Handy-Messenger: Alternativen zu WhatsApp

Handy-Messenger: Alternativen zu WhatsApp

Von Marco Müller

Seitdem Facebook angekündigt hat, Daten mit seinem Tochterunternehmen WhatsApp auszutauschen, sind viele der weltweit fast eine Milliarde WhatsApp-Nutzer verunsichert. Also zu einem anderen Messenger wechseln? Wir zeigen Alternativen.

Klar hat WhatsApp viele Vorteile. Der vielleicht wichtigste ist: Es ist der mit Abstand am weitesten verbreitete Messenger mit weltweit fast einer Milliarde Nutzer. Viele der eigenen Freunde und Bekannten haben ihn. Zudem ist WhatsApp leicht zu bedienen. Und die App gleicht die Rufnummern aus dem Telefonbuch ab, so dass man direkt andere WhatsApp-Nutzer angezeigt bekommt. Das ist praktisch. Aber ist es wirklich erstrebenswert?

Stiftung Warentest schrieb bereits im August 2015 in ihrem Messenger-App-Test dazu: "Welche Kontakte angezeigt werden, darf der Nutzer nicht bestimmen. So landen neben Freunden auch der Friseur und der Chef in der Messenger-App." Will man das wirklich?

Facebook- und WhatsApp-Icon

Einträchtig beeinander: Facebook und WhatsApp tauschen Daten aus

In der aktuellen Ausgabe von c't Security wird auf das Datenschutzproblem ebenfalls hingewiesen: "Außerdem macht Facebook keinen Hehl daraus, dass die WhatsApp-Server Metadaten sammeln – sie haben zwar keinen Zugriff auf den Inhalt der Nachrichten, können aber sehen, wer mit wem spricht." Und weiter: "Nutzer sollten sich auch bewusst sein, dass die App das Telefonbuch des Smartphones mit allen Kontakten in die Cloud lädt – ein beträchtliches Datenschutzproblem, das vielen Nutzern nicht gefallen wird." Wer Wert auf Datenschutz legt, der hat also genügend Gründe, sich andere Messenger zumindest mal anzuschauen.

Threema

Bei der WhatsApp-Alternative Threema fangen wir mal mit dem Negativen an. Sie kostet Geld: zur Zeit einmalig 2,99 Euro. Ist die Ausgabe verdaut, kann man die Vorteile genießen. Threema ist ebenfalls leicht zu bedienen. Neben Textnachrichten lassen sich auch Bilder, Audios und Videos versenden. Zudem lassen sich auch Umfragen unter Threema-Usern einrichten, wie zum Beispiel: "Wo soll die Weihnachtsfeier stattfinden?" Und dann gibt man Orte an, für die die Nutzer dann ihr Stimme abgeben können.

Logo der Instant Messenger Threema und WhatsApp auf einem Smartphone

Mehr Datenschutz: WhatsApp-Alternative Threema

Eine weitere Besonderheit sind die drei Vertrauensstufen der Chat-Partner, die analog zu einer Ampel aufgebaut sind. Unbekannte Chat-Partner bekommen ein Rot, User, die sich bei Threema verifiziert haben ein Gelb. Grün bekommen nur die Chat-Partner, mit denen man sich zumindest einmal persönlich getroffen hat. Jeder Threema-Nutzer hat einen eigenen QR-Code. Fotografiert man gegenseitig den QR-Code ab, bekommen beide Chart-Partner dann ein grünes Symbol.

In Sachen Datenschutz ist noch hervorzuheben, dass man beim Einrichten von Threema weder eine E-Mail-Adresse noch eine Telefonnummer angeben muss. Es reicht ein Benutzername. Der kann auch ausgedacht sein. Wer möchte, kann sein Telefonbuch von Threema auslesen lassen. Es ist aber keine Pflicht. Zudem ist der Messenger aus der Schweiz recht weit verbreitet – aber natürlich bei weitem nicht so weit wie WhatsApp.

Hoccer

Auch mit Hoccer lassen sich Text-, Bild-, Audio- und Videonachrichten verschicken. Im Gegensatz zu Threema ist Hoccer kostenlos. Analog zu Threema braucht man auch hier weder eine E-Mail-Adresse, noch eine Telefonnummer zur Anmeldung. Ein ausgedachter Name reicht auch hier. Selbst wenn man möchte, das Telefonbuch kann man nicht auslesen lassen. Was für den einen vielleicht zu umständlich ist, gibt dem anderen besonderes Vertrauen in den Datenschutz. Dazu trägt auch bei, dass Hoccer ein deutsches Unternehmen ist. Die Hoccer-Server stehen in Deutschland und es gilt das deutsche Datenschutzrecht.

Wer einen Kontakt hinzufügen will, der kann einen Einladungscode per SMS oder Mail verschicken. Die Computerzeitschrift c't weist darauf hin, dass man neue Kontakte auch finden kann, in dem man sich in ein globales Nutzerverzeichnis einträgt. Zudem zeigt Hoccer auf Wunsch andere Nutzer im Umkreis von 100 Metern an, mit denen man sich treffen könnte. Dazu muss man seinen Standort freigeben.

Insgesamt bietet die App ein sehr hohes Maß an Datenschutz. WDR-Netzexperte Jörg Schieb ist trotzdem skeptisch, dass sich der Messenger durchsetzt, weil er zu wenig verbreitet ist. Insgesamt bewertet er die Chancen, dort Freunde zu finden, als gering.

Signal

Messenger Signal

Messenger Signal

Vielleicht kennt jemand noch den Namen TextSecure. Die Android-App TextSecure und die iOS-App Signal sind zu Signal verschmolzen. Signal ist kostenlos. Wie die beiden vorgenannten Messenger, verfügt auch Signal über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so dass möglichst niemand die Nachrichten unterwegs abfangen und lesen kann. In gewisser Weise wurde Signal geadelt. Denn dieser Messenger ist die erste Wahl von Whistleblower Edward Snowden. Der Grund: Der gesamte Quellcode ist offen. Die Programmierung ist damit für Software-Experten transparent und es gibt keine Hintertüren. Netzexperte Schieb sieht Signal denn auch als einen der sichersten Messenger überhaupt an.

Aber auch hier gibt es Nachteile. Man kann zwar Texte, Bilder und Videos, aber keine Audios verschicken. Zudem weist Stiftung Warentest darauf hin, dass Signal ähnlich wie Whatsapp das eigene Telefonbuch automatisch ausliest und dass die Server in den USA stehen. Und Jörg Schieb sieht ähnlich wie bei Hoccer die geringe Verbreitung und damit die geringe Chance, Freund zu finden, als weiteren Nachteil.

Telegram

Der Messenger Telegram ist kostenlos. Leider lädt auch er automatisch das Telefonbuch hoch. Zudem verfügt er im Gegensatz zu den anderen erwähnten Apps nicht über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sondern nur über eine Transportverschlüsselung. Für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung muss man einen "geheimen Chat" starten, der aber nur funktioniert, wenn beide Nutzer online sind. "In der Realität wird es dafür sorgen, dass nur die wenigsten Telegram-Nachrichten mit starker Verschlüsselung versendet werden", warnt die Computerzeitschrift c't Security. WDR-Netzkenner Jörg Schieb weist noch auf einen interessanten Punkt hin: "Mit 'Secret Chat' lassen sich Nachrichten wie bei Snapchat mit einem Verfallsdatum versehen." Danach werden sie automatisch gelöscht.

Wire

Mit Wire kann man nicht nur Texte, Bilder und Videos versenden, man kann auch verschlüsselt anrufen und sogar videotelefonieren. Die kostenlose App hat auch eine Malfunktion, mit der man Zeichnungen verschicken kann. Zudem gibt es neben einer iOS- und einer Android-Version auch eine für Windows, genauso wie eine Desktop-Version im Browser. Sowohl WDR-Netzexperte Jörg Schieb, als auch die c't Security weisen auf die ansprechende Bedienoberfläche hin, die sich von der anderer Messenger angenehm abhebt.

Angeklickt WhatsApp Verschlüsselung

WDR-Netzexperte Jörg Schieb

Interessant: Man steht in einem für Wire-Nutzer einsehbaren Nutzerverzeichnis und kann so gefunden werden – und andere Nutzer finden. Allerdings kann man die Privatsphäre insoweit beeinflussen, als dass man jederzeit seinen Benutzernamen ändern kann. Zudem funktioniert eine Kontaktaufnahme nur, wenn der andere Nutzer dies vorher genehmigt. Positiv ist, dass die Server in Deutschland stehen, negativ, dass Wire das Telefonbuch ausliest. Das kann man allerdings verhindern, wenn man nach der Installation dem Messenger den Zugriff auf die eigenen Kontakte verweigert. Jörg Schieb sieht eine zunehmende Verbreitung von Wire und daher gute Erfolgsaussichten als echte WhatsApp-Alternative.

Stand: 24.10.2016, 23:22