Muldenlüfter saugen Kochdünste nach unten ab

Dunstabzug ohne Haube

Muldenlüfter saugen Kochdünste nach unten ab

Von Iris Rohmann

Die Dunstabzugshaube ist aus der Küche nicht wegzudenken. Oder doch? Neue Systeme saugen Dampf und Fett nach unten oder zur Seite ab.

Dunstabzugshauben sind teuer, aber trotz Edelstahloptik und UFO-Form ein eher umstrittener Blickfang in der Küche. Neue Dunstabzugsysteme versprechen Kopffreiheit und freie Sicht. Die Dämpfe verschwinden, kaum dass sie entstanden sind, in einem Loch neben der Herdplatte oder in einer ausfahrbaren Abzugwand.

Schwächen des klassischen Dunstabzugs

1. Lärm: Die Lautstärke eines Dunstabzugs kann bis zu 75 Dezibel betragen – das entspricht dem Verkehrslärm einer befahrenen Kreuzung. Besonders günstige Modelle scheppern gern – was daran liegt, dass der Motor in der Haube das umliegende Metall in Schwingung versetzt. Man kann sich beim Kochen kaum unterhalten. Ein guter Wert liegt bei circa 60 Dezibel. 

2. Dampf: Für Brillenträger unangenehm – heiße Dämpfe steigen auf und die Brille beschlägt. Bei zu schwachen Dunstabzügen breitet sich der sogenannte Wrasen – fetthaltiger Dampf - im Raum aus, die Fenster beschlagen. Fettpartikel setzen sich ab, die Küche riecht tagelang nach Bratkartoffeln und Co.

3. Verletzungsgefahr: Sind Hauben zu tief gebaut oder zu weit nach vorn, kommt es zu Kopfstößen und Beulen.

Zwei neue Systeme - Dunstabzug ohne Haube

Hersteller sogenannter Muldenlüfter und Seitenlüfter versprechen Abhilfe -  an erster Stelle einen völlig freien Kopf. Motor, Filter und Leitungssystem sind hinter dem Herd oder unterhalb der Arbeitsfläche verbaut.

Ein Seitenlüfter fährt neben dem Kochfeld aus der Arbeitsplatte heraus.

Ein Seitenlüfter fährt neben dem Kochfeld aus der Arbeitsplatte heraus.

1. Seitenlüfter

Diese Lüfter fahren aus der Arbeitsplatte und erreichen eine Höhe von bis zu 40 Zentimetern. Im Betrieb saugen sie die Luft durch eine breite, aber flache Öffnung an ihrem oberen Ende ein. Dann leiten sie den Dampf durch Fettfilter und, als Umluft-Systeme, zusätzlich durch Aktivkohlefilter. Der Motor befindet sich unter dem Herd – im Sockel oder im Schrank, je nach Größe des Gerätes. Der gereinigte Dunst wird wieder in die Küche entlassen. Alternativ zum Umluft-System ist auch ein Abluft-System möglich, bei dem der Dampf durch Rohre nach draußen geleitet wird. Seitenlüfter werden auch als Tischlüfter bezeichnet.

Vorteile:

  • Kopffreiheit und damit keine Verletzungsgefahr
  • Die Tischhaube wird nach Gebrauch hinter dem Kochfeld versenkt und ist damit unsichtbar. Als ausgefahrenes Modell wirkt sie elegant und schick.
  • Die Lautstärke lag bei unserem Test bei 54 Dezibel, ein sehr gutes Ergebnis, bei mittelguter Absaugwirkung. Die „Turbo-Stufe“ ist deutlich lauter.
  • Da Tischhauben näher an der Dunst-Quelle arbeiten, müssen sie im Vergleich zu klassischen Ablüftern weniger einsaugen, um die Luft rein zu halten.

Nachteile:

  • Tischlüfter beginnen bei circa 900 Euro und können bis zu 2.500 Euro kosten.
  • Eine Umrüstung ist schwierig wegen des großen Platzbedarfs unterhalb der Arbeitsplatte. Bei manchen Modellen braucht man einen ganzen Schrank, um das Motorgehäuse, die Elektronik und den Kasten für die Haube unterzubringen.
  • Sollte Flüssigkeit in den Schlitz geraten, in dem der Lüfter versenkt wird, läuft diese in den Schrank.
Der Muldenlüfter liegt mitten in der Herdplatte.

Der Muldenlüfter liegt mitten in der Herdplatte.

2. Muldenlüfter

Der Dunst wird direkt an der Kochstelle abgesaugt, denn die Mulde befindet sich mitten in der Herdplatte. Heiße Luft steigt mit circa einem Meter pro Sekunde nach oben. Der Motor unter dem Herd erzeugt als Gegenmaßnahme einen Sog von bis zu vier Metern pro Sekunde. So entsteht eine Querströmung, die stärker ist als die Steiggeschwindigkeit des Dunstes.

Vorteile:

  • Kopffreiheit
  • Der getestete Muldenlüfter lag mitten im Kochfeld, und war damit so nahe „am Geschehen“, wie kein anderer.
  • Die Luftreinheit ist hoch, da die Kochdünste nicht aufsteigen können.
  • Die Lautstärke lag bei unserem Test bei 58 Dezibel, ein sehr gutes Ergebnis, bei guter Absaugwirkung.

Nachteile:

  • Eine Schwierigkeit sind hohe Töpfe. Hier ist es günstiger, den Deckel aufzulegen – was man sowieso tun sollte, weil es auch Strom spart.
  • Das getestete Modell kostete mehrere Tausend Euro. Bei diesem System ist allerdings die Herdplatte inklusive.

Stand: 19.01.2016, 12:00