugendgefährdende und verfassungswidrige Medien.

Auch bei einer Rückkehr aus einem Nicht-EU-Staat nach Deutschland bestehen kaum Beschränkungen, sofern man nur Waren für den persönlichen Bedarf dabei hat. So darf etwa jeder ab 17 Jahren aus einem Nicht-EU-Staat 200 Zigaretten oder 100 Zigarillos oder 50 Zigarren oder 250 Gramm Rauchtabak mit im Gepäck haben.

Auch bei alkoholischen Getränken muss man bei einer Rückkehr nach Deutschland aus einem Nicht-EU-Staat gewisse Richtmengen beachten. Reisende ab 17 Jahren dürfen etwa 1 Liter Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 22 Volumenprozent oder 2 Liter Alkohol und alkoholische Getränke mit einem Alkoholgehalt von höchstens 22 Volumenprozent zollfrei einführen.

Die Einfuhr von Arzneimitteln ist generell bei einer Einreise nach Deutschland auf die Menge beschränkt, die dem persönlichen Bedarf des Reisenden entspricht. Dabei wird unter Berücksichtigung der Dosierungsempfehlung von einem Bedarf von maximal drei Monaten je Arzneimittel ausgegangen. Gefälschte Arzneimittel sowie besonders gefährliche und häufig im Doping verwendete Stoffe dürfen hingegen gar nicht eingeführt werden.

Zudem dürfen vier Liter nicht schäumende Weine und 16 Liter Bier bei der Rückkehr aus einem Nicht-EU-Staat eingeführt werden.

Diese Mengen fallen deutlich höher aus, wenn man aus einem anderen EU-Staat nach Deutschland zurückkehrt. Dann sind bei Tabakwaren etwa 800 Zigaretten erlaubt, 400 Zigarillos, 200 Zigarren oder 1 Kilogramm Rauchtabak.

Auch bei alkoholischen Getränken ist dann deutlich mehr erlaubt. Hier dürfen etwa 10 Liter Spirituosen oder alkoholhaltige Süßgetränke, 20 Liter "Zwischenerzeugnisse" wie etwa Sherry oder Portwein, 60 Liter Schaumwein und 110 Liter Bier zollfrei eingeführt werden.

Andere Waren sind nur zollfrei bis zu einem Warenwert von insgesamt 300 Euro bzw. 430 Euro bei Flug- oder Seereisenden. Für Personen unter 15 Jahren gilt ein Warenwert von 175 Euro.

Übersteigt der Warenwert diese Grenzen, kann es teuer werden. Bis zu einem Warenwert von 700 Euro beträgt der pauschalierte Abgabensatz 17,5 Prozent. Liegt der Warenwert höher, so hängt die Höhe der Abgaben nicht allein vom Warenwert, sondern auch von der Art der Waren ab. Hier müssen dann für jede Ware extra Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer und evtl. Verbrauchssteuern (etwa bei Tabakwaren oder Alkohol) entrichtet werden.

Unabhängig von ihrem Wert dürfen einige Waren überhaupt nicht eingeführt werden, etwa besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten.

Über die jeweiligen Einfuhrbestimmungen muss man sich vor einer Reise immer selber informieren. Denn auch wenn im "Duty-free"-Geschäft Alkohol besonders günstig angeboten wird, sollte man ihn etwa auf einer Malediven-Reise besser im Regal stehen lassen. Denn dort ist die Einfuhr von Alkohol generell verboten.

Stand: 19.07.2017, 06:00 Uhr